Zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit errichtet Daimler Truck eine neue Fabrik in Tschechien. Für das Hauptwerk in Wörth hat diese Entscheidung Konsequenzen.
Luft zum Atmen für WörthDaimler Truck verlagert Teil der Produktion nach Tschechien

Daimler Truck: Konzern plant neues Werk in Tschechien. (Archivbild)
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Der Lkw-Hersteller Daimler Truck beabsichtigt, zur Kostensenkung und Verbesserung seiner Konkurrenzfähigkeit einen Teil der Fertigung in die Tschechische Republik auszulagern. Das Dax-Unternehmen mit Sitz in Leinfelden-Echterdingen gab bekannt, dass sein europäisches Fertigungsnetz bis zum Ende der Dekade durch eine neue Montageanlage in Cheb ergänzt wird. Diese Stadt befindet sich im westlichen Teil Tschechiens unweit der Grenze zu Deutschland.
Für die neue Fabrik plant Daimler Truck eine Investition im niedrigen bis mittleren dreistelligen Millionenbereich. Gemäß der Unternehmensmitteilung ist die Anlage für eine jährliche Fertigungskapazität von circa 25.000 Fahrzeugen konzipiert, was zur Schaffung von etwa 1.000 neuen Stellen führen soll. Die Mitteilung, aus der die „dpa“ zitiert, hebt hervor, dass der Standort „sowohl bei der Logistik als auch bei den Kostenstrukturen überzeugende Voraussetzungen“ biete.
Auswirkungen der Entscheidung auf den Standort Wörth
Trotz der Verlagerung wird das Werk in Wörth am Rhein (Rheinland-Pfalz) seine Funktion als zentrales Leit- und Volumenwerk des Fertigungsverbunds beibehalten. Mit diesem Schritt strebt der Konzern eine höhere Effizienz, Widerstandsfähigkeit und Flexibilität an, um auf die wachsende Komplexität durch mehr Fahrzeugvarianten zu reagieren.
Jürgen Distl, der Leiter des operativen Geschäfts bei Mercedes-Benz Trucks, erklärte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur: „Wir stoßen hier ständig an Grenzen, auch räumlicher Natur“. Ein gewisser Anteil der Fertigung wird künftig am neuen Standort erfolgen. Die Konsequenz sei, „dass wir in Wörth in einem normalen Jahr weniger Lkw bauen werden“. Eine ähnliche Entwicklung sei für die Fabrik im türkischen Aksaray zu erwarten. Distl stellte jedoch klar: „Der Löwenanteil wird immer noch aus Wörth kommen.“

Werk von Daimler Truck in Wörth am Rhein. (Archivbild)
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Zum Vergleich: Die Produktionskapazität in Wörth liegt laut Unternehmensangaben bei ungefähr 100.000 Fahrzeugen. Während im Jahr 2023 dort circa 97.000 Lkw vom Band liefen, wird für 2025 von einer Zahl von rund 66.000 ausgegangen. In Aksaray können jährlich gut 30.000 Einheiten hergestellt werden.
Die Weiterentwicklung des Standorts Wörth soll sicherstellen, dass dort auch bei sich wandelnden Marktverhältnissen eine dauerhaft wirtschaftliche Produktion möglich ist. Laut Distl verschafft die neue Fabrik in Cheb dem Werk in Wörth „die dringend benötigte Luft zum Atmen“.
Einsparungen durch Programm „Cost Down Europe“
Hintergrund der Maßnahme ist das im Vorjahr angekündigte Sparprogramm „Cost Down Europe“, zu dem die Auslagerung eines Teils der Fertigung in ein kostengünstigeres Land gehört. Ziel ist es, bis 2030 die Betriebskosten auf dem europäischen Kontinent um über eine Milliarde Euro zu reduzieren, was mit dem Abbau von circa 5.000 Arbeitsplätzen in Deutschland einhergeht.
Michael Brecht, der Gesamtbetriebsratsvorsitzende, erklärte, dass von der Fabrik in Tschechien auch die deutschen Standorte und deren Belegschaft profitieren würden. In den Verhandlungen hätten die Vertreter der Arbeitnehmer darauf bestanden, dass neben Effizienz und Einsparungen auch eine Strategie für Wachstum notwendig sei. Brecht zufolge ist die neue Fabrik ein Element dieser geforderten Wachstumsstrategie, da die Entwicklungsmöglichkeiten in Wörth durch die hohe Komplexität begrenzt seien.

Daimler-Truck-Gesamtbetriebsratschef Michael Brecht: Fokus nicht nur auf Effizienz und Sparen. (Archivbild)
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Der Gewinn von Daimler Truck verzeichnete im Jahr 2025 einen Rückgang um 34 Prozent, und auch die Verkaufszahlen waren rückläufig. Schon im Jahr 2024 hatten sich das Konzernergebnis sowie der Absatz verringert. (red)
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