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WandsworthBoris Becker ist eingesperrt in Londoner Horror-Knast

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Seit vorigem Freitag ist Boris Becker in Haft.

London – Gerade einmal fünf Kilometer trennen den Platz, auf dem Boris Becker seine größten Erfolge feierte, von jenem seiner größten Niederlage. Das viktorianische Wandsworth-Gefängnis, in das der verurteilte Ex-Tennisprofi am vorigen Freitag per Sicherheitstransport gebracht wurde, nachdem er zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt worden war, liegt im Süden von London – genau wie der Centre Court von Wimbledon. Es sind zwei Schicksalsorte im Leben von Becker, die unterschiedlicher kaum sein könnten.

In Wimbledon wird üblicherweise Eton Mess – ein Hauch von Erdbeeren mit edler Crème double – gereicht. In Wandsworth ist dagegen schlichtere Kost angesagt. Geht es um „Wanno“, wie das Gefängnis der hohen Sicherheitskategorie B von seinen Insassen genannt wird, fallen schnell die Worte Drogen, Gewalt und Ratten.

Seit vorigem Freitag sitzt Boris Becker im gefürchteten Wandsworth-Gefängnis (kleines Bild) – aber wohl nicht mehr lange.

Seit einigen Tagen ist Becker nun vorläufig dort untergebracht, wie sein Anwalt Giles Bark-Jones bestätigte. Das Gefängnis selbst verwies auf das Justizministerium, das zu Becker und den Haftumständen aber nichts sagt.

Boris Becker in Wandsworth in Haft –„bröckelnd, überfüllt, verseucht“

Charles Taylor, der Oberinspektor für britische Gefängnisse, schrieb in einem im Januar veröffentlichten Bericht nach einer Bestandsaufnahme der Zustände von einem „bröckelnden, überfüllten, von Ungeziefer verseuchten Gefängnis“. Gewalt sei an der Tagesordnung – mit steigender Tendenz. Mehr als die Hälfte der befragten Insassen gab an, sich während ihrer Haft unsicher gefühlt zu haben.

Mit 1364 Insassen im vergangenen September galt Wandsworth als eines der überfülltesten Gefängnisse Englands. Drei Viertel der Insassen sollen zu zweit Zellen bewohnen, die nur für eine Person vorgesehen sind. Weil das Gefängnis so voll sei, müssten sich die Häftlinge immer wieder entscheiden, ob sie sich lieber bewegen, duschen oder eine Bestellung am Kiosk aufgeben, hielt Taylor fest. Oft verbrächten sie 22 Stunden am Tag in ihrer Zelle, manchmal wochenlang ohne Zugang zu frischer Luft und Tageslicht.

Der Journalist und Ex-Häftling Chris Atkins, der mehrere Jahre in dem gefürchteten Gefängnis verbracht hat, erinnert sich in seinem Buch an die Geräuschkulisse, die sich im Gedächtnis eingebrannt habe. „Rufen, hämmern, schreien, grunzen, bellen, drohen, schimpfen, lachen, jammern, streiten, kämpfen, heulen, weinen“, zählt er auf. „Es klingt, als hätte jemand jeden einzelnen Soundeffekt heruntergeladen und würde alle auf einmal abspielen.“

Boris Becker muss mindestens Hälfte der Haftstrafe absitzen

Einziger Trost für Becker: „Ich rechne nicht damit, dass er lange in Wandsworth bleiben wird“, so Anwalt Bark-Jones. Nach einigen Wochen werde er voraussichtlich in ein Gefängnis mit einer niedrigeren Sicherheitsstufe verlegt. Insgesamt soll die Tennis-Ikone mindestens die Hälfte seiner zweieinhalbjährigen Haft absitzen müssen. Theoretisch kann der 54-Jährige noch Einspruch gegen das Urteil einlegen. Die Erfolgsaussichten gelten jedoch als eher gering.

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In Wandsworth sei es selbst für ihn als Anwalt schwierig, Zugang zu seinem Mandanten zu bekommen, berichtete Bark-Jones. „Das kann mehrere Tage dauern.“ Für Angehörige dürften die Möglichkeiten noch begrenzter sein. Telefonieren aus der Zelle sei möglich. Aber: Die Wärter können sich jederzeit in die Anrufe schalten. (dpa)