Sieben Studierende sollen an der Elite-Uni Cornell eine Kommilitonin stundenlang vergewaltigt haben. Angeklagt wurde lange niemand.
„Keiner wurde verhaftet“Mutmaßliche Gruppenvergewaltigung an Elite-Uni sorgt für Entsetzen

Eine Studierende läuft am Hauptquartier der Universitätspolizei der Cornell University vorbei. (Archivbild)
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Rund zwei Jahre nach der Anzeige einer jungen Frau wegen einer Vergewaltigung an der US-Elite-Universität Cornell hat die Staatsanwaltschaft eine neue Untersuchung angekündigt. Es werde geprüft, ob der Fall zur Anklage gebracht werden könne, teilte die zuständige Staatsanwaltschaft in Tompkins County im US-Bundesstaat New York mit.
Die Gouverneurin von New York, Kathy Hochul, forderte zudem eine unabhängige Untersuchung des Falls. Die Vorwürfe der jungen Frau seien „entsetzlich“, erklärte Hochul. „Ich will Antworten. Und ich will, dass jemand zur Rechenschaft gezogen wird“, schrieb sie zudem auf der Plattform X. Zuvor hatte die junge Frau gegen ihre Universität, zwei Verbindungen und sieben Männer Klage eingereicht.
Studentin berichtet von Gruppenvergewaltigung
Ihrer Darstellung zufolge war sie 2024 in einem Verbindungshaus mehrere Stunden lang von mehreren Männern vergewaltigt worden. Sie hatte der Polizei kurz danach davon berichtet, der Fall war aber nicht zur Anklage gekommen.

Das Haus der Studierendenverbindung Chi Phi in Ithaca, New York. (Archivbild)
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In ihrer Klage gegen die Universität und die damaligen Mitglieder der Studierendenverbindung Chi Phi gibt die Frau an, sie habe eine Freundin im Verbindungshaus der Cornell-Universität besucht, während sie bereits alkoholisiert gewesen sei. Zwei Mitglieder der Verbindung hätten sie unter Druck gesetzt, angeblich Ketamin einzunehmen. Anschließend sei sie dann über Stunden hinweg missbraucht und vergewaltigt worden.
Universität Cornell reagiert lediglich mit interner Untersuchung
Details aus der Klage befeuern die Empörung in den USA: Laut der Klage verschickte ein Mitglied von Chi Phi in der betreffenden Nacht gegen 1.42 Uhr eine anzügliche Nachricht in den Gruppenchat der Verbindung auf Snapchat, in der er andeutete, dass eine Frau im Obergeschoss „gratis“ für Sex zur Verfügung stehe. Die Frau erklärte in ihrer Klage, dass daraufhin weitere Männer das Zimmer betraten und die Übergriffe bis 5.45 Uhr andauerten. US-Medienberichten zufolge soll die Gruppe 57 Mitglieder gehabt haben.
Nach der erstmaligen Anzeige der Frau vor rund zwei Jahren führte die Cornell-Universität lediglich eine interne Untersuchung der Vorwürfe durch. Gegenüber CBS News erklärte der Anwalt der Klägerin, dass zwei Mitglieder der Studierendenverbindung in der Folge exmatrikuliert worden seien, während fünf weitere lediglich mit Suspendierungen belegt wurden und einen Essay verfassen mussten.
„Keiner dieser Typen wurde verhaftet“
„Keiner dieser Typen wurde verhaftet. Nicht einer. Das kann ich Ihnen mit Sicherheit sagen“, erklärte Anwalt Thomas Giuffra gegenüber CBS. Seine Mandantin habe nach dem Vorfall die Universität verlassen, fügte der Jurist hinzu.
Die in Bedrängnis geratene Universität widerspricht den Angaben des Anwalts unterdessen. Der Auftrag, einen Essay zu verfassen, sei nicht die „alleinige Folge“ gewesen, erklärte die Universität. Der Präsident der Universität, Michael Kotlikoff, betonte in einer Sitzung mit der Studierendenvertretung am 29. September, dass zwei der Beschuldigten exmatrikuliert und zwei weitere für mindestens zwei Semester suspendiert, worden seien. Einer der Beschuldigten habe unterdessen seinen Abschluss bereits gemacht, bevor eine Strafe verhängt werden konnte.
Mutmaßliche Gruppenvergewaltigung sorgt für Empörung in den USA
Der Fall sorgt in den USA für Schlagzeilen und hitzige Diskussionen, in die sich auch Stars einmischen. Es handele sich um eine „schreckliche Tat“, schrieb etwa die Schauspielerin Florence Pugh bei Instagram. Sie forderte Männer auf, sich ebenfalls dazu zu äußern. „Seid doch bitte mit uns sauer.“
Für große Empörung sorgt in der Debatte neben den von vielen als lächerlich empfundenen Strafen gegen die Beschuldigten auch, dass keiner der 57 Männer, die Teil der Verbindungs-Chatgruppe waren, sich für die Frau eingesetzt oder die Polizei informiert habe.
South-Park-Autor veröffentlicht Namen der Beschuldigten
Auch die demokratische Kongressabgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez macht Cornell deshalb schwere Vorwürfe. „Die Tatsache, dass die junge Frau ihre Ausbildung aufgeben musste, während diese Männer von einer Institution geschützt wurden und zur Belohnung einen Abschluss erhielten – nie wieder.“
Gleichzeitig steigt der Druck auf die Beschuldigten. Der Satiriker und Drehbuchautor Toby Morton, der mehrere Folgen der Animationsserie „South Park“ geschrieben hat, engagiert sich in dem Fall – und hat eine Webseite veröffentlicht, auf der er die Namen der sieben Beschuldigten veröffentlicht hat. (das/dpa)