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Erste NRW-Filiale der Rewe-TochterKölner Kette Zoo-Royal greift scheinbar übermächtigen Marktführer an

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Außenansicht des Zoo-Royal in Düsseldorf-Rath

Eröffnung der ersten Zoo-Royal-Filiale in NRW

Der Kölner Onlinehändler für Heimtierbedarf expandiert in den stationären Handel. Um Fressnapf herauszufordern, hat Zoo-Royal sich einiges einfallen lassen.

„Wenn Sie hier hin und wieder eine Fliege sehen, ist das so gewollt“, sagt Marcel Bersch. Der Geschäftsführer von Zoo-Royal führt durch den ersten Laden der Heimtierkette in NRW. Aus dem Online-Handel kennen die Kunden das Sortiment der Kölner Rewe-Tochter bereits seit über zwei Jahrzehnten. Für das stationäre Geschäft musste der Händler sich neu erfinden. Mit Testfilialen im Raum Hamburg gelang das gut. Jetzt will der Verkäufer von Heimtierbedarf Deutschland erobern, die eine oder andere Fliege inklusive. Denn: „Daran erkennt man, dass die Ware unbehandelt ist.“

Snackbar für Hunde im Eingangsbereich

Snackbar für Hunde im Eingangsbereich

Mit Ware meint Bersch unter anderem ein üppiges Kau-Sortiment, das von getrockneten Kalbsohren über Schweinenasen bis zu Reh-Unterbeinen reicht. Die Snacks für Katzen und Hunde präsentieren sich im Eingangsbereich in gut ausgeleuchteten Auslagen. Kaustangen in Form von Croissants, zu Brezeln gewunden oder zu Herzen geformt, lassen auch bei Frauchen das Wasser im Mund zusammenlaufen. „Sieht aus wie beim Bäcker“, raunt eine Kundin.

Ein Regal mit Kaustangen in allerlei Formen und Varianten

Sieht aus wie beim Bäcker, riecht nur anders

Von Kalbsohr bis Schweinenase finden sich Kauanreize in unterschiedlicher Härte in den Regalen

Von Kalbsohr bis Schweinenase finden sich Kauanreize in unterschiedlicher Härte in den Regalen

Übermächtige Konkurrenz

Zoo-Royal tritt im stationären Handel gegen die scheinbar übermächtige Konkurrenz von Fressnapf an. Die Krefelder Firma plant in diesem Jahr bereits ihren 1000. Laden in Deutschland. Zoo-Royal kommt derzeit auf gerade einmal fünf. „Eine hohe zweistellige Zahl“ sei für die kommenden Jahre angestrebt, erzählt Bersch.

Dabei geht es um viel Geld: Der Umsatz der deutschen Heimtierbranche belief sich im vergangenen Jahr laut dem Branchenverband ZZF auf knapp sieben Milliarden Euro – und dreiviertel davon wurden im stationären Handel erwirtschaftet.

Dass der David sich das Duell mit dem Goliath überhaupt zutraut, hat viel mit der Zugehörigkeit zur Rewe-Gruppe zu tun. „Wir können zum Beispiel auf die Warenwirtschaft zurückgreifen“, sagt Bersch. Auch die Self-Checkout-Kassen, wie Kunden sie aus Rewe-Märkten kennen, finden sich hier wieder.

Andere Elemente der Zoo-Royal-Stores finden sich in keinem Supermarkt. Denn der Heimtier-Shop will viel mehr sein als eine Verkaufsfläche für „Dosen und Futtersäcke“, wie der Marktleiter Simon Bacher erzählt. Der Laden ist vielmehr die Anlaufstelle für eine ganze Reihe von Services rund ums Tier. Im „Fell Spa“ bekommen Vierbeiner einen neuen Haarschnitt oder eine Wäsche. Wer keine Rücksicht auf die Öffnungszeiten des Geschäfts nehmen möchte, kann sein Tier an der Dogwash genannten Station vor dem Laden auch selbst abbrausen. Das verhaarte Hundebett oder die schmutzige Pferdedecke können derweil im Waschautomaten rotieren.

Waschsalon und DogWash-Station neben dem Ladeneingang

Waschsalon und DogWash-Station neben dem Ladeneingang

Tierapotheke und Tierarzt im Store

In der Tierapotheke finden sich Mittel für Gelenke und Verdauung, für Haut- und Fellpflege bis hin zur Unterstützung des Immunsystems und der Zahngesundheit. Auch ein Tierarzt soll demnächst im Laden einziehen. Hier können Kunden ihre Lieben versorgen, sich aber auch zu Versicherungsleistungen beraten lassen. Auch die vertreibt Zoo-Royal über einen Partner.

