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Opfer war alleinerziehender VaterZugbegleiter stirbt nach Angriff – Schweigeminute auch in Köln

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Bahnmitarbeitende gedenken am Mittwochnachmittag im Kölner Hauptbahnhof eines getöteten Kollegen.

Bahnmitarbeitende gedenken am Mittwochnachmittag im Kölner Hauptbahnhof eines getöteten Kollegen.

Ein 26-Jähriger hatte den Bahnmitarbeiter in einem Zug angegriffen. Bundesweit fand am Mittwoch eine Schweigeminute für den Getöteten statt.

Nach dem Tod eines Zugbegleiters in Rheinland-Pfalz ist das Entsetzen in Deutschland groß. Politiker äußerten sich bestürzt, und auch die Deutsche Bahn sowie Gewerkschaften drückten ihre Anteilnahme aus und forderten Konsequenzen. Am Mittwochnachmittag fand in Bahnhöfen bundesweit eine Schweigeminute statt.

Der bei einer Ticketkontrolle in einem Regionalexpress im Kreis Kaiserslautern lebensgefährlich verletzte Zugbegleiter war gestorben, das teilte die Deutsche Bahn am Mittwoch (4. Februar) mit. „Der tragische Tod unseres Kollegen Serkan C. macht mich fassungslos und traurig“, schrieb DB-Vorstandsvorsitzende Evelyn Palla auf der Plattform LinkedIn. „Mein tiefes Mitgefühl gilt seinen Angehörigen, seinen Freunden und seinen Kolleginnen und Kollegen.“

„Wir alle bei der Deutsche Bahn verurteilen diesen schrecklichen Gewaltexzess und den völlig sinnlosen Tod des Kollegen aufs Schärfste“, fügte Palla hinzu. „Wir alle müssen uns die Frage stellen, warum es immer wieder zu solchen Gewaltausbrüchen kommt. Wir, die Politik, die Gesellschaft, müssen Antworten geben. Heute ist ein schwarzer Tag für alle Eisenbahnerinnen und Eisenbahner im Land.“

Dobrindt und Schnieder äußern sich entsetzt

Auch Politiker äußerten sich nach der Gewalttat entsetzt. „Ich bin bestürzt, erschüttert und tief betroffen vom Tod des Schaffners“, erklärte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU). Er forderte „entschiedene Konsequenzen“ für zunehmende Gewalt gegen Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes und anderer Dienstleister und zudem härtere Strafen.

Es sei furchtbar, dass ein Kundenbetreuer bei der normalen Ausübung seiner Arbeit durch „rohe und sinnlose Gewalt“ getötet wurde, erklärte der aus Rheinland-Pfalz stammende Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU). Alle staatlichen Ebenen seien nun gefragt, um die steigende Gewaltbereitschaft einzudämmen.

Zugbegleiter nach Faustschlägen gegen den Kopf gestorben

Nach Angaben der Polizei hatte ein 26 Jahre alter Mann den 36 Jahre alten Mitarbeiter der Deutschen Bahn am Montagabend angegriffen, als der Zug gerade den rheinland-pfälzischen Bahnhof Landstuhl verließ. Gegen den 26-Jährigen wurde Haftbefehl erlassen, wie die Staatsanwaltschaft Zweibrücken mitteilte.

Da der 26-Jährige keinen Fahrschein vorzeigen konnte, sollte er des Zuges verwiesen werden – daraufhin kam es laut Polizei zum Angriff. Der Schwarzfahrer habe „hemmungslos“ auf den Schaffner eingeschlagen, berichtete die „Bild“-Zeitung. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Zweibrücken bestätigte die Angaben am Mittwoch. Nach bisherigem Ermittlungsstand sei somit keine Waffe zum Einsatz gekommen.

Nach den offenbar zahlreichen Faustschlägen gegen den Kopf sei der Zugbegleiter schließlich zusammengebrochen und noch im Zug reanimiert worden. Fahrgäste leisteten Erste Hilfe und alarmierten die Polizei. Rund zehn Minuten später habe ein Notarzt den Zug erreicht, der Angreifer sei indessen mit Handschellen abgeführt worden. 

Ärzte kämpften vergeblich um das Leben des Zugbegleiters

Der lebensgefährlich Verletzte wurde nach dem Angriff zunächst in ein Krankenhaus gebracht. Dort versuchten Ärzte seit Montag, das Leben des 36-Jährigen zu retten. „Er liegt aktuell im Krankenhaus, die Ärzte kämpfen um sein Leben“, hatte DB-Chefin Palla bereits am Dienstag erklärt. Der Kollege habe nur seinen Job gemacht und sei dabei „auf brutalste Weise“ angegriffen worden.

„Der Tatverdächtige ist ein 26-jähriger griechischer Staatsbürger ohne Wohnsitz in Deutschland“, zitierte die Boulevardzeitung eine Polizeisprecherin. „Er wurde gestern noch einem Haftrichter vorgeführt. Dieser hat einen Haftbefehl erlassen.“ Gegen den Mann besteht der dringende Verdacht des Totschlags.

Schweigeminute auch in Köln: „Heute steht die Eisenbahnerfamilie still“

Nach dem tödlichen Angriff rief die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) unterdessen zu einer Schweigeminute auf. „Wir sind erschüttert und trauern um unseren Kollegen“, teilte der EVG-Vorsitzende Martin Burkert mit. „Heute steht die Eisenbahnerfamilie still.“

Die Schweigeminute fand am Mittwoch um 15.00 Uhr statt. An vielen Bahnhöfen bundesweit hielten Menschen inne, um des Getöteten zu gedenken. Im Berliner Hauptbahnhof nahm Verkehrsminister Schnieder an der Veranstaltung teil.

Patrick Schnieder (CDU, 3.v.r) bei der Schweigeminute im Berliner Hauptbahnhof.

Patrick Schnieder (CDU, 3.v.r) bei der Schweigeminute im Berliner Hauptbahnhof.

Auch am Kölner Hauptbahnhof verharrten viele Passanten und vor allem Bahn-Mitarbeitende still. Auf der großen Anzeigetafel lief ebenfalls ein Band, das auf die Schweigeminute hinwies.

„Ab morgen erhöhen wir nochmal den Druck“, schrieb die Gewerkschaft EVG weiter in ihrer Mitteilung. „Dieser brutale Überfall muss jetzt ein Umdenken einleiten.“ Die Politik müsse Maßnahmen für mehr Sicherheit ergreifen.

„Serkan C. war alleinerziehender Vater“

Auch die Lokführergewerkschaft GDL rief zur Solidarität mit den Angehörigen von Serkan C. auf. Der GDL-Ortsverband Köln-Deutz teilt in den sozialen Medien einen Beitrag, in dem es heißt: „Unsere Gedanken sind bei unserem verstorbenen Kollegen und seiner Familie.“

Serkan C. war demnach alleinerziehender Vater von zwei Kindern, er sei seit 15 Jahren bei der Bahn angestellt gewesen. Er lebte nach Angaben von RTL in Ludwigshafen und war dort Teil einer türkischen Glaubensgemeinde. Die Kinder soll er zusammen mit seiner Ex-Frau bekommen haben.

Die GDL ruft zu einer Spendenaktion für die Hinterbliebenen des Gewaltopfers auf. Angegeben ist ein Konto der DB Regio, eines Tochterunternehmens der Deutschen Bahn, bei dem der Zugbegleiter angestellt war. (das/cme/dpa)