Gurpreet Singh nahm vor dem drohenden Regen noch schnell die Wäsche von der Leine. Australier sehen darin nun ein Beispiel für das berühmte „Mateship“.
Wäsche abgehängtPostbote in Australien wird zum Internet-Held

Im Dienste der Australia Post steht auch der gefeierte Zusteller Gurpreet Singh. dpa
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Hilfsbereitschaft und Kameradschaft, das sogenannte „Mateship“, gehören zum australischen Selbstverständnis. Ein Postbote aus Queensland hat dies nun auf besonders herzliche Weise unter Beweis gestellt.
Die Geschichte begann an einem regnerischen Donnerstag im Vorort Kingston, südöstlich von Brisbane. Hausbesitzerin Verrity Wandel hatte ihre frisch gewaschenen Bettlaken zum Trocknen auf die Leine gehängt, als sie das Haus verließ. Als sie Stunden später zurückkehrte, rechnete sie mit dem Schlimmsten: klatschnasse Laken, womöglich schon auf den Rasen geweht. Doch vor der Haustür erwartete sie eine Überraschung – ordentlich gefaltet und fast trocken lagen die Laken neben ihrem Paket.
Überwachungskamera enthüllt unerwartete Freundlichkeit
„Einer unter einer Million“ Zunächst dachte Wandel, ihr Mann habe sie hereingeholt. Doch der winkte ab. Also sah sie in die Aufnahmen der Überwachungskamera – und konnte kaum glauben, was sie dort entdeckte: Ein Mitarbeiter von Australia Post, Gurpreet Singh, hatte nach der Zustellung eines Pakets kurzerhand die Wäsche von der Leine genommen und ins Trockene gebracht.
Viral gegangenes Instagram-Posting
„So dankbar, dass sie nicht klatschnass auf der Leine hing oder noch schlimmer – auf den Rasen gefallen wäre“, schrieb Wandel auf Instagram. „Dann sahen wir in die Überwachungskamera – und das war die Überraschung. Einer unter einer Million, dieser Typ ist so cool.“ Ihr Posting ging rasch viral. Bis heute wurde das dazugehörige Video fast drei Millionen Mal angesehen.
Gurpreet Singh nimmt Ruhm gelassen
Singh selbst nahm die plötzliche Aufmerksamkeit gelassen. In der Morgensendung „Sunrise“ auf dem australischen Sender Channel 7 erklärte er: „Ich helfe gerne, indem ich Pakete ins Innere eines Grundstücks oder vor die Tür schiebe, weil wir nicht ins Haus dürfen. Dazu gehört auch, Pakete die Treppe hochzutragen – solche Dinge eben.“ Die Wäsche mitzunehmen, sei ihm einfach in den Sinn gekommen.
Mateship: Eine nationale Tugend
Für viele Australier ist der Vorfall mehr als nur eine nette Anekdote – er steht für eine Haltung, die tief in der Kultur des Landes verankert ist. „Mateship“ nennen die Australier dieses Ideal: Hilfsbereitschaft, Solidarität und Kameradschaft.
Ursprünglich in den rauen Bedingungen der Kolonialzeit und in den Kriegen des 20. Jahrhunderts geprägt, ist es bis heute Teil des nationalen Selbstverständnisses. Es ist ein Wert, den auch viele Migranten, die inzwischen rund ein Drittel der Bevölkerung stellen, gerne übernehmen.
Gemeinschaftliche Anerkennung und Religionseinfluss
Eine Nachbarin kommentierte das virale Video begeistert: „Er ist der Beste!! Er ist auch unser Zusteller. So ein netter Mann – wir geben ihm immer Getränke, wenn er bei uns liefert.“ Ein anderer Nutzer verwies auf die Bedeutung der Tat in Singhs Religion: „Im Sikhismus ist der Dienst am Nächsten, bekannt als Seva, ein Grundprinzip – es geht um selbstloses Handeln und Hingabe für das Wohlergehen anderer.“ Doch viele brachten es schlicht auf den Punkt: „Seine Mutter hat ihm gute Werte mitgegeben.“ Diese Woche haben sich Singh und Wandel bereits persönlich getroffen – eine gemeinsame Tasse Tee ist in Planung.