Künstliche Intelligenz verändert digitale Spielwelten – doch stößt selbst in der technikaffinen Branche auf Skeptiker. Warum ein Kölner Studio es ohne schaffen will
KI im Gaming„Leute kaufen unsere Spiele, weil sie die menschliche Note suchen“

Bei der Gamescom erfreuten sich zwar auch Retrospiele großer Beliebtheit. Die Zukunft könnte aber von KI-gestützten Produktionen geprägt sein.
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Gaming und KI, das ist auf den ersten Blick ein perfektes Match. Während andere Branchen maschinelles Lernen erst vor Kurzem für sich entdeckt haben, setzen Spieleentwickler schon seit Jahren auf Künstliche Intelligenz – doch nicht alle. Denn die Skepsis, selbst unter technikaffinen Produzenten, ist groß. So groß, dass ein Kölner Unternehmen KI sogar weitestgehend aus seinem Studio verbannt hat.
Auch die Konsumenten sind zwiegespalten: Die einen erfreuen sich an einem attraktiveren Spielerlebnis, die anderen reagieren sensibel auf KI-generierte Inhalte. Dabei geht es auch um die Anerkennung von Kunst und Kreativität. Ein Überblick:
KI-Produktionen sind wichtigste Entwicklung der nächsten Jahre
Dass KI Teil der Gaming-Welt ist, dürfte wenig überraschen. Besonders im Entwicklungsprozess kommen die Tools zum Einsatz, machen die Produktion effizienter, verringern Entwicklungszeiten und schaffen Kapazitäten für neue Projekte, fasst Felix Falk vom Game-Verband zusammen. Etwa lassen sich Prototypen einfacher bauen. „Für die klein- und mittelständisch geprägte deutsche Branche birgt das daher eine echte Chance, ihre Produktivität und damit Wettbewerbsfähigkeit zu steigern.“ Eine Umfrage unter 100 Teilnehmenden der Entwicklerkonferenz der am Sonntag zu Ende gegangenen Videospielmesse Gamescom zeigt: 47 Prozent halten KI-gestützte Spieleproduktion für die wichtigste Branchenentwicklung der nächsten drei Jahre.
Der Trend hat auch eine Kehrseite. Unter Beschäftigten und Selbstständigen sorge der zunehmende Einzug von Künstlicher Intelligenz für „ein ungutes Gefühl“, sagt Petra Fröhlich vom Branchenmagazin „Gameswirtschaft“. „Grafikdesigner, Übersetzer und Marketing-Fachleute fragen sich, ob sie in einem Jahr überhaupt noch gebraucht werden oder ob die KI ihren Job übernommen hat.“
Kölner Entwickler-Studio mit Skepsis: „Verstehen uns als Künstler“
Ob der Einsatz von KI sinnvoll ist oder nicht, ist längst mehr als eine wirtschaftliche Entscheidung. Die Debatte ist auch von einer gewissen Ideologie geprägt, wie die Schilderungen des Kölner Spieleentwicklers David-Zapfe Wildemann zeigen. „Wir begreifen uns als Kunsthandwerker, als Künstler. Leute kaufen unsere Spiele, weil sie die menschliche Note suchen“, sagt er.
Zapfe-Wildemann ist Co-Gründer des Indie-Studios Neoludic, das 2025 mit dem Spiel „Tiny Bookshop“ einen Überraschungserfolg feierte. Unter anderem wurde es im Erscheinungsjahr mit dem Entwicklerpreis als bestes deutsches Spiel und für die beste Grafik ausgezeichnet. Die Basis des Erfolgs waren in Handarbeit erschaffene Skizzen. Doch selbst beim Programmieren macht er keine Ausnahme.

David Zapfe-Wildemann ist Co-Gründer des Kölner Indie-Studios Neoludic. KI begegnet er mit Skepsis: „Wir haben nicht umsonst Menschen angestellt und keine Computer“
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„Wir haben bei uns die Regel aufgestellt, dass man KI nur als Suchmaschine nutzen darf“ – also zum Googeln. „Aber wir erlauben zum Beispiel nicht, dass Mitarbeitende sich Codes schreiben lassen und sie einfach übernehmen. Wir haben nicht umsonst Menschen angestellt und keine Computer.“
Finanziell dürfte Neoludic in einer komfortablen Position sein. „Tiny Bookshop“ brachte den Mülheimern Millionen ein, da fällt die Argumentation gegen Maschinen und für teureres Personal vermutlich leichter. Zapfe-Wildemann ist jedoch der Meinung, die Sprachmodelle können ohnehin keine Fachkraft ersetzen. Spielewelten – also digitale Kunstwerke – zu erschaffen, sei dafür viel zu komplex.
Außerdem dürfen die Präferenzen der Konsumenten nicht außer Acht gelassen werden. Einer Umfrage des amerikanischen Marktforschungsunternehmens Quantiv Foundry zufolge ist die Einstellung gegenüber Künstlicher Intelligenz unter 1799 befragten Gamern „sehr negativ“. 85 Prozent haben demnach eine unter dem neutralen Wert liegende Einstellung gegenüber dem Einsatz generativer KI in Videospielen – Jüngere sind dabei deutlich kritischer eingestellt als Spieler ab 45 Jahren.
Ältere Spieler stehen KI positiver gegenüber als jüngere
Vorbehalte haben Gamer demnach vor allem dann, wenn Maschinen künstlerische Aufgaben übernehmen, etwa bei der Erstellung von Storys, Grafiken und Musik. Andere Bereiche kommen besser dabei weg, zum Beispiel, wenn der Schwierigkeitsgrad dynamisch angepasst wird oder KI-generierte Gegner oder Mitspieler zum Einsatz kommen.
Eine KI, die das eigene Spielverhalten auswertet, mache ein Game unberechenbarer und spannender: „Der Gaming-Anreiz steigt dadurch, und die Gamer bleiben länger bei der Stange“, sagt Expertin Fröhlich von der „Gameswirtschaft“. Für Single-Player-Games bewertet sie es zudem positiv, dass die KI das Niveau des menschlichen Spielers erkenne und das Niveau des Gegners daran annähere. Dadurch würden Langeweile – wenn der menschliche Spieler zu gut ist – oder Frustration – wenn er zu schlecht ist – vermieden.
Künstliche Intelligenz sei auch in Rollenspielen und Sportgames interessant. „Wenn ein Fantasy-Actionspiel 100 Spielfiguren braucht, so wurde bislang gewartet, bis sich 100 Menschen online angemeldet haben.“ Nun könne es schon mit weniger Spielern losgehen, da die anderen Figuren von der KI übernommen werden, ohne dass menschliche Spieler das merkten. Dadurch verkürze sich die Wartezeit bis zum Spielstart. Es hat also sein Für und Wider. Der Einsatz von KI in der Gaming-Branche scheint eine Gratwanderung zu sein. (mit dpa)