Laut EZB hat der Euro an Stellenwert gewonnen. Für eine noch stärkere Rolle fordert Christine Lagarde gemeinsame Schulden.
Euro festigt seine PositionEZB sieht Währung als Nummer zwei hinter dem US-Dollar

Die EZB will die internationale Rolle des Euro an den Finanzmärkten stärken.
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Laut einer Beurteilung der Europäischen Zentralbank (EZB) hat die Gemeinschaftswährung im Finanzsektor an Stellenwert gewonnen. Aus Frankfurt meldete die Notenbank, die internationale Position des Euro habe sich im Jahr 2025 moderat gesteigert, was seinen Rang als zweitbedeutendste Währung global festigte.
Die Emission internationaler Schuldtitel in Euro gelangte 2025 auf den höchsten Wert seit Einführung der Währung, ein Anstieg von etwa 30 Prozent gegenüber 2024. „Der Euro wurde zudem erstmals zur führenden Währung auf dem internationalen Markt für grüne und nachhaltige Anleihen“, teilte die EZB mit. Des Weiteren befinden sich die Zuflüsse von ausländischen Portfolioinvestitionen in den Euroraum in der Nähe von Rekordwerten. Insgesamt kletterte der Anteil der Gemeinschaftswährung bei verschiedenen globalen Nutzungsindikatoren auf circa 20 Prozent.
Lagardes Ziel: Ein stärkerer Euro als Reaktion auf US-Politik
Die EZB visiert eine prominentere Rolle für den Euro an der Seite des Dollars als globale Leitwährung an, was auch eine Reaktion auf die Politik von US-Präsident Donald Trump ist. Die Zentralbank verspricht sich davon preiswertere Kredite in der EU. Überdies hätten Kursschwankungen geringere Konsequenzen, da der Handel vermehrt in Euro stattfände, und Europa wäre besser gegenüber Sanktionen abgesichert.
Gemäß EZB-Daten wurden 2025 rund 57 Prozent der globalen Devisenreserven in Dollar gehalten; auf die europäische Gemeinschaftswährung entfielen 20 Prozent. Durch Trumps konfrontativen Kurs und seine Androhungen von Zöllen waren zuvor Bedenken hinsichtlich der Vormachtstellung des Dollars aufgekommen. Bereits 2025 hatte EZB-Präsidentin Christine Lagarde an der Hertie School in Berlin erklärt, der Wandel deute darauf hin, dass der Zeitpunkt für eine gewichtigere internationale Funktion des Euro günstig sei.
Lagarde mahnt Reformen und gemeinsame Schulden an
Es gebe Anzeichen für Instabilität im Finanzgefüge, so die EZB in einem Schreiben. Demnach haben Zentralbanken ihre Goldbestände vermehrt und einige Staaten fördern alternative Zahlungssysteme. Lagarde betonte, dass für den Euro die Möglichkeit bestehe, seine globale Attraktivität zu vergrößern. Dafür müssten die europäischen Entscheidungsträger jedoch die notwendigen Grundlagen schaffen.
„Damit sich der Euro zu einer wahrhaft globalen internationalen Währung entwickeln kann, muss der Euroraum an Größe gewinnen sowie tiefere und liquidere Kapitalmärkte aufbauen“, erklärte die EZB-Präsidentin. Sie sprach sich außerdem für eine gemeinschaftliche Schuldenaufnahme innerhalb der EU aus: „Zusätzliche Maßnahmen wie die gemeinsame Finanzierung öffentlicher Güter würden dazu beitragen, einen sicheren und liquiden Pool öffentlicher Schulden der EU zu schaffen.“
Laut dem Bericht ist der US-amerikanische Staatsanleihenmarkt fast dreimal so umfangreich wie der Markt für innerhalb der EU ausgegebene Staatsschulden mit erstklassiger Bonität. Da Devisenreserven in der Regel aus hoch bewerteten Staatsanleihen und Einlagen zusammengesetzt sind, könnte die limitierte Verfügbarkeit solcher Schuldtitel im Euroraum die wachsende Rolle des Euro bremsen.
Eine gemeinsame Verschuldung der EU-Staaten bleibt jedoch ein politisch kontroverses Thema. Deutschland hat einem solchen Vorgehen nur in Ausnahmesituationen zugestimmt – wie beim Corona-Wiederaufbaufonds oder bei der finanziellen Hilfe für die von Russland angegriffene Ukraine. (dpa/red)
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