Die herzerwärmende Geschichte des Affenbabys Punch steigert die Besucherzahlen im Ichikawa City Zoo, während Ikea und Duolingo es marketingtechnisch aufgreifen.
Ein Affe und sein KuscheltierVerstoßenes Makaken-Baby „Punch“ wird zum Internetstar

Von Mutter verstoßen: Makaken-Baby „Punch“ wurde zunächst von Hand aufgezogen.
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Das Schicksal des sieben Monate alten Makaken Punch aus dem Ichikawa City Zoo nahe Tokio hat in den vergangenen Tagen weltweit für Aufsehen gesorgt. Nachdem das Affenbaby nach einer schweren Geburt von seiner Mutter verstoßen wurde, stand es vor der Herausforderung, ohne mütterliche Fürsorge in einer hochsozialen Gemeinschaft zu überleben.
Wie übereinstimmende internationale Berichte über die Situation im Zoo zeigen, hatten die Tierpfleger das Jungtier zunächst von Hand aufgezogen und im Januar versucht, es wieder in die bestehende Affengruppe zu integrieren. Dieser Prozess gestaltete sich jedoch schwierig, da Punch zunächst kaum Anschluss fand und von den anderen Gruppenmitgliedern weggescheucht wurde.
Ikea springt auf Marketing-Zug auf
Um dem einsamen Tier Trost zu spenden, griffen die Zoowärter zu einer ungewöhnlichen Maßnahme: Sie gaben Punch ein Stofftier, einen großformatigen Orang-Utan des schwedischen Möbelhauses Ikea. Aufnahmen, die sich über soziale Netzwerke verbreiteten, zeigen den kleinen Affen, wie er sich an das Kuscheltier klammert, es durch das Gehege trägt und aktiv die körperliche Nähe zu dem Ersatzobjekt sucht.

Makaken-Baby „Punch“ und sein Stofftier
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Diese Bilder lösten eine enorme Resonanz aus. Laut Takashi Yasunaga, dem Leiter des Botanischen Gartens und Zoos, verdoppelten sich die Besucherzahlen im Vergleich zum Vorjahr auf über 8000 Gäste an einem Wochenende. Das berichtet die „New York Times“. Viele Besucher brachten sogar weitere Stoffaffen für das Tier mit in den Zoo. Die Geschichte von Punch blieb auch von großen Unternehmen nicht ungenutzt. Firmen wie Ikea und die Sprachlern-App Duolingo griffen das Thema für ihre Marketingzwecke auf.
Ikea Indien veröffentlichte etwa ein Bild des Kuscheltiers mit der Botschaft, dass Familie manchmal aus jenen bestehe, die man unterwegs finde. Duolingo kommentierte die Situation humorvoll mit einem Verweis auf das Erlernen der japanischen Sprache, um mit Punchs Eltern in Kontakt zu treten. Während die mediale Aufmerksamkeit den kleinen Makaken zum Internetstar machte, ordnen Experten die Situation auf einer sachlichen Ebene ein. Julia Ostner, Professorin an der Universität Göttingen und dem Leibniz-Institut für Primatenforschung, erklärte gegenüber dem „Spiegel“, dass der Fall von Punch zwar emotional bewegend, aber aus wissenschaftlicher Sicht erklärbar sei. Makaken seien extrem soziale Wesen. Da Punch durch die Handaufzucht das Gruppenleben nicht von Beginn an miterlebt habe, fehlten ihm die notwendigen sozialen Kompetenzen. Laut Ostner müsse er nun mühsam lernen, die Rangordnung und die Regeln innerhalb des Geheges zu verstehen. Dass er von anderen Affen zunächst „ruppig“ behandelt wurde, bezeichnet die Forscherin als einen notwendigen Teil der Sozialisation.
Die Expertin weist zudem darauf hin, dass die Ablehnung eines Jungtieres durch die Mutter im Freiland praktisch nicht vorkommt. In Zoos passiere dies jedoch gelegentlich, da den Tieren oft die Übung fehle. Da mütterliche Fürsorge in weiblichen Familiengruppen erlernt werde und Geburten in Gefangenschaft oft kontrolliert stattfänden, fehlten jungen Weibchen manchmal die Geschwister, an denen sie dieses Verhalten üben könnten. Den Einsatz des Kuscheltiers bewertet Ostner als positiv.
Obwohl es keinen adäquaten Ersatz für echte Artgenossen darstellt, bietet es den für Primaten überlebenswichtigen Körperkontakt und wirkt beruhigend. Fehlende soziale Bindungen könnten bei Primaten andernfalls zu erhöhtem Stress und gesundheitlichen Problemen führen. Trotz des schwierigen Starts zeichnet sich für Punch eine positive Entwicklung ab. Wie die „New York Times“ schreibt, hat sich mittlerweile ein anderer Affe des verstoßenen Jungtieres angenommen. Erste Anzeichen einer erfolgreichen Integration, wie gegenseitige Fellpflege und Umarmungen, seien bereits zu beobachten. Punch hat laut den Berichten sogar damit begonnen, den anderen Gruppenmitgliedern sein Kuscheltier „vorzustellen“.

