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TraditionsfirmaDeutz AG stellt Weichen für Übernahme von Rüstungsfirma

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Fahnen wehen am 20.03.2014 in Köln (Nordrhein-Westfalen) vor dem Eingang des Motorenwerkes der Deutz AG.

Der Konzern blickt der außerordentlichen Hauptversammlung zuversichtlich entgegen.

Die Deutz AG will durch einen FFG-Kauf, einen Spezialisten für Militärfahrzeuge, ihr Wachstum beschleunigen.

Die Kölner Deutz AG setzt ihre Wachstumsstory fort und sieht der wegweisenden außerordentlichen Hauptversammlung in zweieinhalb Wochen zuversichtlich entgegen. Dort soll die Übernahme des militärischen Fahrzeugherstellers FFG von den Aktionären gebilligt werden. Mit dem Kauf des Rüstungsspezialisten würde Deutz in eine neue Größenordnung vorstoßen und die Transformation des Unternehmens erheblich vorantreiben.

Wir sind immer noch der älteste Motorenbauer der Welt.
Deutz-CEO Sebastian Schulte

„Wir sind immer noch der älteste Motorenbauer der Welt. Aber wir entwickeln uns gleichzeitig zur industriellen Plattform für Resilienz“, sagte Deutz-CEO Sebastian Schulte dieser Zeitung. Unter Schultes Regie wurde die Angebotspalette des Traditionskonzerns mit Zukäufen erheblich erweitert und damit die Abhängigkeit von der sehr zyklischen Motorenproduktion verringert. Heute hat Deutz fünf industrielle Sparten, darunter die Bereiche Antriebe, Energie und Verteidigung.

Traditionskonzern Deutz: Trendwende eingeleitet

Die Halbjahreszahlen spiegeln den Erfolg dieser Strategie deutlich wider. Der Auftragseingang stieg um 28,7 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro, der Konzernumsatz wuchs um 10,7 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro. Die Marge im Gesamtkonzern stieg von 5,5 auf 7,1 Prozent, auch das eine positive Botschaft im früher ausgeprägt margenschwachen reinen Motorengeschäft. Unter dem Strich steht ein bereinigtes Konzernergebnis, das, ausgehend von einem schwachen Vorjahr, um 43 Prozent auf 80 Millionen Euro gesteigert wurde. Damit verbesserte sich die operative Rendite von 5,5 auf 7,1 Prozent.

Ein Schönheitsfleck: Der operative Cashflow als Zeichen für die laufende finanzielle Stärke des Unternehmens sank, auf nur noch 31,9 Millionen Euro. Sebastian Schulte erklärte das unter anderem mit den Kosten für ein Effizienzprogramm im Motorenbereich, dessen Früchte aber schon sichtbar seien: „Die Trendwende ist eingeleitet, die Ergebnisse unseres Motorengeschäfts verbessern sich stetig“, freute sich der CEO. Man habe auch deshalb das wohl beste Halbjahresergebnis in der über 160-jährigen Unternehmensgeschichte erzielt.

Übernahme von FFG bietet große Wachstumschancen

Doch vor allem die nahe Zukunft zählt gerade noch viel mehr auf dem Deutz-Campus in Porz. Denn FFG ist für die Kölner mehr als eine Übernahme. „Wir erreichen eine neue Dimension unseres Geschäfts und können unsere Wachstumsziele, das für 2030 angepeilt war, mit FFG schon 2027 oder 2028 erreichen“, sagte Schulte. Die Flensburger warten und bauen militärische Spezialfahrzeuge, Deutz ist auf alle Arten von Antriebstechnik und auch und vor allem mit einem weltweiten Servicenetz präsent. Das sind Geschäftsfelder, die sich nach Ansicht des Managements hervorragend ergänzen und nach Lage der weltpolitischen Dinge große Wachstumschancen versprechen.

Mit FFG will Deutz auch den Unternehmensumbau vorantreiben. Unter der Führung des neuen Vorstands agieren die Sparten schon heute unternehmerisch weitgehend eigenverantwortlich. Deshalb soll FFG auch innerhalb der Deutz-Gruppe eigenständig arbeiten können. Die Flensburger sollen als Flaggschiffgesellschaft der Sparte Verteidigung das gesamte Geschäft des Segments vorantreiben, erklärte Schulte.

Der CEO zeigte sich daher auch zuversichtlich, die Zustimmung der Aktionäre zum FFG-Kauf zu bekommen. In den vergangenen Wochen war die Unternehmensführung in den wichtigsten Finanzplätzen der Welt auf Roadshow, es habe klare Zustimmung und Unterstützung wichtiger Stakeholdergruppen gegeben, berichtete der Konzernchef.

Kurbelgehäuse: Produktion in Kalk eingestellt

Während das Unternehmen also dabei ist, ein ganz neues Kapitel aufzuschlagen, wurde ein anderes, altes, für immer geschlossen. Am vergangenen Freitag ist in Köln-Kalk das letzte Kurbelgehäuse am Traditionsstandort fertiggestellt und die Produktion damit endgültig beendet worden. 100 Arbeitsplätze sind in Kalk – sozialverträglich und im Rahmen des Sanierungsplans der Motorensparte – verloren gegangen, teilweise sind die Mitarbeiter jetzt an anderen Standorten tätig.

Mit dem Gehäusewerk in Kalk endet eine große Kölner Industrie-Geschichte. Sie ist noch älter als die von Deutz: Die Maschinenfabrik Humboldt war 1856 gegründet worden und hat die Entwicklung des Stadtteils über Jahrzehnte geprägt. Dem Standort hält Deutz dennoch die Treue: mit ihrem Logistikzentrum, das den Konzern weltweit mit Teilen versorgt und 170 Menschen Arbeit gibt.