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Wegen strenger Covid-PolitikSchwangere Reporterin sucht Zuflucht bei Taliban

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charlotte Bellis

Erwarten ein gemeinsames Kind, das bei Terroristen geboren werden könnte: Journalistin Charlotte Bellis (rechts) und ihr Partner Jim Huylebroek. 

Wellington – Als Charlotte Bellis im vergangenen Jahr als eine der wenigen Reporterinnen über die Machtübernahme der Taliban berichtete und die Taliban dabei fragte: „Was werden Sie tun, um die Rechte von Frauen und Mädchen zu schützen?“, ging dies um die Welt. Wenige Monate später macht Bellis nun erneut internationale Schlagzeilen. Dieses Mal geht es um ihre eigene Behandlung: Die 35-Jährige erwartet inzwischen ein Kind und tut sich schwer, rechtzeitig zur Geburt in ihr Heimatland Neuseeland zurückzukehren.

Rückreise nach Neuseeland zunächst verweigert

Damit ist sie nicht die Einzige: Denn die strenge No-Covid-Politik Neuseelands sieht vor, dass Rückkehrer zwei Wochen in einer Quarantänestation – kurz MIQ – verbringen müssen, damit sie das Virus nicht ins Land einschleppen. Mit diesem strengen System hat der Inselstaat die Todeszahlen (52 Tote) bisher ungewöhnlich niedrig gehalten. Doch MIQ-Plätze sind rar und höchst begehrt, wie auch Bellis am eigenen Leib erfahren musste. Denn im ersten Anlauf wurde ihr die Rückreise verwehrt.

Bellis sieht die Rückkehr nach Neuseeland als ihre beste Option, nachdem sie bei ihrem Arbeitgeber Al Jazeera, der seinen Sitz in Doha hat, kündigen musste. Denn in Katar ist es illegal, schwanger und wie Bellis unverheiratet zu sein. Auch in Belgien, dem Heimatland ihres Partners, des „New York Times“-Fotografen Jim Huylebroek, hat sie als Neuseeländerin nur wenige Monate am Stück Aufenthaltsrecht.

Ausgerechnet bei den Taliban Hilfe gesucht

Nachdem die strengen Covid-Restriktionen ihr nun auch die Heimkehr ins eigene Land erschweren, hat sich die Journalistin für den ungewöhnlichen Schritt entschieden, ausgerechnet die islamistischen Taliban um Hilfe zu bitten. Diese hätten überraschend positiv reagiert, so Bellis: „Sag den Leuten einfach, dass du verheiratet bist, und wenn es eskaliert, ruf uns an. Mach dir keine Sorgen“, beruhigten die Terroristen sie. In einem Meinungsstück für die neuseeländische Zeitung „New Zealand Herald“ schrieb Bellis daraufhin den schwerwiegenden Satz: „Wenn die Taliban dir – einer schwangeren, unverheirateten Frau – einen sicheren Hafen anbieten, dann weißt du, dass deine Situation verfahren ist.“

Harte Kritik an ihrem Vorgehen in sozialen Medien

Obwohl Bellis vor allem in sozialen Medien viele Sympathiebekundungen erhielt, hagelte es auch Kritik. So bezeichnete Sahar Fetrat von Human Rights Watch ihre Aktion, Zuflucht bei den Taliban zu suchen, als „Schlag ins Gesicht“ für afghanische Frauen und als einen Versuch, „Sympathie für die Taliban zu gewinnen“. Zudem verwies sie auf eine Gruppe vermisster Frauen in Afghanistan: Zwölf Tage sei es her, dass die Taliban Tamana Paryani, ihre drei Schwestern und Parwana Ibrahimkhil entführt hätten, schrieb sie. Niemand wisse, wo sie seien und was mit ihnen passiert sei.

Auch Neuseelands Minister meldet sich zu Wort

Am Montag äußerte sich zudem der extra für Covid-19-Angelegenheiten abgestellte neuseeländische Minister Chris Hipkins. Er ging vor allem auf die Kritik ein, wie das MIQ-System schwangere Frauen behandelt. „Ich möchte klarstellen, dass es im MIQ einen Platz für Menschen mit besonderen Umständen wie Frau Bellis gibt“, betonte er. Niemand sage, dass es keinen gebe. Bellis habe jedoch zu einem bestimmten Datum zurückkehren wollen. „Die Kriterien für die Notfallzuweisung beinhalten die Anforderung, innerhalb der nächsten 14 Tage nach Neuseeland zu reisen.“ Bellis gab jedoch an, nicht vor Ende Februar reisen zu wollen. Deswegen hätten die Beamten sie gebeten, ihre Reisepläne zu ändern oder sich für eine andere Notfallkategorie zu bewerben. Bellis sei zudem seit ihrer Rückkehr nach Afghanistan Anfang Dezember zweimal neuseeländische konsularische Unterstützung angeboten worden, auf die sie aber nicht reagiert habe. Er ermutigte die Reporterin deswegen, alle Hilfsangebote anzunehmen.

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Bellis geht es mit ihrem Protest aber nicht nur um ihre eigene Situation. Sie wolle auch die Schwachstellen des neuseeländischen Quarantänesystems aufzeigen. „Die Entscheidung, wer einen Notfall-MIQ-Spot bekommen soll, wird nicht auf Augenhöhe getroffen, es mangelt an ethischen Argumenten, und es werden unsere Schwächsten gegeneinander ausgespielt“, ist ihre Meinung.