Der Hitzesommer brachte Probleme mit Infrastruktur und Gesundheit. Ein Modellprojekt für Köln soll Antworten zum Schutz von Schulen, Kitas und öffentlichen Räumen geben.
Aktion „Cooles NRW“Köln wird zur Modellkommune für Hitzeschutz

Köln: Passanten genießen Wasserfontänen, die im Rahmen der Hitzeaktion „Cooling Cologne“ der Stadt Köln im Juni dieses Jahres auf dem Rudolfplatz in der Innenstadt installiert wurden.
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Die Erinnerung an die heißesten Tage des Jahres im Juli steckt vielen Rheinländern noch in den Knochen. Köln musste Messehallen als Kühlungsräume öffnen. An den Tagen mit mehr als 40 Grad Celsius starben in Köln laut Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) dreimal so viele Menschen wie an einem durchschnittlichen Tag. Nun suchen Stadt und das Land NRW nach Gegenmaßnahmen. Helfen dabei soll eine Kölner Versicherung.
Köln wird Modellstadt, um die Kommunen in Nordrhein-Westfalen gezielter gegen Hitze und weitere Folgen des Klimawandels zu schützen. Zusammen mit der Zurich Gruppe mit Sitz in Köln-Deutz soll anhand zahlreicher Daten ein entsprechender Investitionsfahrplan entstehen, wie NRW-Bauministerin Ina Scharrenbach (CDU) am Mittwoch in der Düsseldorfer Landespressekonferenz ankündigte.
Konkret gehe es etwa um Fragen wie „Wo schaffen Verschattung, Begrünung, Entsiegelung und ein kluger Umgang mit Wasser den größten Schutz für Menschen und Infrastruktur?“, erläuterte die Ministerin das Projekt „Cooles Nordrhein-Westfalen“. Genau dort werde zuerst angesetzt. „So machen wir unsere Städte und Gemeinden widerstandsfähiger gegen Hitze.“
25 Orte in Köln werden von Ingenieuren untersucht
Bis zu 25 priorisierte Standorte in Köln sollen von den „Risiko-Ingenieuren“ der Zurich-Versicherung vor Ort untersucht werden. Im Fokus stehen Räume und Orte, an denen besonders schutzbedürftige Menschen oder wichtige kommunale Funktionen von hoher Hitzebelastung betroffen sind – etwa Schulen, Kindertagesstätten, Pflege- und Gesundheitseinrichtungen sowie stark genutzte öffentliche Räume.
Die Fachleute bewerten unter anderem Verschattung, Versiegelung, Gebäudebelastung, Aufenthaltsqualität und vorhandene Schutzmaßnahmen. Die Ergebnisse sollen dann als praxistauglicher Fahrplan für konkrete Investitionen aufbereitet werden und auf weitere Kommunen übertragbar sein.
„Klimaräume“ in Museen, Bibliotheken und Rathäusern
Köln beginne sofort mit der Arbeit, sagte Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD). Dazu gehöre die Frage, wann welche Räume zur Verfügung gestellt werden könnten, wo Menschen sich abkühlen könnten. Da gehe es etwa um Foyers von Museen und Bibliotheken, die klimatisiert seien oder auch um kühle Orte in Bezirksrathäusern. Zwar seien solche Klimaräume auch schon in aktuellen Krisenszenarien berücksichtigt worden, jetzt gehe es aber darum, die Erfahrungen für den nächsten Sommer aufzuarbeiten. Das Modellprojekt soll schon bis Jahresende Antworten liefern.
Die Zurich-Gruppe hat nach eigenen Angaben weltweit bereits zwölf Städte in dieser Form beraten. Dies sei aber die erste Kooperation mit einer deutschen Stadt, berichtete Zurich-Chef Carsten Schildknecht. Das Unternehmen analysiere Klimadaten, modelliere Szenarien mit unterschiedlichen Erderwärmungsmodellen, bewerte die besonderen Risiken für Menschen und die Infrastruktur und könne am Ende auch sagen: „Wo bekommt man für den Euro den meisten Schutz?“, sagte Schildknecht im Gespräch mit unserer Redaktion.

Zurich-Chef Carsten Schildknecht zeigt, wie sich die Hitze in den vergangenen Jahrzehnten exponentiell verändert hat.
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Schildknecht führte aus, welche wirtschaftlichen Implikationen die Hitze hat. Nach Zahlen der Weltgesundheitsorganisation fielen allein im Jahr 2024 weltweit 640 Milliarden potenzielle Arbeitsstunden aus - mit einem Produktivitätsverlust von 1,09 Billionen US-Dollar.
Über die Prioritätenliste der sich daraus ableitenden Maßnahmen und Investitionen soll die Stadt entscheiden. Das Modellprojekt werde mit 98.000 Euro aus dem Landeshaushalt finanziert, sagte Ministerin Scharrenbach unserer Redaktion. Für die Stadt Köln entstünden keine Kosten.
Hitze kann die Stromversorgung gefährden
Bei den bisherigen Hitzeschutzmaßnahmen der Städte wird laut dem Klimarisiko-Experten der Zurich-Versicherung, Matthias von Harten, häufig die kritische Infrastruktur übersehen. „Wenn ein Umspannwerk ausfällt und ich habe keine Stromversorgung mehr, kann ich dahinter Tausende Klimaanlagen haben, die nicht mehr funktionieren“, so der Professor für Bauingenieurwesen. Wenn ein Stellwerk ausfalle, weil überhitzte Schienen wellig würden, könnten die Straßenbahnen nicht mehr fahren, während gleichzeitig Fahrgäste an ungeschützten Haltestellen warteten.
Zu den Hitzeschutzmaßnahmen, die Kommunen sofort umsetzen könnten, zählen etwa Sonnensegel auf Schulhöfen und in Aufenthaltsbereichen. „Das ist sofort wirksam“, sagte von Harten. „Man muss dafür sorgen, dass man sie so installiert, dass man die Windrichtung nicht abschneidet.“
Um Schienen kühler zu halten, wäre Begrünung an Bahnsteigen empfehlenswert. Ebenso ein Anstrich mit weißer Farbe, auch wenn diese oft nicht lange halte. Weiße Oberflächen reflektieren einen großen Teil der Sonnenstrahlung. Dadurch erwärmt sich der Untergrund weniger stark. Wenn sich Schienen bei hohen Temperaturen ausdehnen, könnten sich Gleise verformen.
„Die Klimaanlage ist das allerletzte Puzzleteil, das wir empfehlen“, unterstrich der Experte. Eine Klimaanlage heize unterm Strich die Umgebung auf und koste Energie: „Das wollen wir alle nicht haben.“
Scharrenbach führte weiter aus, dass die Begrünung der Innenstädte zur Erzeugung von Schatten nicht immer die gewünschte Zustimmung der Bevölkerung finde. „Im Sommer finden alle grüne Bäume wunderbar. Wenn aber der Herbst ansteht haben die Anwohner mit Unmengen Laub zu kämpfen. Deswegen gibt es gegen solche Pflanzungen oft Vorbehalte.“ (mit dpa)
