Abo

„Sagt leider nicht die Wahrheit“Kronzeuge belastet Christina Block schwer

2 min
Christina Block steht im Hamburger Gerichtssaal.

Christina Block steht im Hamburger Gerichtssaal. 

Am 31. Verhandlungstag muss sich der mutmaßliche Entführer den Fragen stellen. Dabei kommt eine gütliche Einigung zwischen den Eltern zur Sprache.

Mit großer Spannung wurde die Aussage von David Barkay, der als Kronzeuge gilt, in Hamburg am Dienstag erwartet. Der mutmaßliche Entführer der Block-Kinder ist nach eigenen Angaben vor der gewaltsamen Rückholung der Kinder vom Wohnort des Vaters in Dänemark mit einem Plan zu einer gütlichen Einigung gescheitert. Gleichzeitig belastet er die Hauptangeklagte schwer.

David Barkay habe einen Elf-Punkte-Plan vorgelegt, der auch eine hohe Geldzahlung an den Vater Stephan Hensel beinhaltet habe, sagte der Geschäftsführer eines israelischen Sicherheitsunternehmens als Zeuge vor dem Landgericht Hamburg.

„Viele Spannungen und Emotionen zwischen den Parteien“

„Ich habe angeboten, Herrn Hensel für die Zeit zu bezahlen, die die Kinder bei ihm waren - und zwar rückwirkend“, sagte der 68-Jährige auf Englisch laut Übersetzung. In seinem Notizbuch findet sich der Vermerk „100.000 Dollar“.

Er habe den mitangeklagten Familienanwalt der Blocks gebeten, Hensel den Plan für eine Einigung zu unterbreiten, sagte der Geschäftsmann. Dieser habe damit jedoch in Dänemark keinen Erfolg gehabt. Damals habe es „viele Spannungen und Emotionen zwischen den Parteien“ gegeben - insbesondere „persönliche Emotionen“ zwischen dem Gründer der Steakhaus-Kette, Eugen Block, dem Familienanwalt und Hensel.

Kronzeuge belastet Christina Block schwer

Auf die Frage, ob es stimme, dass Christina Block nie von einer Entführung gesprochen habe, gab David Barkay nur eine kurze Antwort: „Frau Block sagt leider nicht die Wahrheit.“

Christina Blocks Ex-Mann hatte die Kinder nach einem Wochenendbesuch in Dänemark im August 2021 nicht zurückgebracht. Die Mutter ist angeklagt, nach einem jahrelangen Sorgerechtsstreit die Entführung der Kinder in der Silvesternacht 2023/24 nach Deutschland beauftragt zu haben. Sie bestreitet die Vorwürfe.

Gerhard Delling ist auch angeklagt

Der Chef des israelischen Sicherheitsunternehmens soll die Entführung der beiden jüngsten Block-Kinder organisiert und durchgeführt haben. Er ist in dem Fall auch Beschuldigter und wurde bis vor einigen Wochen mit Haftbefehl gesucht. Für seine freiwillige Aussage sicherten ihm die Ermittlungsbehörden sicheres Geleit zu. Der Mann gehört aber nicht zu den insgesamt sieben Angeklagten im aktuellen Prozess.

Das Verfahren, in dem auch der ehemalige ARD-Moderator Gerhard Delling verwickelt ist, zieht sich weiter in die Länge. Das Landgericht Hamburg hatte im Dezember für den Prozess um die Entführung der Block-Kinder 19 neue Verhandlungstermine bis Ende Juni 2026 angesetzt. (mbr/dpa)