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FitnessmesseDie Fibo in Köln hat so viele Besucher wie noch nie – aber nicht alle sind begeistert

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Mehr als 175.000 Menschen besuchten die Fibo in diesem Jahr – vor allem am Wochenende füllten sich die Hallen auf dem Kölner Messegelände.

Mehr als 175.000 Menschen besuchten die Fibo in diesem Jahr – vor allem am Wochenende füllten sich die Hallen auf dem Kölner Messegelände.

Das Interesse an Fitness ist in Deutschland größer als je zuvor, das zeigte nicht nur der Andrang bei der Fibo in Köln. Doch es gibt auch Kritik.

Mit mehr als 175.000 Gästen hat die Fitnessmesse Fibo einen neuen Besucherrekord aufgestellt. Wie der Veranstalter RX Deutschland mitteilte, besuchten 20.000 Menschen mehr als im vergangenen Jahr den viertägigen Branchentreff. 2025 war es bereits ein Höchstwert gewesen, dieser wurde nun locker übersprungen. Das sorgte am Wochenende nicht nur für Verkehrschaos rund um das Deutzer Messegelände, sondern auch für lange Schlangen vor den Ständen der Aussteller.

Rund 1000 Unternehmen aus 54 Ländern hatten ihre Produkte und Dienstleistungen bei der Fibo beworben, darunter Fitnessgeräte, Nahrungsergänzungsmittel und Digitalanwendungen zur Trainingsoptimierung. Besucher konnten an Gruppenkursen teilnehmen, bei Wettkämpfen ihre Muskeln zeigen oder die Körper anderer bewundern. Während die Messe an den ersten beiden Tagen dem Fachpublikum vorbehalten war, war sie am Samstag und Sonntag auch für Privatkunden geöffnet. 

Ein Bodybuilder zeigt seine Muskeln.

Bodybuilder und Fitnessinfluencer zeigten bei der Fibo ihre durchtrainierten Körper.

Und die waren vor allem auf der Suche nach kostenlosen Produktproben – Eiweißpulver, Proteinriegel oder anderen Supplementen – und Meet-and-Greets mit bekannten, muskelbepackten Stars aus der Szene: Influencern oder erfolgreichen Bodybuildern zum Beispiel. Dafür standen die jungen Fitnessfans – die meisten gekleidet im Sportdress mit Muskelshirts oder Leggings und Tops der Trendmarken – teils mehrere Stunden an. Besonders staute es sich vor der allein vom deutschen Nahrungsergänzungsmittelhersteller ESN beschlagnahmten Halle 11.2. Doch so großzügig belohnt fürs Anstehen, wie erwartet, wurden viele nicht. Das sorgte vor Ort, aber auch in den sozialen Medien, für Kritik. 

Starker Andrang und lange Schlangen am Wochenende

Neben reichlich Kommerz, viel nackter Haut und der Produktion von massenweise ästhetischem Content für die Social-Media-Kanäle war die Branche vor allem darum bemüht, die positiven Entwicklungen von Sport für die Gesellschaft herauszustellen. Fitness, das wurde bei der Fibo deutlich, lässt sich wunderbar unter dem Community-Aspekt vermarkten, genauso unter der Forderung nach gesünderer Lebensweise. 

Senioren, die bei der Messe wohlgemerkt kaum vertreten waren, sollen möglichst lange fit sein und selbstbestimmt leben, hieß es seitens des Branchenverbands DSSV. Das Training im Fitnessstudio sei für diese gesellschaftliche Aufgabe der Schlüssel. Außerdem würden die Studios vor allem bei Teenagern bis hin zur Gruppe der Endzwanziger punkten. Immer mehr junge Leute nutzen die Anlagen den Angaben zufolge nicht nur, um sich fit zu halten, sondern auch als sozialen Treffpunkt. Auch der Traum eines wohlgeformten, ästhetischen Körpers dürfte die Jugend in die Klubs ziehen.

Die Nachfrage macht sich in den Statistiken bemerkbar. In Deutschland gibt es laut DSSV rund 9600 Fitnessstudios. Obwohl die Betreiber seit einigen Jahren an der Preisschraube drehen und die Tarife teurer werden, haben die Studios inzwischen rund 12,4 Millionen Mitglieder und damit so viele wie noch nie. Das Beratungsunternehmen Deloitte beschreibt die wirtschaftliche Perspektive der Branche als glänzend.

Fitness-Branche boomt

Insbesondere große Ketten profitieren vom Wachstum – und übernehmen kleinere Konkurrenten. So ist die in NRW stark vertretende A.I. Fitness GmbH seit 2025 insbesondere durch Zukäufe um 45 auf 171 Studios gewachsen. Das Kürzel im Firmennamen steht für „All Inclusive“. Das Wachstum soll weitergehen: 2028 werden etwa 250 Standorte angepeilt und 2030 rund 300.

Wie andere Anbieter auch sieht „A.I. Fitness“ einen Trend hin zu Kraft- und funktionellem Training. Mit funktionellem Training sind Übungen gemeint, die nicht an festen Geräten stattfinden, sondern auf Freiflächen – etwa Kniebeugen, Ausfallschritte oder Übungen mit dem Medizinball. Der reine Cardio-Anteil ist in der Branche kleiner geworden: Stepper, Laufbänder, Rudergerät und Spinning-Bikes sind also nicht mehr so wichtig wie früher.

Künstliche Intelligenz hält langsam Einzug in die Studios. „AI Fitness“ setzt auf eine KI, die anhand von Daten der Trainierenden ideale Gewichte und Wiederholungen für den individuellen Plan berechnet. Andere Fitnessstudios verfahren ähnlich. (mit dpa)