Das Allerweltshaus in Ehrenfeld veranstaltete einen Wintermarkt und hat mit der Stadt einen 80-jährigen Erbbaurechtsvertrag abgeschlossen.
Wintermarkt und EngagementAllerweltshaus bleibt langfristig gesichert durch neuen Vertrag

Mitarbeiter, Aussteller und Gäste freuten sich auf dem Wintermarkt über die vielen guten Nachrichten für das Allerweltshaus.
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Menschenrechtsgruppen aus Burkina Faso und Mexiko, Fair Trade, Attac oder Bürgerinnenasyl: Zahlreiche Vereine und Initiativen, aber auch Nachbarn hatten ihre Stände beim großen Wintermarkt auf dem Innenhof des Allerweltshauses aufgebaut. Nach dem Umzug aus der Körnerstraße in die Geisselstraße 2022 fühlt man sich beim Bildungs- und Kulturzentrum für Menschen aus allen Kulturen eben immer noch der alten Nachbarschaft verbunden. Deshalb hatte man sich auch wieder dem Hofweihnachtsmarkt auf der Körnerstraße angeschlossen: Zwei Tage lang wurden dort Handwerk, Kunst und Trödel in Höfen, Einfahrten und Fenstern angeboten.
„Geeignet ist das auch für Gruppen, die auf anderen Märkten keine Chance hätten“, erklärt Jasmin Caspary vom Allerweltshaus. Denn hier muss man keine Standgebühr bezahlen. Wer dennoch gute Geschäfte macht, kann einen Teil des Erlöses spenden, und auch für Besucher ist die Teilnahme niederschwellig: Sie dürfen beim Kauf eines Bechers Apfelpunsch oder Glühwein selbst entscheiden, welchen Betrag zwischen 2 und 4 Euro sie dafür zahlen möchten oder können.
Vertrag sichert Zukunft des Allerweltshauses
Wärmende Getränke waren jedenfalls bitter nötig, denn das Wetter zeigte sich an beiden Tagen von seiner miesen, regnerischen Seite. Dennoch herrschte bei den Mitarbeitern und Gästen des Allerweltshauses Feierlaune vor, denn Anfang Dezember wurde der Erbbaurechtsvertrag mit der Stadt unterschrieben, der den Bestand des Hauses für die nächsten 80 Jahre sichert. Und zwar zu einem günstigen Erbzins: 15 000 Euro pro Jahr überweist das Allerweltshaus an die Stadt für rund 900 Quadratmeter Fläche auf den drei Stockwerken des ehemaligen Schulgebäudes, hinzu kommt der frühere Schulhof.
Denn das Allerweltshaus ist die erste Institution, auf die der „Baustein 2“ des Erbbaurechts angewendet wird. Damit unterstützt die Stadt soziokulturelle Einrichtungen, indem sie den Erbbauzins von den üblichen 4 Prozent auf 0,75 Prozent senkt. Dennoch muss eifrig für die notwendige Sanierung des alten Gebäudes von 1862 gesammelt werden, rund 1 Million Euro werden gebraucht. Auch da gibt es gute Nachrichten: Im Frühjahr hatte eine Spendenaktion mit der Bethe-Stiftung, die jede eingehende Summe bis zu einem Betrag von insgesamt 50 000 Euro verdoppelte, bereits 150 000 Euro eingebracht. „Die Aktion wird nun wiederum mit der Bethe-Stiftung wiederholt: bis Ende Februar kann gespendet werden“, sagt Eva Schaaf, Geschäftsführende der Allerweltshaus-Kooperation, die die Sanierung und den Betrieb des Hauses organisieren soll.
Außerdem wird die Stadt als Teil des Vertrages 200 000 Euro beisteuern, daneben habe sich ein weiterer Großspender gemeldet, verrät Schaaf: „Wir sind optimistisch, dass wir das stemmen können.“ Auch die ebenfalls dringend notwendige energetische Sanierung, die man zunächst wegen der hohen Kosten auf unbestimmte Zeit hatte verschieben wollen, könnte schon bald in Angriff genommen werden. „Über ein EU-Programm können wir vielleicht 80 Prozent der Mittel bekommen“, berichtet Eva Schaaf. Etwa 200 000 Euro müsste das Haus dann immer noch selbst aufbringen, doch eine solche Gelegenheit werde sich möglicherweise so schnell nicht mehr bieten. „Die Stadt unterstützt uns bei der Antragstellung.“ Infos zur Spendenaktion gibt es online.
