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HandelDeutsche geben fast eine Milliarde Euro für faire Produkte aus

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Faire Produkte boomen bei Konsumenten in Deutschland.

Berlin – Vor mehr als 30 Jahren brachten niederländische Importeure erstmals Kaffee von Guatemala nach Europa, für den die Bauern einen auskömmlichen Preis erhielten. Der faire Kaffee war allerdings lediglich in esoterisch angehauchten Eine-Welt-Läden oder auf Kirchenbasaren zu bekommen. Das ist heute anders: Fair gehandelte Produkte sind mittlerweile auch bei den Discountern zu haben, und die Deutschen greifen gern zu: 978 Millionen Euro gaben die Verbraucher 2015 für Waren mit dem am stärksten verbreiteten „Fairtrade“-Siegel aus. Das ist ein Plus von 18 Prozent.

Damit   habe man  im zwölften Jahr in Folge zweistellige Wachstumsraten erzielt, sagte Transfair-Vorstandschef  Dieter Overath am Dienstag in Berlin.  Transfair war 1992 mit dem Ziel gegründet worden, die Arbeitsbedingungen der Produzenten in den Entwicklungsländern zu verbessern. Sie erhalten für ihre Produkte     einen Aufschlag, der für  soziale Projekte oder den Ausbau der  Infrastruktur zur Verfügung steht. Außerdem werden Mindestpreise gezahlt, um die Produzenten vor starken Schwankungen auf dem Weltmarkt zu schützen. Das blau-grüne Fairtrade-Siegel  dürfen nur die Hersteller auf ihre Produkte drucken, die die internationalen Standards von Fairtrade einhalten. Für das Siegel müssen sie eine Lizenzgebühr an Transfair zahlen.

Beachtliche Menge mit Fairtrade-Siegel

Die Menge der mit dieser Kennzeichnung verkauften Produkte ist  beachtlich: So wurden im vergangenen Jahr 68.000 Tonnen zertifizierte Bananen abgesetzt, was einem Plus von 32 Prozent entspricht. Damit haben die Fairtrade-Bananen schon einen Marktanteil von zehn Prozent. Der Verkauf von fairem Kaffee wuchs um vier Prozent auf 14.000 Tonnen. Der Marktanteil in Deutschland liegt damit bei drei Prozent.  Bei Kakao gab es mit insgesamt 14.300 Tonnen eine Verdoppelung des Absatzes.  Auch die Verkäufe von fairen Schnittblumen, die überwiegend aus Ostafrika kommen,   stiegen  2015 weiter.   Jede vierte hierzulande verkaufte Rose trägt  inzwischen das Fairtrade-Siegel.

Die Produzentenorganisationen in Afrika oder Lateinamerika erhielten durch das Siegel im vergangenen Jahr 16 Millionen Euro zusätzlich, 2014 waren es erst 12 Millionen Euro.  Die Produzenten können eigenständig entscheiden, welche Projekte sie damit umsetzen.

Probleme mit der Textilbranche

Overath verwies auf eine interessante Entwicklung, die sich am Kakao festmachen lässt: Nach seinen Angaben waren die großen Süßwarenhersteller  wie Ferrero oder Mars lange nicht bereit, mit Fairtrade zusammen zu arbeiten. Das habe sich in den letzten drei Jahren aber stark geändert. „Die Industrie hat erkannt, dass sie ein massives Problem bekommt, wenn die Lebens- und Arbeitsbedingungen vor Ort nicht verbessert werden“, sagte Overath. So habe die Kakao-Wirtschaft beispielsweise in Ghana ein enormes Nachwuchsproblem, weil die jungen Leute lieber in die Städte abwanderten, als unter den bisherigen  Bedingungen Kakao anzubauen.  „Den Verantwortlichen in der  Industrie ist inzwischen klar, dass sie den Kakao bald selbst pflücken müssen, wenn sich nichts ändert“,  so der  Transfair-Chef.

Sehr zäh gestaltet sich der Einstieg  in faire Textilien. Fairtrade hat dafür Standards entwickelt, die die gesamte Lieferkette umfassen. Vorgeschrieben wird zum Beispiel, dass zertifizierte Unternehmen innerhalb von sechs Jahren  die Löhne auf ein existenzsicherndes Niveau  anheben müssen.  Laut Overath gibt es aber noch keine einzige  Mode- und Handelsmarke, die unter  diesen Bedingungen mit  Fairtrade zusammen arbeiten will.  Eine gewisse Offenheit sieht er dagegen bei den Herstellern von Berufsbekleidung, mit denen es bereits Gespräche gebe.

Overath forderte in diesem Zusammenhang den Bund auf,  für die Bundeswehr oder die Bundespolizei künftig fair produzierte  Uniformen   anzuschaffen. „Statt nur im Textilbündnis zu reden, könnte  sich Entwicklungsminister  Gerd Müller  dafür einsetzen und so mit guten Beispiel vorangehen“, so Overath.