Die Debatte um eine „Brandmauer“ zur AfD ist nach Roßmanns Darstellung längst auch in der Wirtschaft angekommen.
Drogeriechef über AfD-PolitikerRaoul Roßmann will Björn Höcke nicht in Firma haben

Raoul Roßmann steht in einer Rossmann-Filiale. (Archivbild)
Copyright: picture alliance/dpa/KEYSTONE
Wie sollen Unternehmen mit der AfD umgehen – Gespräch suchen oder klare Grenzen ziehen? Darüber hat Raoul Roßmann, Chef der Drogeriemarktkette Rossmann, nun in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ gesprochen. Die Linie des Unternehmenschefs: Zuhören ja, hofieren nein.
Roßmann betont, dass man mit AfD-Wählerinnen und -Wählern im Austausch bleiben müsse. Mit ihren Argumenten solle man sich auseinandersetzen. Wenn es aber um Einladungen in den Betrieb geht, setzt er eine deutliche Grenze: „Ich möchte Björn Höcke nicht bei uns in der Firma begrüßen“, sagte der Unternehmer etwa über den rechtsextremen Landeschef der AfD in Thüringen.
Raoul Roßmann: Brandmauer-Debatte in der Wirtschaft angekommen
Die Debatte um eine „Brandmauer“ zur AfD ist nach Roßmanns Darstellung längst auch in der Wirtschaft angekommen. Im Streit um den Umgang des Verbands „Die Familienunternehmer“ mit der AfD hatten im vergangenen Jahr mehrere Firmen ihren Austritt erklärt – darunter Rossmann und Fritz-Kola.
In dem Zusammenhang verweist Roßmann auch auf den Wettbewerber dm. Dessen Chef Christoph Werner hatte dafür geworben, grundsätzlich zunächst mit allen demokratisch gewählten Kräften zu sprechen – und Einladungen nicht kategorisch auszuschließen, solange es um im Bundestag vertretene Parteien gehe. In sozialen Netzwerken folgte daraufhin scharfe Kritik an dm, teils begleitet von Boykottaufrufen. Gleichzeitig kündigten einige Nutzer an, stattdessen bei Rossmann einkaufen zu wollen.
Raoul Roßmann nimmt dm-Chef Christoph Werner in Schutz
Roßmann nahm Werner in Schutz. Beide waren bereits im Dezember gemeinsam in der ZDF-Talkshow von Markus Lanz aufgetreten. Im SZ-Interview sagt Roßmann nun, Werner habe ihm leidgetan: Er vertrete keine AfD-nahe Position, habe sich aber nicht vorschreiben lassen wollen, wie er zu entscheiden habe.
Das Problem sei gewesen, dass die Öffentlichkeit kaum noch Raum für Zwischentöne gelassen habe – stattdessen habe sich schnell eine Lagerlogik entwickelt, besonders in sozialen Medien.
Soziale Netzwerke sieht Roßmann grundsätzlich kritisch – auch wenn er selbst den Impuls kenne, sich zu wehren. Die Plattformen beschreibt Roßmann im Interview als strukturell anfällig: Wenn Millionen Stimmen gleichzeitig durcheinanderreden, entstehe daraus kein tragfähiger gesellschaftlicher Diskurs – sondern eher Lärm, der Fronten verhärtet. (das)
