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„Für das Jahr 2050 bauen“Zurich legt Bericht mit Lehren aus der Flutkatastrophe vor

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Zurich

Die Zurich-Zentrale in Bonn

Köln – „134 Tote im Ahrtal und 190 in Deutschland durch die Flutkatastrophe sind unakzeptabel“, sagt Michael Szönyi. Er leitet ein Flut-Resilienz-Programm beim Versicherer Zurich. Die Experten des Programms haben zusammen mit Partnern eine Analyse der Ereignisse im vergangenen Sommer erstellt auf Basis von tausenden Emails und Vor-Ort-Gespräche mit Betroffenen. Ein Ergebnis für Szönyi: „Es hätte nicht soweit kommen müssen.“

Zurich blickt in die Zukunft, nicht nach hinten

Die Studie zeigt nicht mit dem Finger auf vermeintliche Schuldige. Sie liefert Material, damit aus der Katastrophe, die auch Schäden von 35 bis 40 Milliarden Euro verursacht hat, Lehren gezogen werden können. Ähnliche Ereignisse könnten sich auch in anderen Mittelgebirgsgegenden in Deutschland ereignen, etwa in den Tälern der Kyll, Sieg oder Wupper, so Szönyi, oder in anderen Ländern Europas.

Schutt spülte das Hochwasser an der Ahr vor zahlreiche Brücken, die dem Druck dann nicht mehr stand hielten.

„Die Flutkatastrophe wurde von vielen betroffenen als ’beispiellos’ und ’unvorhersehbar’ beschrieben. Dies ist angesichts der Umstände zwar verständlich, aber auch nachweislich falsch“, so Szönyi Aufzeichnungen belegten, dass es im Ahrtal bereits 1804 eine Überschwemmung ähnlicher Größenordnung gegeben habe. „Auch 1910 gab es ein Hochwasser, das die vorliegenden Pegelaufzeichnungen deutlich überschritt“, so der Experte. Extremwetterereignisse gerieten offenbar schnell in Vergessenheit. Szönyi sprich von „Flutdemenz“. So seien Hochwasserschutzpläne aus den 1920er Jahren nie umgesetzt worden, jetzt nähm die Nachfrage nach Elementarschutzversicherungen wieder ab. Und von den Überschwemmungen im Ahrtal 2016 werde als Jahrhundertereignis gesprochen, was es bei weitem nicht war, so Szönyi. Möglicherweise hat auch das den Blick verstellt auf die folgende Katastrophe.

Szönyi kennt viele Faktoren für das Hochwasser. Erderwärmung, so dass die Luft mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann, Änderung der Windverhältnisse, so dass Sturmtiefs an einem Ort verharren und hier große Regenmengen fallen, Bodenverdichtung und Bodenversiegelung, gesättigte Böden vor einem Jahr das enge Flusstal der Ahr, die dichtere Besiedlung.

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Ein Beispiel: Mit Ahrblick sind Campingplätze entstanden, die durch das Hochwasser weggespült wurden. Schutt inklusive Wohnwagen und auch Pkw, die es vor 100 oder zweihundert Jahre natürlich noch nicht gab, wurden vor Brücken gespült. Deren Bogen waren vor vielen Jahren vielleicht groß genug. Jetzt staute der sich hier das Wasser laut Szönyi drei Meter höher auf als hinter den Brücken. Brachen die - und das taten viele - nach den den so genannten Verklausungen rollten Flutwellen mit Zerstörungswut gen Rhein.

Hochwasserkarten und Prognosen verbessern

Es müsse anders gebaut werden. „Bauwerke müssen Naturgewalten im Jahre 2050 standhalten können“, so Szönyi. Dann könnte es noch extremere Wetterereignisse geben. Sinnvoll ist da kaum, jedes vom Hochwasser getroffene und bedrohte Haus wieder aufzubauen.

Prognosen, Flutwarnungen und Hochwasserkarten müssten verbessert werden, so Horst Nussbaumer, als COO im Vorstand für das operative Geschäft der Zurich Deutschland verantwortlich. Die Ausweisung von Überschwemmungsgebieten dürfe sich nicht nur auf Durchschnittsereignissse beziehen, sondern müsse ein maximal mögliches Hochwasser enthalten. Kommunen sollten das bei der Erstellung von Bebauungsplänen berücksichtigen.