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Geliebt und gehasstDie Revolution des Würzens – Maggi wird 175 Jahre alt

3 min
Maggi

Flaschen mit der Flüssigwürze Maggi 

Vevey – „Hausfrauen, es ist nie zu spät, um zu verbessern!“ Ein paar magische Tropfen könnten jede fade Suppe oder Soße retten – so warb Maggi in den 30er Jahren für seine Flüssigwürze. Bis heute gehört sie in unzähligen deutschen Küchen zur Grundausstattung wie Salz und Pfeffer. Namensgeber ist der Erfinder, der Schweizer Julius Maggi, der vor 175 Jahren geboren wurde. Maggi ist auch der Urvater des Brühwürfels und einer der Pioniere der industriellen Lebensmittelproduktion. „Er war ein umtriebiger Unternehmer“, sagt Albert Pfiffner, Archivchef des Schweizer Nahrungsmittelriesen Nestlé, zu dem Maggi seit 1947 gehört.

Ein Ma, zwei gg, ein i: für Deutsche ist die Sache mit der Aussprache klar: Maggi eben. Aber der Namensgeber sprach sich anders aus. Julius Maggi war der Sohn eines italienischen Einwanderers. Sein Name wird deshalb „Madschi“ ausgesprochen.

Am Anfang sollte es Mehl aus Hülsenfrüchten entstehen

Julius Maggi wurde 1846 in Frauenfeld unweit des Bodensees geboren. Sein Vater brachte es mit einer Mühle zu einigem Wohlstand. Als der Sohn das Unternehmen mit 23 Jahren übernahm, kam im Zuge der Industrialisierung aber immer mehr günstiges Getreide aus dem Ausland. Maggi ersann neue Produkte. Inspiriert von einem Arzt wollte er nahrhafte und preiswerte Nahrung für Arbeiter machen und begann mit Mehlen aus eiweißhaltigen Hülsenfrüchten, Leguminosen. Maggi war so begeistert, dass er eine Tochter Leguminosa nennen wollte, was seine Frau gerade noch verhindern konnte. Zum Glück: „Die Leguminosen waren ein Flopp“, sagt Pfiffner. Unbeirrt machte Maggi aber weiter. Er brachte die etwas erfolgreicheren Suppenmehle aus Erbsen und Bohnen auf den Markt.

Die Würz-Flasche im Laufe der Zeit

Den unternehmerischen Durchbruch schaffte Maggi aber 1886 mit der Flüssigwürze, einer Weltneuheit. Schon ein Jahr später begann die Abfüllung in einem Werk im deutschen Singen unweit des Bodensees, wo bis heute Maggi-Würze hergestellt wird. 240000 Flaschen sind es täglich, die in 21 Länder exportiert werden. Weitere Werke gibt es heute in China, Polen, Kamerun, Elfenbeinküste und Mexiko.

Statistisch verbraucht jeder deutsche Haushalt gut einen halben Liter Maggi-Würze im Jahr, geht aus einer Verbrauchererhebung hervor. Das Saarland ist nach Angaben von Nestlé Maggi-Hochburg, mit 812 Millilitern Verbrauch pro Haushalt im Jahr.

Der Mann und sein Produkt: Julius Maggi (um 1880)

Zurück zu Julius Maggi: Er brachte nach der Flüssigwürze weitere Produkte heraus, und 1908 den legendären Brühwürfel. Auch im Marketing war Maggi Pionier. Als einer der ersten Unternehmer richtete er eine Werbeabteilung ein. Der später berühmte Dichter Frank Wedekind textete einst für Maggi. Der Maggi-Brühwürfel hat den Maler Picasso inspiriert: Er verewigte ihn 1912 in seinem Werk „Paysage aux affiches“. Joseph Beuys verwendete die Maggi-Flasche 1972 für sein Objekt „Ich kenne kein Weekend“.

Am Rezept hat sich in gut 130 Jahren wenig verändert. Grundbestandteile sind pflanzliches Eiweiß, Wasser, Salz und Zucker, dazu kommen Aromen und Hefeextrakte. Viele Menschen fühlen sich an das Würzkraut Liebstöckel erinnert, das kurioserweise heute auch Maggi-Kraut heißt. Es gehört aber nicht zu den Zutaten. Die genaue Zusammensetzung und Herstellung sind Betriebsgeheimnis. Nestlé hat ein Originaldokument dazu in Maggis Handschrift. Um Abwerbungen seiner Mitarbeiter und damit womöglich die Preisgabe seiner Verfahren zu verhindern, umsorgte Maggi die Mitarbeiter: Er richtete etwa eine betriebsinterne Kranken- und Vorsorgekasse ein.

Maggi starb 1912 mit 66 Jahren. Er hatte vier Töchter und einen Sohn. Ob noch direkte Nachfahren von Julius Maggi leben, weiß Nestlé nicht. (dpa)