Eine Zeichnung zur Brandkatastrophe in Crans-Montana löst heftige Reaktionen aus. Die Frau des Barbetreibers muss derweil ihren Pass abgeben.
„Zutiefst abscheulich“„Charlie Hebdo“ sorgt mit Karikatur zu Katastrophe in Crans-Montana für Empörung

Beleuchteten Buchstaben während des nationalen Trauertags in Crans-Montana am 9. Januar. Eine Karikatur über die Brandkatastrophe sorgt nun für Wirbel. (Archivbild)
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Das französische Satiremagazin „Charlie Hebdo“ ist für seine drastischen Karikaturen bekannt – und zeigt dabei dem Genre entsprechend nur wenig Zurückhaltung. Nun hat „Charlie“, wie das Magazin auch genannt wird, mit einer Zeichnung über die Brandkatastrophe im schweizerischen Crans-Montana mit 40 Toten für Empörung gesorgt.
„Die Verbrannten fahren Ski“, schrieb das Satiremagazin zu einem Bild, das Skifahrer zeigt, die wohl verkohlt und mit Verbänden eine Piste hinunterfahren. Im Hintergrund ist ein Schild mit der Aufschrift „Crans Montana“ zu sehen. Untertitelt ist die Zeichnung mit „Die Komödie des Jahres“.
Charlie Hebdo sorgt für Wirbel: „Die Verbrannten fahren Ski“
Das Bild des Zeichners „Salch“ bezieht sich mit der Karikatur, die im Original mit „Les Brulés font du Ski“ überschrieben ist, offenbar auf die französische Komödie „Les Broncés font du Ski“ aus den 1970er Jahren. „Les Broncés“ bedeutet auf Deutsch „die Sonnengebräunten“. In dem klamaukigen Film geht es um einen Skiurlaub. Crans-Montana, in dem sich das Unglück mit 40 Toten und 116 Verletzten ereignete, ist als Skiort bekannt.
Die Schweizer Schriftstellerin Béatrice Riand hat unterdessen wegen der Karikatur zusammen mit ihrem Mann, einem Juristen, Strafanzeige eingereicht. „Ich finde das zutiefst abscheulich“, sagte Riand im Schweizer Fernsehen RTS. „Die Meinungsfreiheit hat Grenzen. Man macht sich über die Opfer lustig. Die Frage ist: Hat die Menschenwürde Vorrang vor der Meinungsfreiheit oder nicht?“
„Natürlich kann das schockieren, aber Satire soll ja auch schockieren“
Der Chefredakteur des Satiremagazins, Gérard Biard, räumte bei RTS ein, dass der Karikaturist sehr weit gegangen sei. Dies sei aber schwarzer Humor. „Natürlich kann das schockieren, aber Satire soll ja auch schockieren“, sagte er. Man mache sich nicht über die Opfer lustig, sondern zeige die Absurdität der Tragödie.
Auch in den sozialen Netzwerken sorgte die Zeichnung für reichlich Wirbel. „Satire ist in Ordnung, wenn sie etwas anprangert“, kommentierte etwa ein Nutzer auf der Plattform X die Karikatur. Mit der Zeichnung würden jedoch „14-jährige Kinder verhöhnt, die qualvoll gestorben sind“, hieß es weiter. „Das ist echt miserabel“, schrieb unterdessen ein Nutzer bei Facebook. Andere warfen dem Blatt Empathielosigkeit vor.
„Wenn es Ihnen nicht gefällt, ist die Sache einfach: Schauen Sie weg“
Es gab jedoch auch Unterstützung für das Satiremagazin. „Die Kommentare zeigen deutlich, dass viele Menschen das Konzept der Karikatur immer noch nicht verstehen“, kommentierte ein Nutzer bei X. Für Satire gebe es nun einmal „keine Grenzen“, hieß es weiter. „Und wenn es Ihnen nicht gefällt, ist die Sache einfach: Schauen Sie weg.“
Abseits der Aufregung über die Karikatur von „Charlie Hebdo“ dauern die Ermittlungen nach der Katastrophe in dem Schweizer Skiort an. Nach dem verheerenden Brand in der Silvesternacht in einer Bar in Crans-Montana hat das zuständige Schweizer Gericht nun auch Auflagen gegen die Frau des Barbetreibers verhängt.
Crans-Montana: Frau von Barbetreiberin muss Pass abgeben
Die Französin Jessica Moretti darf die Schweiz nicht verlassen, muss ihren Pass und Ausweispapiere hinterlegen und sich täglich bei einer Polizeidienststelle melden, wie das Zwangsmaßnahmengericht in Sitten (Sion) mitteilt. Sie soll zudem eine Kaution hinterlegen, deren Höhe noch festgelegt werden müsse. Ihr Mann, Jacques Moretti, ist in Untersuchungshaft. Die Anwälte des Paares betonen stets, dass beide keine Absicht hätten, sich den Ermittlungen zu entziehen.
Bei dem Brand in der Silvesternacht waren in der Bar „Le Constellation“ 40 überwiegend sehr junge Menschen ums Leben gekommen. 116 wurden verletzt, rund 80 befinden sich mit überwiegend schweren Verbrennungen noch in Krankenhäusern, auch in Deutschland.
Der Versicherungsbetreiber Axa Frankreich teilte unterdessen mit, dass weder der Barbetreiber noch die Kommune für die verheerenden Folgen des Brandes ausreichend versichert waren. (das/dpa/afp)
