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Sirenen, Apps und mehrWas man zum bundesweiten Warntag am 8. Dezember wissen muss

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05.12.2022, Nordrhein-Westfalen, Köln: Ein Bildschirm mit dem Modularen Warnsystem ist auf einem Display beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz zu sehen.

Köln: Ein Bildschirm mit dem Modularen Warnsystem ist auf einem Bildschirm beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz zu sehen. 

Wie bereitet man Menschen auf Katastrophen vor, ohne sie in Panik zu versetzen? Ein Baustein ist die Warnung vor Gefahren. Das soll am Donnerstag geübt werden. Die Behörden glauben, dass es besser klappt als vor zwei Jahren.

Mit einem Appell zum Mitmachen hat das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) die Menschen in Deutschland auf den bundesweiten Warntag am 8. Dezember eingestimmt. Der Präsident der Bonner Behörde, Ralph Tiesler, bat am Montag alle Handynutzer, bis Donnerstag die für den Empfang von Warnnachrichten über das neue Cell-Broadcast-System notwendigen Updates durchzuführen.

Um Warnnachrichten zu erhalten, müssten die Handys zudem eingeschaltet sein und dürften sich nicht im Flugmodus befinden. Wer ein älteres Handymodell nutze, solle im Internet auf der Website der Behörde nachsehen, ob dieses Warnnachrichten empfangen könne, bat Tiesler. Viele ältere Mobiltelefone können das seinen Angaben zufolge nicht.

Mit der Probewarnung, die vom BBK am 8. Dezember um exakt 11 Uhr ausgelöst wird, soll überprüft werden, wie gut die technische Infrastruktur funktioniert. Die Entwarnung ist für 11.45 Uhr vorgesehen.

Die Bundesbehörde nutzt für den Probealarm die verschiedensten Kanäle. Die Idee hinter dem sogenannten Warn-Mix: Wird die Warnung vor einer Gefahr auf mehreren Wegen zugleich ausgesandt, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie tatsächlich möglichst alle Menschen erreicht.

Die Warnmitteilung kommt deshalb gleichzeitig über Radio und Fernsehen, über Warn-Apps wie Nina, sie wird auf Stadtinformationstafeln zu lesen sein. Zusätzlich werden Sirenen, Lautsprecherwagen, die Infosysteme der Deutschen Bahn und erstmals auch das Cell-Broadcast-Verfahren genutzt. Dabei geht eine Benachrichtigung bundesweit an jedes Handy, das zu diesem Zeitpunkt Empfang hat.

Flutkatastrophe zeigte auf tragische Weise die Notwendigkeit

Wie wichtig eine solche flächendeckende Warnung im Ernstfall sein kann, hat sich während der Flutkatastrophe im Sommer 2021 auf tragische Weise gezeigt. Damals waren viele Menschen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz nicht rechtzeitig vor den herannahenden Wassermassen gewarnt worden. Teilweise wurde zu spät evakuiert, teils weigerten sich Bewohner, ihre Häuser zu verlassen, da sie das Ausmaß der Katastrophe unterschätzten.

Die Warnung vor lokalen oder regionalen Gefahren in Friedenszeiten wird nicht vom BBK veranlasst, sondern vor Ort. Das Bundesamt stellt den Ländern und Kommunen dafür lediglich seine technische Infrastruktur zur Verfügung, über die der Bund im Kriegsfall auch – wie jetzt am Warntag – bundesweit warnen kann.

Was nach dem Ende des Kalten Krieges vor allem Fachleute interessierte, ist durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine wieder stärker ins Bewusstsein der deutschen Öffentlichkeit gerückt. In der Ukraine gibt es beispielsweise sowohl die Warnung vor Luftangriffen per Sirene als auch über eine Warn-App, die anzeigt, in welchen Gebieten womöglich mit einem Raketeneinschlag zu rechnen ist.

Sirenen

gibt es nicht mehr überall in Deutschland. Vielerorts waren sie nach dem Ende des Kalten Krieges abgebaut worden, weil man glaubte, sie nicht mehr zu benötigen. Inzwischen hat ein Umdenken stattgefunden. Der Bund unterstützt die Länder bei der Aufstellung neuer und der Modernisierung alter Sirenen mit einem Förderprogramm. Die Abdeckung ist jedoch noch lückenhaft, so dass am Warntag nicht überall Sirenen heulen werden.

Fernseh- und Radiosender

sollen im Katastrophen- oder Verteidigungsfall ihr Programm für eine Warnung unterbrechen. Das ist auch deshalb wichtig, weil Bürgerinnen und Bürger, wenn sie einen Sirenenalarm hören, konkrete Informationen brauchen, damit sie wissen, wie sie sich in Sicherheit bringen können. Beispielsweise kann es in einer Situation angezeigt sein, im Keller Schutz zu suchen. Bei einer Überschwemmung wird der Keller aber oftmals zur tödlichen Falle. Ihre Teilnahme am Warntag haben mehrere Dutzend öffentlich-rechtliche und private Sender zugesagt.

Stadtinformationstafeln

sind an vielen Orten zu finden. Sie weisen im Alltag auf Demonstrationen oder Staus hin, ermahnen dazu, mehr Rücksicht auf Radfahrer zu nehmen. Im Katastrophenfall oder bei einem Probealarm soll auf den Leuchttafeln eine Warnung angezeigt werden.

Warn-Apps

wie Nina oder Katwarn ermöglichen eine passgenaue Warnung, bei der auch gleich Handlungsempfehlungen mitgeliefert werden. Allerdings nützt das nichts, wenn jemand kein Smartphone hat, um sich die App herunterzuladen. Auch wenn das Smartphone in der Nacht stumm oder leise gestellt ist, ist nicht sichergestellt, dass alle App-Nutzer die Warnung auch mitbekommen.

Cell Broadcast

soll diese Lücke schließen. Das Verfahren, das in etlichen europäischen Ländern bereits genutzt wird, schickt allen Handybesitzern, die sich in einer bestimmten Funkzelle aufhalten, eine Warnung. Auch diejenigen, die kein Smartphone verwenden, sollen die Nachricht sehen, die wie eine SMS aussieht und von einem schrillen Alarmton angekündigt wird. Das Handy soll außerdem vibrieren, das Display blinken. In Deutschland ist der Warntag am Donnerstag der erste bundesweite Test für Cell Broadcast.

Beim ersten bundesweiten Warntag am 10. September 2020 war einiges schief gelaufen. Unter anderem kam die Meldung der Warn-Apps Nina und Katwarn erst mit einer guten halben Stunde Verspätung auf den Smartphones an. Wäre es tatsächlich ein Ernstfall gewesen, hätten viele Bürger nichts mitbekommen. Das Bundesinnenministerium hatte den Probealarm deshalb als „fehlgeschlagen“ bezeichnet. Ein ursprünglich für September 2021 geplanter Warntag war abgesagt worden. Zur Begründung hieß es damals, das BBK baue erst noch eine „umfassende Testlandschaft auf“.

„Das BBK ist auf diesen Warntag sehr gut vorbereitet“, erklärte nun Juliane Seifert, Staatssekretärin im Bundesinnenministerium, am Montag. Amtschef Tiesler forderte die Bürgerinnen und Bürger auf, seiner Behörde nach der Probewarnung online zu melden, ob und auf welchem Wege sie eine Warnung empfangen haben. Dadurch könne jeder zum Gelingen des Probealarms beitragen, sagte er. (dpa)