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Statistisches BundesamtZahl der Eheschließungen fällt auf Tiefstand – aber die Ehe hält länger

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Ein Brautpaar hält sich während ihrer Trauung die Hände.

Ein Brautpaar hält sich während ihrer Trauung die Hände.

Nur noch jeder zweite Erwachsene in Deutschland ist verheiratet. Die Menschen lassen sich bis zum Ja-Wort immer länger Zeit, wie eine Statistik zeigt. Die Ehen halten aber auch länger als früher.

Mehr als 750.000 Menschen haben im Jahr 1950 in Deutschland geheiratet. Das entsprach genau elf Hochzeiten auf 1000 Einwohnerinnen und Einwohner. Danach ging es mit der Ehe bergab. Zahlenmäßig jedenfalls. Abgesehen von einem kurzen Zwischenhoch Ende der 50er Jahre und sonstigen leichten Schwankungen fielen die Zahlen jedes Jahr geringer aus. Eine Entwicklung, die offenbar unaufhaltsam ist. Denn für das Jahr 2024 hat das Statistische Bundesamt einen neuen Tiefststand ausgerechnet: 349.200 Ehen wurden in dem Jahr neu geschlossen. Damit kamen auf 1000 in Deutschland lebende Menschen nur noch 4,2 Eheschließungen.

An dem langfristigen Trend kann offenbar auch die Tatsache nichts ändern, dass es seit dem Herbst 2017 die „Ehe für alle“ gibt. Immerhin drei Prozent der Bündnisse fürs Leben wurden im Jahr 2024 von gleichgeschlechtlichen Paaren geschlossen, das waren also etwa 10.000 Trauungen.

Mehr als drei Viertel (79 Prozent) der 698.400 Eheschließenden heirateten zum ersten Mal, waren also zuvor weder geschieden noch verwitwet. Aktuell ist jede zweite erwachsene Person in Deutschland verheiratet. Das entsprach 34,6 Millionen Menschen, die Ende 2024 in einer Ehe lebten. 30 Jahre zuvor, 1994, hatten der Statistik zufolge noch rund 39,2 Millionen volljährige Menschen in einer Ehe gelebt; das waren 60 Prozent aller Erwachsenen.

Warum wird seltener geheiratet?

Oft heißt es, die Ehe als Institution habe sich überlebt und sei auch wegen der weniger geringen kirchlichen Bindung vieler Menschen nicht mehr so bedeutsam. Tatsächlich gibt es jedenfalls für die hohe Zahl von Eheschließungen in den 50er Jahren sehr simple Gründe. Der Berliner Psychotherapeut und Autor Wolfgang Krüger hat sie in einem Interview mit dem SWR zusammengefasst: „Früher hat man vor allem aus sachlichen Gründen geheiratet. Frauen waren finanziell abhängig, es gab einen gesellschaftlichen Druck. Wenn man Kinder bekommen wollte, musste man heiraten. Man musste heiraten, um eine Wohnung zu bekommen.“

Alles Gründe, die längst weggefallen sind. Die schiefen Blicke auf unverheiratete Frauen jenseits der 30 sind ebenso aus der Zeit gefallen wie das empörte Raunen über „Ehen ohne Trauschein“, das Mitte der 70er noch gang und gäbe war – nicht umsonst traf Udo Jürgens mit seinem Lied „Ein ehrenwertes Haus“ aus dem Jahr 1974 durchaus noch den Nerv der Zeit.

Warum halten Ehen wieder länger?

Auf den ersten Blick erstaunlich ist der Trend, dass Ehen zwar seltener geschlossen werden, dafür aber wieder länger halten. 2024 lag die durchschnittliche Dauer einer Ehe bis zur Scheidung bei 14,7 Jahren. Im Jahr 1994 waren Ehepaare bis zur Scheidung im Schnitt 12 Jahre lang verheiratet. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang auch, dass die Zahl der Scheidungen eher sinkt. Im Jahr 2024 wurden in Deutschland etwa mehr als 129.300 Ehen geschieden. Das waren aber nur 0,3 Prozent mehr als im Vorjahr, als der niedrigste Stand seit der deutschen Vereinigung erreicht wurde.

Ihren absoluten Höchststand im wiedervereinigten Deutschland hatte die Zahl der Scheidungen im Jahr 2003 mit fast 214.000 erreicht. Seither ist die Zahl der Scheidungen fast kontinuierlich gesunken. Bei der Scheidung wie bei der Eheschließung sind die Menschen in Deutschland durchschnittlich heute auch wesentlich älter als früher. 2024 waren Frauen bei ihrer ersten Heirat im Schnitt 32,9 Jahre alt, Männer 35,3 Jahre. 1994 hatte das Durchschnittsalter bei der ersten Eheschließung für Frauen bei 27,1 Jahren und für Männer bei 29,4 Jahren gelegen.

All diese Daten sprechen dafür, dass diejenigen, die sich ewig binden wollen, nicht nur länger „prüfen“, wie Friedrich Schiller vor fast 230 Jahren riet, sondern auch besser. Eine Vermutung, die Psychologe Krüger – er hat im Alter von fast 70 Jahren erstmals geheiratet – durchaus bestätigt: „In den meisten Fällen kennt man sich lange und zieht zusammen. Und dann fasst man den Beschluss, zu heiraten. Das sind dann wirklich geprüfte Beziehungen und man heiratet, weil man sich liebt. Insofern sind die Beziehungen, wenn man heiratet, heute erheblich besser geworden“, sagte er im SWR-Interview.

Wieviele Menschen bleiben ledig?

Vor 30 Jahren lag der Anteil der volljährigen ledigen Personen an der Bevölkerung in Deutschland noch bei knapp einem Viertel. Bis Ende 2024 wuchs diese Quote auf ein Drittel. In absoluten Zahlen: Im Jahr 2024 waren 23,1 Millionen erwachsene Menschen ledig, also weder verheiratet noch verwitwet oder geschieden. 1994 lag diese Zahl bei 16 Millionen.

In welchem Alter sind die meisten Menschen verheiratet?

Am höchsten war im Jahr 2024 der Anteil der Verheirateten an der jeweiligen Bevölkerung bei den 65- bis 69-Jährigen: Gut 3,5 Millionen der 5,3 Millionen Menschen in diesem Alter und damit fast genau zwei Drittel waren zum Jahresende 2024 verheiratet oder in einer Lebenspartnerschaft. Dass dieser Anteil im höheren Alter wieder abnimmt, liegt schlicht und einfach an der aktuellen Lebenserwartung.

Wie liegt Deutschland im EU-Vergleich?

Die Ehe ist in Deutschland noch etwas beliebter als im Durchschnitt der Länder in der Europäischen Union. Die Vergleichszahlen liegen erst für 2023 vor, dürften aber 2024 kaum verändert gewesen sein. Demnach gab esin Deutschland in dem Jahr 4,3 Eheschließungen pro 1000 Einwohnerinnen und Einwohner, der EU-Durchschnitt lag bei glatten 4,0.

Die meisten Ehen wurden nach Angaben der EU-Statistikbehörde Eurostat in Rumänien mit 5,8 pro 1000 Menschen geschlossen, in Lettland waren es 5,6 und in Ungarn 5,2. Sehr deutlich darunter lagen beispielsweise Bulgarien und Italien, Schlusslicht in dieser Statistik ist Slowenien mit einem Wert von nur 3,0.