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Kölner VersichererBarmenia-Gothaer verdreifacht Gewinn

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Porträt der Co-Vorstandsvorsitzenden der Barmenia-Gothaer Andreas Eurich und Oliver Schoeller.

Die Co-Vorstandsvorsitzenden der Barmenia-Gothaer Andreas Eurich und Oliver Schoeller

Das erste Jahr nach dem Zusammenschluss beschließt die Barmenia-Gothaer mit einem satten Gewinnsprung und Wachstum über dem Markt.

Die Barmenia-Gothaer habe „bärenstarke Ergebnisse“ vorzuweisen, hebt Co-Vorstandschef Oliver Schoeller bei der Präsentation der Jahreszahlen an. Bemerkenswert ist das nicht nur, weil die Kölner Versicherung, die Teile ihres Geschäfts mit Industrie und Gewerbekunden macht, im abgelaufenen Geschäftsjahr gewiss keinen konjunkturellen Rückenwind verspürte. Das Unternehmen hatte zudem den Zusammenschluss der vor 18 Monaten noch unabhängigen Wuppertaler Barmenia mit der traditionell in Köln ansässigen Gothaer Versicherung zu verdauen. Die beiden Unternehmen zusammen zu bringen sei Herausforderung, aber auch eine „riesen Chance“, führte Andreas Eurich, neben Schoeller ebenfalls Vorstandschef der Barmenia-Gothaer, aus. So träfen häufig unterschiedliche technische Lösungen aufeinander, was dem vereinten Unternehmen die Chance gebe, die jeweils bessere auszuwählen und im Gesamtkonzern zu etablieren.

Schaden- und Unfallversicherung profitiert von einem moderaten Schadenjahr

Im Ergebnis wachsen alle drei Geschäftsfelder der Gruppe. In Summe kletterte das Beitragsvolumen um 7,8 Prozent und damit erneut stärker als bei der Konkurrenz (6,6 Prozent). Der Konzernjahresüberschuss verdreifachte sich gar von 63 Millionen Euro im Jahr 2024 auf 181 Millionen im vergangenen Jahr. Die Schaden- und Unfallversicherung profitierte dabei von einem moderaten Schadenjahr, die Krankenversicherung verspürte dagegen Gegenwind durch die weiter gestiegenen Kosten für Gesundheitsleistungen. Die Sparte konnte das aber mit dem stärksten Nettokundengewinn seit 20 Jahren mehr als ausgleichen. 

Bei der Kapitalanlage hält die Barmenia-Gothaer an ihrem konservativen Kurs fest. Der überwiegende Teil der insgesamt rund 46,4 Milliarden Euro verwalteten Kapitals steckt in festverzinslichen Staats- und Unternehmensanleihen mit sehr hoher Bonität. Das ohnehin geringe Engagement in Aktien hat das Unternehmen weiter reduziert.

Viele der Ziele für 2028 bereits erreicht

Unter anderem auf Basis des gestiegenen Eigenkapitals geht die Barmenia-Gothaer für 2026 von einer Anhebung des S&P-Ratings aus. Das dürfte von A auf A+ steigen und die Solidität der Versicherung widerspiegeln. Damit hat die Gruppe viele ihrer für 2028 angepeilten Ziele bei den wichtigsten Finanzkennzahlen bereits erreicht. Spätestens 2028 soll dann auch die Marke von 10 Milliarden Euro an Bruttobeitragseinnahmen überschritten werden.

Hoffnung für die Zukunft machen dem Management unterschiedliche Reformen im Sozialsystem. Oliver Schoeller sprach davon, dass die neue staatlich geförderte Altersvorsorge „eine Sogkraft“ entwickeln werde. Auch die Ergebnisse der Rentenkommission seien eine „riesen Chance“, um mit privaten Lösungen aufzufangen, was die gesetzliche Rente in Zukunft vermutlich nicht mehr leisten könne. Dasselbe gelte für das Gesundheitssystem. „Wo die Absicherungskraft der staatlichen Systeme nachlässt, entsteht Raum für private Lösungen“, so Schoeller.

Künstliche Intelligenz komme zwar schon in zahlreichen Anwendungen im Unternehmen zum Einsatz, etwa bei Schadensmeldungen, in der Risikoprüfung bei der Lebensversicherung oder beim Telefoniesystem. Die einzelnen Lösungen hätten aber noch keinen „transformativen Charakter“, so Schoeller. Den erwartet er in den kommenden zwölf bis 24 Monaten. Dann werde zunehmend von generativer auf agentische KI umgestellt, also auf KI-Systeme, die miteinander interagieren.