Abo

Immer mehr SuperreicheEine kleine Elite besitzt ein Viertel des Finanzvermögens

4 min
Superreiche

Börsengewinne haben die Vermögen kräftig steigen lassen - Reiche profitieren besonders. (Symbolbild)

Eine BCG-Studie zeigt: Das Vermögen in Deutschland konzentriert sich immer stärker bei wenigen Superreichen.

BCG-Studie: Vermögen in Deutschland konzentriert sich zunehmend bei Superreichen

Ein Boom an den Börsen vergrößert den Wohlstand der Reichsten und verstärkt die Vermögenskonzentration. Laut einer Berechnung der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) verfügen rund 5.000 Superreiche über mehr als ein Viertel des Finanzvermögens in Deutschland. Die Zahl der Personen hierzulande mit einem Besitz von über 100 Millionen Dollar (rund 86 Mio. Euro) ist 2023 um circa 1.100 gestiegen – ein Anstieg von 28 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Diese Entwicklung dürfte die Debatte über höhere Abgaben für Vermögende anheizen.

Den Superreichen gehören laut dem 26. „Global Wealth Report“ der BCG 27,3 Prozent des gesamten Finanzvermögens von 12,4 Billionen Dollar in Deutschland. Dies entspricht einem Wert von fast 3,4 Billionen Dollar oder umgerechnet circa 2,9 Billionen Euro. Hauptsächlich profitierten die Vermögenden dabei von Gewinnen am Aktienmarkt.

Analyse zeigt: Wohlstand konzentriert sich zunehmend an der Spitze

„Die Konzentration des Vermögens an der Spitze nimmt weiter zu – wer mehr hat, kann breiter streuen und in renditestärkere Anlageklassen wie Aktien oder Private Equity investieren“, erläuterte Michael Kahlich, einer der Autoren der Untersuchung. „Das beschleunigt den Vermögensaufbau strukturell.“ Die Prognose der Studie lautet, dass der Anteil dieser Gruppe bis zum Jahr 2030 auf 29 Prozent des deutschen Finanzvermögens anwachsen wird.

Die Boston Consulting Group untersucht jedes Jahr die globalen Trends bei Privatvermögen. Ihre Analyse deckt 97 Märkte ab, die zusammen 98 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung repräsentieren, und basiert auf Informationen von über 100 Finanzinstituten und Vermögensverwaltungen. Als Finanzvermögen definieren die Autoren Bargeld, Guthaben auf Konten, Aktien, Anleihen, Policen von Lebensversicherungen, Fondsanteile und Pensionsansprüche. Ergänzend fließen auch materielle Werte wie Immobilien und Edelmetalle sowie Schulden in die Betrachtung ein.

Im Gegensatz zu den 5.000 sehr vermögenden Personen gibt es in Deutschland circa 66 Millionen Bürger, deren finanzieller Besitz unter der Marke von 250.000 Dollar liegt. Auf diese bevölkerungsreiche Gruppe entfällt etwas mehr als ein Drittel (35,9 Prozent) des gesamten Finanzvermögens. Eine mittlere Kategorie von etwa 3,2 Millionen Personen mit einem Besitz zwischen einer Viertelmillion und einer Million Dollar hält gut 11 Prozent. Die kleine Elite an der Spitze kontrolliert zusammen mit über 700.000 weiteren Multimillionären (Besitz bis 100 Millionen Dollar) mehr als die Hälfte des gesamten Finanzkapitals.

Rufe nach einer Vermögenssteuer werden lauter

„Unsere Gesellschaft driftet wirtschaftlich immer weiter auseinander“, bemängelte Michaela Engelmeier, die Vorstandsvorsitzende des Sozialverbands Deutschland. Diese Entwicklung werde Folgen haben, beispielsweise bei den bevorstehenden Wahlen in den Bundesländern. „Die Politik muss hier dringend gegensteuern, zum Beispiel mit echten Reformen bei der Erbschafts- und Vermögenssteuer.“

Geldscheine

In der Politik wird über eine Vermögensteuer diskutiert. (Symbolbild)

Ein faireres Steuersystem für Deutschland wird ebenfalls von Greenpeace-Finanzexperte Mauricio Vargas gefordert. Der Vorschlag der Umweltschutzorganisation für eine ökologische Abgabe auf große Vermögen könnte dem Staat nach seinen Angaben Einnahmen von wenigstens 25 Milliarden Euro pro Jahr sichern.

Vor dem Hintergrund angespannter öffentlicher Finanzen flammt die Diskussion über eine solche Abgabe regelmäßig auf. Politiker aus dem linken Spektrum heben dabei potenzielle Einnahmen in Milliardenhöhe hervor, während konservative Stimmen auf Gefahren wie geringere Investitionstätigkeit, die Abwanderung von Kapital und die Ausnutzung von Steuervorteilen aufmerksam machen.

Nicht nur die SPD, sondern auch Vertreter der Union, wie beispielsweise Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU), erachten eine stärkere Besteuerung von Reichen als notwendig. Im Unterschied zu CDU-Parteichef Friedrich Merz befürwortete Wegner die Wiedereinführung einer Vermögensabgabe. Diese Steuer wird in der Bundesrepublik seit dem Jahr 1997 nicht mehr eingezogen.

Globaler Vergleich: Deutschland bei Finanzvermögen auf Rang vier

Der Zuwachs bei den Finanzvermögen durch boomende Aktienmärkte ist ein globales Ereignis. Laut der BCG-Analyse stiegen die weltweiten Nettovermögen im Jahr 2023 um mehr als 9 Prozent und erreichten damit einen Höchststand von 550 Billionen Dollar. Finanzielle Vermögenswerte verzeichneten dabei einen besonderen Anstieg von beinahe 11 Prozent, was der höchste Zuwachs seit dem Jahr 2021 war.

Mehr Superreiche

Die Superreiche halten einen großen Anteil am Finanzvermögen. (Archivbild)

In Deutschland erhöhte sich das Nettovermögen 2023 um circa 15 Prozent und erreichte 23,3 Billionen Dollar, wobei der Wert der Finanzanlagen um beinahe 18 Prozent auf 12,4 Billionen Dollar stieg. Papiere wie Aktien und Fonds verzeichneten einen Wertzuwachs von fast einem Viertel. Im internationalen Ranking der Finanzvermögen belegt Deutschland den vierten Platz hinter den USA, China und Japan. Materielle Werte, insbesondere Immobilien, nahmen auf 13,4 Billionen Dollar zu und stellen somit über die Hälfte des Gesamtvermögens dar, während die Verbindlichkeiten geringfügig auf 2,5 Billionen Dollar anwuchsen.

Zurückhaltung bei Aktien bremst Wohlstandswachstum

„Die Deutschen bleiben vorsichtige Anleger. Einlagen und Bargeld dominieren weiterhin die Vermögensstruktur privater Haushalte“, äußerte BCG-Partner Kahlich. Faktoren wie die konjunkturelle Schwäche, der demografische Wandel und eine unterentwickelte Aktienkultur bremsen laut der Analyse die Vermögensbildung. Aus diesem Grund wird für den Wohlstand in Deutschland ein langsameres Wachstum als im weltweiten Durchschnitt erwartet.

„Gleichzeitig sehen wir, dass ETFs, Aktien und kapitalmarktorientierte Anlagen stetig an Bedeutung gewinnen“, so Kahlich. Diese Umschichtung von Immobilienbesitz und Bankguthaben in Richtung Wertpapiere komme jedoch hauptsächlich den einkommensstärksten Gruppen zugute. Dies verstärke die Vermögenskonzentration bei den bereits Reichen. (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.