Bonn – Wenn es nach den Kapitalmärkten geht, haben die vier Mobilfunkanbieter, die für insgesamt fast 6,6 Milliarden Euro 5G-Frequenzen ersteigert haben, alles richtig gemacht. An der Börse schossen die Aktien von der Deutschen Telekom, Vodafone, Telefonica Deutschland und United Internet zwischenzeitlich nach oben. Es profitierten besonders die beiden Aktien des Neueinsteigers unter den Netzbetreibern, der 1&1 Drillisch AG und ihrer Mutter United Internet.
Die Deutsche Telekom und Vodafone wollen bereits in diesem Jahr mit ihren 5G-Netzen in Deutschland starten. „Wir werden in Kürze den Startknopf drücken und 5G in Deutschland real werden lassen“, sagt Telekom-Deutschland-Chef Dirk Wössner.
Informationen über den Starttermin in einzelnen Städten gibt es noch nicht. Das Bonner Unternehmen hat europaweit bereits 150 5G-Antennen in Betrieb. Testgebiete sind in Berlin, Darmstadt und am Hamburger Hafen. In Deutschland sind laut Wössner schon mehr als 80 Prozent der bestehenden Telekom-Antennen auf 5G vorbereitet. „Wir wollen bis Ende 2021 bis zu 20 Millionen Menschen in Deutschland mit 5G erreichen“, so Hannes Ametsreiter, Chef von Vodafone Deutschland. Zusätzlich versorge Vodafone zahlreiche Industriestandorte mit dem neuen Echtzeitnetz. In Deutschland rechnen Experten, dass auch in diesem Jahr die ersten 5G-Smartphones verkauft werden. Aufgrund seiner physikalischen Ausbreitungseigenschaften werde das erworbene Spektrum in einem ersten Schritt insbesondere Ballungsräume und Industriestandorte mit 5G versorgen, heißt es eher zurückhaltend bei Telefonica. Als Neuling muss 1&1-Drillisch nicht so strenge Versorgungsauflagen erfüllen wie die Konkurrenten.
Bis Ende 2022 sollen die anderen Anbieter laut Bundesnetzagentur mindestens 98 Prozent der Haushalte in allen Bundesländern mit mobilem Internet mit wenigstens 100 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) ausstatten.
Auch alle Autobahnen sollen über mindestens 100 Mbit/s verfügen, die Verzögerung beim Zugriff darf höchstens zehn Millisekunden betragen. Die gleiche Datengeschwindigkeit soll an Bahngleisen mit mehr als 2000 Fahrgästen pro Tag gewährleistet sein. Die neue Mobilfunkgeneration soll mobiles Internet insgesamt deutlich verbessern.
Angst um Jobs
Nachdem es United Internet geschafft hat Frequenzen zum Betrieb eines vierten Mobilfunknetzes in Deutschland zu erringen, befürchten die Arbeitnehmervertreter der bisherigen drei Netzbetreiber bei ihren Unternehmen massiven Jobabbau. Dies erklären gegenüber unserer Redaktion Josef Bednarski, Betriebsratschef der Telekom, Dirk Wilharm, Betriebsratschef von Vodafone, sowie Jan-Erik Walter, erster Belegschaftsvertreter von Telefonica Deutschland. „Der Zuschlag für United Internet bei der 5G-Auktion zeigt, dass es nun ernst wird“, sagt Wilharm. (ryk)

