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„No-Deal-Szenario“ vermeidenNRW-Wirtschaft ist in Sorge vor dem Brexit

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Brexit Symbolbild

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Köln – Deal oder No-Deal? Die Frage nach einem geordneten Brexit mit einer Regelung für den Zoll- und Handelsverkehr, die auch beim heutigen EU-Gipfel in Brüssel auf der Tagesordnung stehen wird, bewegt die Wirtschaft in Nordrhein-Westfalen.

Deutschland ist nach Zahlen der britischen Finanz- und Zollbehörde HMRC mit einem Handelsumsatz von umgerechnet 28,76 Milliarden Euro wichtigster Handelspartner des Vereinigten Königreichs. Ein Großteil davon fließt von und nach Nordrhein-Westfalen, zu dem das Vereinigte Königreich historisch, kulturell und wirtschaftlich besonders enge Verbindungen pflegt. Bahnt sich nun das „Ende einer Erfolgsgeschichte“ an? Das fragte die FDP-nahe Friedrich-Naumann-Stiftung Wirtschaftsexperten des Landes sowie den Britischen Generalkonsul für Nordrhein-Westfalen, Hessen, Saarland und Rheinland-Pfalz, Rafe Courage, bei einer Podiumsdiskussion in Köln.

„No-Deal-Szenario“ als schlechteste Lösung

Jürgen Matthes, Leiter Kompetenzfeld Internationale Wirtschaftsordnung und Konjunktur vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln, Andreas Schäer, Leiter Außenwirtschaftsberatung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Köln, und Hans Stein von der NRW-Landesvertretung in der EU, sowie der Generalkonsul zeigten sich einig: Das „No-Deal-Szenario“ sei für alle beteiligten kurz-, mittel- und langfristig die schlechteste Option und müsse vermieden werden. „Unser Handelsvolumen mit Nordrhein-Westfalen beträgt über 22 Milliarden Euro im Jahr – mehr als mit jedem anderen Bundesland in Deutschland und auch mehr als zum Beispiel mit ganz Indien“, skizziert der Generalkonsul und warb für eine vertrauensvolle Basis für die zukünftige wirtschaftliche und politische Zusammenarbeit zwischen EU und Vereinigtem Königreich: „Lassen Sie uns das nicht vergessen, wenn wir jetzt in die entscheidende Phase der Brexit-Verhandlungen gehen.

So schwierig die Verhandlungen jetzt auch sind: Uns verbindet viel mehr, als uns trennt.“ Allein die Brexit-Debatte seit dem Referendum im Jahr 2016 habe Spuren in der NRW-Wirtschaft hinterlassen, so Jürgen Matthes vom Institut der Wirtschaft mit Blick in Wirtschaftsstatistiken beiderseits des Ärmelkanals: Die Wirtschaftsdynamik im Vereinigten Königreich blieb etwa einen halben Prozentpunkt hinter den Erwartungen zurück. Zusammen mit dem schwachen Pfund münde dies in Investitionsschwäche und damit in weniger Nachfrage im Exportland NRW: „Für die NRW-Wirtschaft ist das Vereinigte Königreich derzeit der viertwichtigste Handelspartner und macht etwa sechs bis sieben Prozent unserer Exporte aus. Das ist nicht riesig, aber wir spüren es doch.“ Für die Industrie und den Mittelstand sei der harte Brexit ohne Deal „ein Horrorszenario“, das zudem zu Handelsumlenkungen innerhalb Europas führen werde, zeigte sich der Volkswirt überzeugt.

Dass dies bereits in Vorbereitung sei, bestätigte IHK-Außenwirtschaftsexperte Andreas Schäfer: Die Industrie, die mit komplexen Lieferketten die Vorteile des EU-Binnenmarktes optimiert habe, suche nun Alternativen mit mehr Planungssicherheit. Während der Mittelstand Erfahrung mit Exporten in Drittstaaten habe, sorge sich die IHK um kleine Unternehmen, die mit dem Außenhandel bislang keine Erfahrung hätten. Entsprechende Checklisten für Unternehmen seien bereits in Vorbereitungen, erklärte Hans Stein , und zwar für alle denkbaren Szenarien: „Diese Woche ist für uns so etwas wie die Woche der Entscheidung.“