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Kommentar

Immer mehr Hitzetage
Klimaanlagen können Leben retten

3 min
Klimageräte stehen auf einem Dach. Aktuell gibt es lange Lieferzeiten.

Klimageräte stehen auf einem Dach. Aktuell gibt es lange Lieferzeiten.

Die Gefahren der Hitze werden unterschätzt. Die Geräte laufen, wenn eh genug Solarstrom fließt

Nach aktuellen Schätzungen des Robert-Koch-Instituts starben wegen der Hitzewelle im Juni dieses Jahres 5100 Menschen. Die Zahl übertrifft damit bereits zur Jahresmitte die Werte der gesamten Vorjahre bis einschließlich 2020. Hitze ist keine Erscheinung, die man lapidar als Wetterkaptriole abtun kann. Mag sein, dass gesunde Erwachsene Temperaturen von 35 oder gar 40 Grad für einige Tage locker wegstecken können. Für alle Bevölkerungsgruppen gilt das aber keineswegs.

Ältere Menschen haben erwiesener Maßen ein eingeschränktes Durstgefühl, was unbemerkt zur Austrocknung führt und heiße Tage zur gefährlichen Belastung werden lässt. Die körpereigene Temperaturregulation ist eingeschränkt, Erkrankungen verschlimmern sich.

Auch Säuglinge und Kleinkinder schwitzen noch nicht so effizient wie Erwachsene und können ihre Körpertemperatur schlechter selbst ausgleichen. Außerdem fehlt ihnen altersgemäß das Bewusstsein dafür, dass Hitze eine Gefahr darstellt. Menschen mittleren Alters mit Vorerkrankungen, beispielsweise Atemwegsbeschwerden, hohem Blutdruck oder Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems sind von der Sommerhitze ebenfalls akut bedroht.

Klimaanlage ist das kleinere Übel

Tipps gegen die Hitze gibt es viele: Viel Trinken, Schatten suchen, Lüften, Bäume pflanzen sind alles Möglichkeiten. Aber all diese Tricks sind endlich. Technische Errungenschaften machen es möglich, die Temperatur besser zu regulieren und für Menschen erträglicher zu machen. Dass man im Winter die Heizung anmacht, um nicht zu frieren, ist völlig unumstritten.

Beim Einbau einer Klimaanlage aber rümpfen viele die Nase. Klimaschädlich, erkältungsgefährdend, laut oder stromfressend wird da schnell gerufen. Doch es ist eine Frage der Verhältnismäßigkeit. Wird die nicht vermeidbare Hitze zur tödlichen Gefahr, ist der Einsatz einer Klimaanlage eindeutig das kleinere Übel. Die Klimadebatte ist dabei wenig zielführend. Schließlich muss die Gesundheit der Menschen oberste Priorität haben. Dazu kommt, dass die pauschale Kritik an Klimaanlagen zuweilen auf ideologischen statt wissenschaftlichen Argumenten ruht.

Geräte heute extrem sparsam

Viele Geräte sind heute nämlich extrem sparsam. Obendrein: Der Ausbau der Solarenergie ist weit vorangeschritten. An sonnigen Sommertagen haben wir nicht nur zur Mittagszeit einen Stromüberschuss, der zu negativen Preisen führt. Genau in diesen Stunden laufen auch die Klimaanlagen. Die Frage der Energieverschwendung ist damit beantwortet. Der überschüssige Strom wird von den Klimaanlagen verbraucht, unterm Strich ein Nullsummenspiel, energetisch wie finanziell.

Die Zahl der Hitzetage wird steigen. Am Ende ist eine gekühlte Wohnung, Schule, ein Krankenhaus, Altenheim oder der Arbeitsplatz auch eine soziale Frage.

Im Winter gibt es zwar keine festgeschriebene Mindesttemparatur. Gerichte haben aber klare Richtwerte gesetzt. Tagsüber müssen Wohn- und Arbeitsräume auf mindestens 20 bis 22 Grad heizbar sein, nachts darf die Temperatur in allen Räumen nicht unter 16 bis 18 Grad sinken. Nach oben gibt es in den Sommermonaten aber keine Grenze. An einer Kölner Schule wurden 2024 mehr als 50 Grad gemessen. Der Hitzeaktionsplan der Stadt hat auf ganzen 47 Din-A4-Seiten darauf keine hilfreiche Antwort. Sondern buchstäblich viel heiße Luft.

Unser Klima ist im Wandel. Wie Spanien, Südfrankreich oder die USA ist Deutschland im Sommer zu einem heißen Ort geworden. Insbesondere in den USA sind Klimaanlagen zu recht ein nicht diskutierter Standard. Das kann auch bei uns so werden. Der gute Nebeneffekt: Im Winter kann die Klimaanlage auch zum Heizen genutzt werden. Nachhaltig gespeist durch Strom, am besten aus Erneuerbaren.