Bei der Volksbank Köln-Bonn hatte die Vergabe eines Kredits für das Kölner Bordell Pascha für Wirbel gesorgt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt weiter.
Millionenkredit für PaschaVorstand Neutgens verlässt Volksbank Köln-Bonn

Das Großbordell Pascha in der Hornstraße in Köln.
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Nach der Vergabe eines Kredits an das Kölner Groß-Bordell Pascha hat die Volksbank Köln-Bonn eine wichtige Personalentscheidung getroffen. Eine knapp gehaltene Pressemitteilung der Volksbank Köln-Bonn leitet die nächste Runde in der Angelegenheit ein, die das gesamte genossenschaftliche Lager aufmerksam und sorgenvoll verfolgt.
In der Mitteilung heißt es: „Der Aufsichtsrat der Volksbank Köln-Bonn und Jürgen Neutgens haben sich im gegenseitigen Einvernehmen auf eine Beendigung seiner Tätigkeit als Vorstandsmitglied der Volksbank Köln-Bonn verständigt“. Gegen das Vorstandsmitglied des Geldhauses wurden im Sommer 2026 im Rahmen der sogenannten „Pascha“-Affäre schwerwiegende Vorwürfe im Zusammenhang mit der Vergabe eines Millionen-Kredits laut.
Die Vorwürfe im Einzelnen: Verdacht der persönlichen Vorteilsnahme. Im Kern stand die öffentlich erhobene Frage, ob Neutgens im Rahmen des Kreditgeschäfts rund um die Kölner Großbordell-Immobilie „Pascha“ möglicherweise persönlich profitiert oder Zahlungen entgegengenommen hatte.
Staatsanwaltschaft ermittelt weiter
Der zweite Vorwurfe: Beeinflussung durch Dritte. Es gibt den Verdacht, er habe sich bei seinen dienstlichen Entscheidungen von Personen außerhalb der Bank unzulässig beeinflussen lassen. Und drittens: Der Verdacht auf Unregelmäßigkeiten bei der Kreditvergabe.
Neutgens wurde vorgeworfen, eine umstrittene Finanzierung für den Kauf des Bordells Pascha an der Kölner Hornstraße (Kaufpreis insgesamt elf Millionen Euro) arrangiert haben. Im Frühjahr 2021 gewährte die Bank eine Zwischenfinanzierung über fünf Millionen Euro für einen chinesischen Investor zum Kauf der Bordellimmobilie „Pascha“. Die Kreditanfrage lief über den Frechener Rechtsanwalt Claus B., der als Hauptbeschuldigter in der „NRW-Luxus-Schleuseraffäre“ gilt. Die Vergabe führte bankintern zu massiven Verwerfungen im Vorstand und Aufsichtsrat.
Neutgens wurde weiterhin vorgeworfen, die urlaubsbedingte Abwesenheit des damaligen Marktfolgevorstand (verantworlich für Kreditrisiken) der Bank im Jahr 2021 mutmaßlich ausgenutzt wurde, um die Kreditentscheidung für die Bordellimmobilie ohne dessen finale Einbindung durchzuwinken. Der Marktfolgevorstand verließ die Bank im Jahr 2022 – laut offiziellen Angaben wegen einer „Personalstrukturanpassung“.
Neutgens weist Anschuldigungen zurück
Neutgens wiederum wies sämtliche Anschuldigungen und den Verdacht der Bestechlichkeit über seinen Anwalt stets zurück und sprach von falschen Behauptungen. Um die Vorwürfe lückenlos aufzuklären, wurde er im Juli 2026 beurlaubt und vom Aufsichtsrat der Genossenschaftsbank eine unabhängigte Anwaltskanzlei mit einer Sonderprüfung beauftragt.
Diese anwaltliche Untersuchung scheint nun abgeschlossen. Entsprechend teilt die Volksbank diese Woche mit: „Die Untersuchung durch eine unabhängige Kanzlei hat keine Hinweise auf finanzielle Unregelmäßigkeiten oder pflichtwidriges Handeln in den untersuchten Kreditvorgängen und Geschäftsbeziehungen ergeben“.
Was zunächst wie ein Entlastung Neutgens im Vorstandsamt aussieht, bedeutet dennoch das Ende seiner Karriere bei der Köln-Bonner Bank. Trotz des negativen Ergebisses der Sonderprüfung teilt das Institut nun wörtlich mit: „Allerdings haben die vergangenen Wochen alle Beteiligten erheblich belastet. Vor diesem Hintergrund sind die Parteien zu der gemeinsamen Einschätzung gelangt, dass eine vertrauensvolle und unvoreingenommene Zusammenarbeit für die Zukunft nicht mit der erforderlichen Grundlage fortgeführt werden kann“.
Sonderprüfung durch Kanzlei
Über die weiteren Inhalte der Vereinbarung hätten beide Seiten Vertraulichkeit vereinbart. Weiter heißt es von der Bank: „Wir danken Jürgen Neutgens für seine Arbeit und seinen Einsatz für die Volksbank Köln Bonn und wünschen ihm für seinen weiteren Weg alles Gute“. Auf Anfrage unserer Redaktion wollte die Pressestelle der Volksbank keine über die Mitteilung hinausgehenden Auskünfte geben.
Ende August hatte die Staatsanwaltschaft Düsseldorf ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr eingeleitet, unter anderem gegen das Vorstandsmitglied der Volksbank Köln-Bonn, aber auch gegen zwei weitere ehemalige Mitarbeiter des Instituts. Nach Informationen unserer Redaktion dauern diese Ermittlungen noch an und sind unabhängig von der Sonderprüfung, die durch die Bonner Kanzlei Flick Gocke Schaumburg durchgeführt wurde.
Auf die Bankgeschäfte soll der Abgang von Jürgen Neutgens aktuell keinen Einfluss haben. „Der Vorstand der Volksbank Köln Bonn bleibt vollständig handlungsfähig und setzt seine Arbeit im Interesse der Mitglieder und Kundinnen und Kunden fort“, heißt es von dem Kölner Kreditinstitut.
Neutgens war 2009 zur damaligen „Kölner Bank“ gekommen, dem Vorläufer der heutigen Volksbank Köln-Bonn, gelernt hatte er zuvorbei der damaligen Dresdner Bank. 2003 ging er zur Fortis-Bank, bei der er das Mittelständische-Firmenkunden-Geschäft übernahm. Die Bank gehört heute zu großen Teilen zur französischen Großbank BNP Paribas.
Bei der Kölner Bank war Neutgens dann fünf Jahre lang Bereichsleiter für das Kreditgeschäft und anschließend ab 2015 für den gehobenen Vertrieb Firmenkunden und das Private-Banking-Geschäft zuständig. Im Folgenden hat er nach eigenen früheren Angaben 2017 die Fusion von Kölner Bank und Volksbank Bonn Rhein-Sieg geleitet. Seit 2018 war Neutgens Mitglied des Vorstandes der Volksbank Köln-Bonn eG.