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Einfangen oder einschläfernWie welches Land in Europa mit Straßenhunden umgeht

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Die aktuelle Straßenhund-Debatte löste in der Türkei eine Reihe von Protesten aus. dpa/AP

Die aktuelle Straßenhund-Debatte löste in der Türkei eine Reihe von Protesten aus. dpa/AP

Nach der Entscheidung in der Türkei Straßenhunde einzufangen und einzuschläfern: Wie gehen andere Länder in Europa mit herrenlosen Tieren um?

In der Türkei gibt es Schätzungen zufolge rund vier Millionen Straßenhunde. Sie sollen nun eingefangen und in bestimmten Fällen – wie Krankheit oder Aggression – eingeschläfert werden. Die Regierung argumentiert unter anderem damit, dass Menschen immer wieder von Straßenhunden gebissen werden. Doch Aktivisten laufen Sturm gegen das neue Gesetz, auch weil den Millionen Hunde bislang nur 100000 Tierheimplätze gegenüberstehen. Schon jetzt leben Heimtiere oft unter erbärmlichen Bedingungen. Tierschützer fürchten in der Praxis deshalb eine Massentötung. Sie wollen an der alten Regelung festhalten: einfangen, kastrieren, impfen und wieder aussetzen – das gilt als bewährte Methode, um die Straßentierpopulation zu senken. Wie gehen andere Länder in Europa mit herrenlosen Tieren um?

Deutschland

Im Gegensatz zu anderen Ländern lehnt Deutschland Euthanasie von Tieren strikt ab, sie dürfen laut Tierschutzbund nur im Einzelfall eingeschläfert werden. Etwa dann, wenn sie unheilbar krank sind, um weiteres Leiden zu vermeiden. Die Entscheidung darüber müsse eine Ethikkommission treffen.

Griechenland

In Griechenland ist seit 2021 ein strenges Tierschutzgesetz in Kraft – so sind Halter unter anderem verpflichtet, ihre Tiere registrieren und kastrieren zu lassen. Weit über drei Millionen streunende Katzen und Hunde soll es in Griechenland geben, genaue Zahlen liegen nicht vor. Bei den Hunden gibt es vor allem in bergigen, unbewohnten Regionen des Landes ein Problem: Dort streunen Erhebungen zufolge rund 70000 herrenlose Schafhütehunde umher, die von Schäfern ausgesetzt oder verlassen wurden. Die großen Tiere werden in Rudeln auch zur Gefahr für Mensch und Nutztiere. Getötet werden dürfen gesunde Hunde und Katzen in Griechenland nicht, weder vom Staat noch von Ärzten oder gar Privatleuten.

Großbritannien

Euthanasie von streunenden Hunden ist nach einer Verwahrfrist von sieben Tagen grundsätzlich erlaubt, in der Praxis wird dies aber oft nur angewandt, wenn das Tier unheilbar krank oder aggressiv ist. Ob das Tier bei Nicht-Vermittlung eingeschläfert wird, liegt bei der Einrichtung.

Frankreich

Auch in Frankreich liegt die letztliche Entscheidung über das Schicksal des Tieres in der Verantwortung der Heime. Streunende Katzen und Hunde werden im Auftrag der Kommunen von Tierheimen eingefangen und gehen binnen acht Tagen in deren Eigentum über, wenn sich kein Besitzer findet.

Spanien

2022 wurden rund 170000 Hunde verstoßen oder gingen verloren. Als häufigsten Grund nennt die Stiftung Affinity ungewollten Nachwuchs. Dennoch sind herrenlose Hunde selten anzutreffen und gelten deshalb auch nicht als Problem. Sie werden von entsprechenden Diensten meist schnell in Tierheime gebracht, wo man hofft, sie neuen Haltern vermitteln zu können. Das klappt aber nur bedingt, sodass die landesweit rund 1500 Tierheime oft überfüllt sind, was für die Tiere sehr viel Stress bedeutet. Die Tötung von Hunden ist nach einem neuen Tierschutzgesetz vom vergangenen September auf Fälle beschränkt, in denen das Tier wegen einer unheilbaren Krankheit übergroßes Leid ertragen muss.

Italien

Seit 1991 ist das Töten von Straßenhunden in Italien per Gesetz verboten. Allerdings hat sich in Italien ein System von Tierlagern etabliert, in denen die Zustände laut Tierschützer katastrophal sind. Nach einer Statistik der Carabinieri wurden im vergangenen Jahr schätzungsweise 50000 Hunde ausgesetzt – vor allem im Süden und in der Landesmitte in den Urlaubsmonaten Juli und August.

Rumänien

Das Verfassungsgericht hat in Rumänien 2013 ein Gesetz genehmigt, nach dem die Kommunen eingefangene Hunde lediglich 14 Tage lang in Tierheimen versorgen müssen und sie anschließend einschläfern dürfen. Rumänien gilt auch als Negativbeispiel für den Umgang mit den Tieren. Zwar dürfen nur Veterinäre die Euthanasie durchführen. Tierschützer berichten aber davon, dass Hunde verhungern, erhängt oder erschlagen werden. Gelöst ist das Problem der Straßenhunde in Rumänien nicht. (dpa)