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Ölpreis trotzt der KriseWarum der Preis trotz des Nahost-Konflikts stabil bleibt

4 min
Raffinerie Heide

Relative Preisstabilität beim Öl - wenn auch auf hohem Niveau.

Trotz der Krise im Nahen Osten bleibt der Ölpreis überraschend stabil. Mehrere Faktoren dämpfen die Entwicklung.

Die Lage im Nahen Osten ist angespannt, doch der Ölpreis steigt nicht. Mehrere Faktoren dämpfen die Entwicklung. Was steckt dahinter?

Eine bemerkenswerte Stabilität prägt den Ölmarkt trotz der Zuspitzung der Lage im Nahen Osten. Die Notierung für ein Fass (159 Liter) der Nordseesorte Brent verharrt seit Ende Mai konstant unter der Marke von 100 US-Dollar. Weder die militärischen Aktionen zwischen dem Iran und den USA noch Berichte über eine mögliche Blockade der strategisch bedeutsamen Straße von Hormus konnten nennenswerte Preisanstiege auslösen.

Zu Kriegsbeginn Ende Februar hatte die De-facto-Blockade der Straße von Hormus den Preis für Brent-Rohöl noch massiv in die Höhe schnellen lassen, von rund 75 Dollar auf circa 120 Dollar pro Fass im März. Mittlerweile hat sich die Situation auf dem weltweiten Ölmarkt jedoch grundlegend gewandelt. Fachleute identifizieren mehrere preisdämpfende Entwicklungen.

Alternative Transportrouten über Pipelines

Wichtige Förderländer am Persischen Golf, darunter Saudi-Arabien, setzen verstärkt auf alternative Routen, seit die Straße von Hormus für Tanker praktisch unpassierbar ist. Ein größerer Anteil des geförderten Öls wird nun über Pipelines transportiert. So gelangt das Rohöl zu den Häfen am Roten Meer und im Golf von Oman.

„Saudi-Arabien bedient sich dabei der East-West-Pipeline zum Exporthafen Yanbu am Roten Meer“, erläutert der Rohstoffexperte Carsten Fritsch von der Commerzbank. Vor der Blockade der Straße von Hormus sei diese Leitung nur zu einem Drittel ausgelastet gewesen. Ebenso besitzen die Vereinigten Arabischen Emirate eine Pipeline, die zum Hafen Fujairah am Golf von Oman führt. Laut Fritschs Einschätzung können aktuell rund vier Millionen Barrel täglich über diese alternativen Wege umgeleitet werden. Dies steht im Kontrast zu den rund 20 Millionen Barrel Rohöl, die vor dem Iran-Konflikt täglich die Straße von Hormus passierten. Ungeachtet der Blockade nehmen Fachleute inzwischen an, dass mehr Schiffe die Meerenge durchqueren, als Tracking-Daten nahelegen. So verweist der Analyst Ferdinand Bost vom Bankhaus Metzler auf Berechnungen, denen zufolge bis zu 2,9 Millionen Barrel pro Tag die Passage nutzen könnten.

Ölreserven

Das Anzapfen der Ölreserven dämpft den Preisanstieg.

Geringere Nachfrage aus China

Als die globalen Ölpreise im März deutlich anzogen, begann China, einer der global führenden Importeure, vermehrt seine strategischen Reserven zu nutzen. Über Jahre hinweg hatte die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt diese Bestände gezielt angelegt. Fachleute der Dekabank nehmen an, dass die Volksrepublik ihren heimischen Bedarf momentan aus diesen Lagern decken kann. Aus diesem Grund ist das Land vorläufig nicht auf kostspielige Zukäufe am Weltmarkt angewiesen.

Steigende Exportmengen aus den USA

Die Lieferausfälle aus der Region am Persischen Golf verursachten insbesondere in Asien Versorgungsengpässe auf dem Ölmarkt. Dies hatte zur Folge, dass andere Förderländer ihre Ausfuhren in den letzten Monaten markant erhöhten. Insbesondere die Vereinigten Staaten steigerten ihre Exportvolumina. Jüngsten Daten zufolge exportierten die USA circa fünf Millionen Barrel Rohöl pro Tag, was im Vergleich zum Vorjahr einem Anstieg von beinahe 50 Prozent entspricht.

Dabei gewinnt das amerikanische Öl, das mehrheitlich durch die Fracking-Methode gefördert wird und als relativ kostspielig gilt, an globaler Attraktivität. In einer Analyse der Dekabank wird dies bestätigt: „Das aktuelle Preisniveau macht die USA als globalen Öl-Exporteur wirtschaftlich wettbewerbsfähig“.

Trend zu Elektrofahrzeugen verstärkt sich

Bei zahlreichen Konsumenten hat der kürzliche Anstieg der Ölpreise einen Sinneswandel bewirkt. Fachleute prognostizieren, dass die Auswirkungen des Iran-Konflikts den Trend zu Elektrofahrzeugen beschleunigen werden. Nach Einschätzung der Internationalen Energieagentur (IEA) hat die fortwährende Blockade der Straße von Hormus dem global wachsenden Absatz von E-Autos bereits einen weiteren Impuls gegeben. IEA-Direktor Fatih Birol äußerte sich dazu: „Mit Blick auf die Zukunft dürften die gesunkenen Batteriepreise und die möglichen politischen Reaktionen auf die aktuelle globale Energiekrise den Märkten für Elektrofahrzeuge weiteren Schwung verleihen“.

Straße von Hormus

Immer mal wieder passieren Tanker die Straße von Hormus.

Nutzung strategischer Ölreserven

Schon bei Ausbruch des Iran-Konflikts gestattete die Internationale Energieagentur, ein Interessenverband der Industriestaaten, ihren Mitgliedern die Freigabe einer Rekordmenge aus den strategischen Ölreserven. Ziel war es, die Auswirkungen der Krise im Nahen Osten abzumildern. Insbesondere die USA machten von dieser Möglichkeit in erheblichem Umfang Gebrauch. Der Commerzbank-Experte Fritsch schätzt, dass die amerikanischen Rohölbestände seit Ende März um 86 Millionen Barrel zurückgegangen sind. Ein Teil dieser freigegebenen Menge wurde demnach in andere Staaten exportiert.

Obwohl die Freisetzung der Reserven die Volkswirtschaften der Industriestaaten vor gravierenden Schäden schützen soll, hat der Iran-Konflikt bereits negative konjunkturelle Auswirkungen, auch für Deutschland. Für das laufende Jahr wird in zahlreichen Staaten ein erheblich geringeres Wirtschaftswachstum erwartet. Konsequenz dieser verlangsamten Entwicklung ist ein tendenziell sinkender Rohölverbrauch. Diese Aussicht dürfte den Ölpreis in den kommenden Monaten zusätzlich dämpfen. (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.