15 Mitarbeiter stehen den Kunden darüber hinaus mit Ratschlägen zur Seite, wenn das richtige Futter fürs Tier gesucht wird, Aquarienpflanzen ausgewählt oder Hundeleinen anprobiert werden müssen. Damit die Beratung adäquat ist, bildet Zoo-Royal sein Personal selbst aus. Marktleiter Bacher hat darüber hinaus ein Einstellungskriterium, das nicht verhandelbar ist: „Jeder, der hier arbeitet, muss selbst ein Haustierbesitzer sein.“ Nur dann könne er die Bedürfnisse der Kundschaft verstehen. 

Ein Hund wird nach dem Baden im „Fell Spa“ trocken geföhnt.

Im „Fell Spa“ lassen sich die Vierbeiner verwöhnen. Das Personal hat ausnahmslos selbst Haustiere.

Hund und Katze dürfen selbstverständlich mit zur Arbeit gebracht werden und bekommen kostenloses Futter vor Ort. „Unsere Mitarbeiter bekommen allerdings auch kostenlose Getränke“, ergänzt Bacher.

Fische aus regionaler Zucht

Tiere selbst vertreibt Zoo-Royal nicht. Auch keine Kleintiere wie Nager. Die Haltung in einem Laden sei schlicht nicht artgerecht möglich, argumentiert die Kette. Eine Ausnahme gibt es: Fische. Die Aquaristik-Abteilung, fraglos das Schmuckstück des Ladens im Düsseldorfer Norden, sei allerdings nur mit Tieren von lokalen Züchtern aus dem engsten Umkreis bestückt. Nachwuchs wird, soweit wie möglich, selbst gezogen. „Hierher werden keine Tiere über tausende Kilometer eingeflogen“, versichert Bersch. Es gebe auch keine Qualzucht, wie er sie bei vielen anderen Händlern in der Stadt gesehen habe, sagt der Zoo-Royal-Chef. Gemeint sind durch Züchtung extrem vergrößerter Flossenwuchs oder übergroße Augen, die die Tiere optisch auffällig, aber anfällig für Krankheiten machen.

Statt Tiere zu verkaufen, will Zoo-Royal lieber welche vermitteln. Dafür kooperiert der Laden mit Tierheimen aus der Umgebung. Auf einer Art Pinnwand sollen bald Haustiere zu sehen sein, die derzeit ein Zuhause suchen.

Zwölf Meter lange Gefriertheke

Damit die Kunden sich im Laden schnell zurechtfinden, sind die Abteilungen unterschiedlich farbig gestaltet. Hunde orange, Fische in Türkis, Katzen in Beerenfarbe. Die Orientierung ist auch nötig, denn mit 1400 Quadratmetern ist der Laden riesig. 15.000 Artikel von der Kollagen-Kaustange über den Schnüffelball bis zum Pipi-Weg-Reinigungsmittel finden hier Platz. Hundebettchen für 25 bis 500 Euro gehören ebenso zum Sortiment wie Hundeeis und Tiefkühlfleisch aus der zwölf Meter langen Gefriertheke oder frisch zubereitete Tiernahrung aus dem Kühlregal.

Nicht zu verwechseln: Hundeeis rechts, Speiseeis links

Nicht zu verwechseln: Hundeeis rechts, Speiseeis links

Hundebetten in der Regalauslage von Zoo-Royal

Das umfangreiche Sortiment reicht von einfacher Heimtier-Ausstattung bis zu luxuriösem Zubehör. Manches Hundebett hier kostet an die 500 Euro.

Keine zweihundert Meter weiter, einmal quer über den Parkplatz, hat auch die alteingesessene Fressnapf-Filiale noch geöffnet. Auch hier summt die eine oder andere Fliege. Der Hund, der hier schwanzwedelnd zur Tür herein kommt, wird ausgiebig gekrault. „Jetzt muss ich aber weitermachen“, sagt die Verkäuferin. Gar nicht so leicht, dagegen anzukommen. Wenn Zoo-Royal den ultimativen Test auch in NRW besteht, soll die Expansion Fahrt aufnehmen. Der nächste Laden ist noch für dieses Jahr in Osnabrück angekündigt. Für einen Kölner Standort gibt es allerdings noch keinen Termin.