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Wal „Timmy“ in der OstseeWenn der Riese zum Risiko wird – was nun droht

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Timmendorfer Strand: Ein Buckelwal schwimmt am Freitag begleitet von Schlauchbooten in der Ostsee. Nun ist er erneut gestrandet.

Timmendorfer Strand: Der Buckelwal „Timmy“ schwimmt begleitet von Schlauchbooten in der Ostsee. (Archivbild)

Ein Buckelwal stirbt vor Poel. Was der Tod des Riesen für die Natur bedeutet und warum der Kadaver für uns zum Problem wird. Alle Fakten.

Das Schicksal des vor Poel gestrandeten Buckelwals bewegt derzeit die gesamte Küste. Während Schaulustige und Aktivisten noch auf ein Wunder hoffen, bereiten sich Experten des Stralsunder Meeresmuseums bereits auf das Unvermeidliche vor. Sollte das Tier verenden, beginnt ein logistischer Kraftakt, der weit über die Bergung eines Kadavers hinausgeht.

Der Walsturz: Ein Festmahl für die Tiefsee

In der freien Natur ist der Tod eines Wals ein Segen für das Ökosystem. Sinkt der Körper in die Tiefe, sprechen Fachleute von einem „Walsturz“. Über Jahre hinweg dient der Kadaver als Lebensraum und Nahrungsquelle für Haie, Krebse und spezialisierte Mikroorganismen. In der flachen Ostsee jedoch greifen diese natürlichen Mechanismen kaum. Hier wird der tote Wal zum Behördenfall.

Die Gefahren am Strand

Ein verendeter Wal an der Küste birgt erhebliche Risiken für Mensch und Umwelt:

  1. Infektionsgefahr: Als Säugetiere tragen Wale Parasiten und Bakterien in sich, die auf den Menschen übertragbar sind.
  2. Explosionsrisiko: Durch Verwesungsprozesse entstehen Gase wie Methan und Ammoniak. Die dicke Speckschicht verhindert das Entweichen, wodurch der Körper unter enormen Druck gerät.
  3. Umweltgifte: Wale speichern lebenslang Schadstoffe und Schwermetalle in ihrem Fett, die bei der Verwesung den Strand kontaminieren können.
  4. Geruchsbelästigung: Der Verwesungsgeruch ist extrem intensiv und lässt sich kaum von Kleidung oder Haut entfernen.

Fehlende Protokolle und schwierige Bergung

Kritik kommt von Experten wie Ulrich Karlowski von der „Deutschen Stiftung Meeresschutz“. Da Strandungen in Deutschland selten sind, fehlen oft einheitliche Einsatzpläne und das nötige Equipment. Eine Bergung ist Schwerstarbeit: Meist muss der Koloss noch vor Ort mit schwerem Gerät und Kettensägen zerlegt werden.

Erkenntnisse für die Wissenschaft

Trotz der Tragik bietet ein toter Wal wertvolle Daten. Bei einer Sektion untersuchen Mediziner die Todesursache, Infektionen und den Mageninhalt, was Rückschlüsse auf die Plastikverschmutzung der Meere zulässt. Skelette landen oft in Museen zu Forschungszwecken.

Dass sich solche Vorfälle häufen könnten, liegt laut Fachleuten auch am Klimawandel. Durch die Erwärmung der Meere kommt es zu massiven Artenverschiebungen, die Tiere in ungewohnte Gewässer wie die Ostsee führen.

Aktuell bleibt die 500-Meter-Sperrzone vor Poel bestehen. Während die Atemfrequenz des Tieres sinkt, bereitet sich das Umweltministerium mit dem Meeresmuseum auf die kommenden Tage vor. (jag)