Discounter gehen voranAldi verbannt Billigfleisch aus der Wurst – Lidl listet Fleisch aus

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Schweine stehen in einem Schweinestall (Archivbild).

Schweine stehen in einem Schweinestall (Archivbild).

Die Discount-Riesen gehen weiter voran: Aldi verbannt Billigfleisch aus der Wurst, Lidl listet Fleisch aus. Die großen Vier – Edeka, Rewe, Aldi und Lidl – haben sich 2019 eigene Standards gesetzt, während die Politik noch tüftelt.

Während sich Cem Özdemir (Grüne) nach Christian Schmidt (CSU) und Julia Klöckner (CDU) als dritter Agrarminister an staatlichen Tierwohlstandards versucht, ist der Handel schon weiter. Die großen Vier – Edeka, Rewe, Aldi und Lidl – haben sich 2019 eigene Standards für Masttiere und Milchkühe gesetzt und stellen seitdem ihre Sortimente auf höhere Haltungsstufen um. Nun geht einmal mehr Aldi einen weiteren Schritt voran – und verbannt die unteren beiden Haltungsstufen nach dem Frischfleisch auch bei den Wurstwaren und verarbeiteten Fleischprodukten bis 2030 aus seinen Kühlregalen.

Die unteren Haltungsstufen werden verbannt

Da die Menschen in Deutschland fast genauso viel Fleisch in Form von Wurst, Schinken oder Hühnchennuggets verspeisen wie Steaks oder Hack, ist dieser Schritt rein mengenmäßig ein großer. Wie beim Frischfleisch ist davon auszugehen, dass die Konkurrenz nachzieht. Rewe hatte bereits angekündigt, Wurst und Fleischprodukte seiner Eigenmarken bis 2025 mindestens auf Haltungsstufe zwei zu heben.

Die Verbraucher müssen bereit sein, für Wurst aus besserer Haltung auch etwas mehr auszugeben.
Julia Adou, Nachhaltigkeitschefin von Aldi Süd

Aldi hatte im Sommer 2021 angekündigt, die Mindeststandards für Frischfleisch zu erhöhen, bei den Milchkühen war Edeka im Januar 2022 vorangegangen, Aldi, Lidl und Rewe zogen rasch nach.

Inzwischen verkaufen alle Discounter und Supermärkte viel Frischmilch aus höheren Haltungsstufen, Aldi gibt den Anteil mit 45 Prozent an. Bei Frischfleisch gibt es nach wie vor viele Billigprodukte von Schweinen, die kaum Platz im Stall haben. Bis Mitte des Jahrzehnts sollen sie verschwinden. Mit der Ausweitung auf verarbeitete Produkte ist der Handel auch den nun von Minister Özdemir geplanten staatlichen Standards erneut voraus: Sie gelten zunächst nur für Schweine-Frischfleisch.

Nachfrage nach Biofleisch wächst

Für die Tiere ist es zu Lebzeiten leidlich egal, ob aus ihnen später Wurst oder Steaks gefertigt werden. Aktuell verkauft Aldi nach eigenen Angaben 15 Prozent seiner Wurstwaren aus besserer Haltung, beim Frischfleisch sind es 20 Prozent. Die Nachfrage etwa nach Biofleisch sei aber gegen den aktuellen allgemeinen Trend stark wachsend.

Die Tierschutz-Stiftung „Vier Pfoten“ begrüßt den Vorstoß. Ihre Nutztierexpertin Nora Irrgang betont gleichwohl, dass der Lebensmittelhandel selbst durch seinen enormen Preisdruck auf die Landwirte zur nun bekämpften Tierwohl-Problematik beigetragen habe. Auch bemesse sich Tierwohl keineswegs allein an der Haltungsform: „Eine gut gestaltete Haltungsumgebung ist vielmehr nur eine Voraussetzung, die aber durch gutes Management ergänzt werden muss. Eine unzureichende Haltungsumgebung kann dagegen auch mit gutem Management kein gutes Tierwohl erreichen“, erklärt Irrgang.

Eine gut gestaltete Haltungsumgebung ist vielmehr nur eine Voraussetzung, die aber durch gutes Management ergänzt werden muss.
Nora Irrgang, Nutztierexpertin der Tierschutz_Stiftung „Vier Pfoten“

Der Konsumtrend zu nachhaltigeren Produkten spiegelt sich in den Imagekampagnen der Handelsriesen wider. So machte Lidl unlängst mit seiner Ankündigung von sich reden, grundsätzlich weniger Fleisch verkaufen zu wollen. Tierische Produkte sollen ausgelistet und durch pflanzliche ersetzt, das Sortiment bis 2025 umgestellt werden, kündigte Lidl auf der „Grünen Woche“ in Berlin an. Mit seinen veganen Fleischalternativen liegt Lidl bereits weit vorn, 2022 zeichnete die Tierschutzorganisation Peta die Lidl-Marke „Vemondo“ als „beste vegane Eigenmarke“ aus. Damit folgen die Discount-Riesen dem Konsumverhalten: Seit Jahren wird in Deutschland immer weniger Fleisch gegessen.

Die Frage, wie die Landwirte den Umbau ihrer Ställe finanzieren sollen, wenn die vier Handelsriesen weiter um die niedrigsten Preise konkurrieren, ist eine andere. Julia Adou, Nachhaltigkeitschefin von Aldi Süd, sagte dazu: „Das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Die Verbraucher müssen bereit sein, für Wurst aus besserer Haltung auch etwas mehr auszugeben, die Politik muss sicher mehr tun als die im Raum stehende eine Milliarde Euro für den Umbau der Tierhaltung. Und wir geben den Landwirten das Versprechen, dass Fleisch aus den höheren Haltungsformen im Markt bessere Preise erzielt.“

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