Bayer überrascht mit Zuwächsen im Verkauf von Saatgut. Für die US-Regulierung von Pflanzenschutzmitteln findet CEO Bill Anderson deutliche Worte.
QuartalszahlenAgrargeschäft beschert Bayer guten Start ins Jahr

Bayers Agrargeschäft stabilisiert den Konzern im ersten Quartal.
Copyright: Bayer AG
Bayer ist unerwartet stark ins Jahr 2026 gestartet. Als Stütze erwies sich dabei die zuletzt eher schwache Agrarsparte. Preissteigerungen und deutlich höhere Absatzmengen bei Saatgut konnten die Umsatzeinbußen durch Patentabläufe im Pharma-Bereich mehr als ausgleichen. Zusammen genommen meldete Bayer für das erste Quartal ein Gewinnwachstum vor Sondereinflüssen von 9,0 Prozent. Analysten hatten im Vorfeld mit einem leichten Rückgang gerechnet. Bayer dämpft zu hohe Erwartungen an das Geschäft allerdings. „Das ist nur eine Momentaufnahme“, erklärt Finanzvorstand Wolfgang Nickl bei der Präsentation der Zahlen. Bayer spricht insgesamt auch eher zurückgenommen von einer „solide Performance in allen Geschäften“.
Soja und Mais verkaufen sich gut
Das trifft insbesondere auf das aktuelle Zugpferd Agrar (Crop Science) zu. Hier zog der Verkauf von Sojabohnen und Mais an. Der bereinigte Gewinn stieg um stattliche 17,9 Prozent. Und das, obwohl der Verkauf von Pflanzenschutzmitteln weiter rückläufig war. Glyphosathaltige Produkte, lange ein Kernbestandteil der Sparte, erzielten beispielsweise 15,1 Prozent niedrigere Erlöse als im Vorjahreszeitraum.
Bayer will genau diesen Geschäftsbereich wieder beleben. „Die Landwirte brauchen neue und sichere Lösungen, um ihre Ernten zu schützen“, sagte Bayer-Chef Bill Anderson. Bayers Antwort auf diesen Bedarf heißt Plenexos. Das Insektizid kann nach Angaben des Unternehmens gezielt Schädlinge bekämpfen, ohne dabei die Bestäuber, also in erster Linie Bienen, zu schädigen. Das sei durch eine extrem geringe Dosierung möglich. Anderson sprach von 17 Gramm oder dem Gewicht zweier Zwei-Euro-Münzen, mit dem sich die Fläche eines Fußballfeldes behandeln ließe.
„Regulatorische Anarchie“
In Südamerika wird Bayers neues Pflanzenschutzmittel bereits eingesetzt. In den USA scheut sich das Unternehmen offenbar noch vor einer Zulassung. Bayer ist angesichts der andauernden Rechtsstreitigkeiten um Glyphosat ein gebranntes Kind. Anderson erneuerte in diesem Zusammenhang seine Kritik am US-Rechtssystem mit deutlichen Worten. Die Klageindustrie untergrabe die „Ergebnisse jahrelanger regulatorischer und wissenschaftlicher Überprüfungen“. Anderson sprach von „regulatorischer Anarchie“ und davon, dass der US-Kongress, es versäumt habe, dem Zustand im kürzlich erneuerten Farmgesetz einen Riegel vorzuschieben. „Der US-Kongress hat seinen Job nicht gemacht“, so Anderson wörtlich.

Bayer-CEO Bill Anderson kritisiert die US-Regulierung von Pflanzenschutzmitteln erneut scharf. Es herrsche „regulatorische Anarchie“, so Anderson.
Copyright: Getty Images via AFP
Der laufende Sammelvergleich in den USA hinterlässt bereits Spuren in der Bilanz. Für das erste Quartal meldet Bayer Mittelabflüsse von zwei Milliarden Euro. Über das Gesamtjahr sollen bis zu fünf Milliarden Euro für Rechtsstreitigkeiten aufgewandt werden. Ein Großteil davon soll an Krebserkrankte gezahlt werden, die einen Zusammenhang zwischen ihrer Erkrankung und der Anwendung von Glyphosat herstellen. Die Frist zur Annahme für den Vergleich endet am 4. Juni. Bayer behält sich aber vor, den Vergleich platzen zu lassen, falls zu viele Kläger aus dem Deal aussteigen.
Anderson: Kauf von Monsanto hat sich „finanziell nicht ausgezahlt“
Diese Entscheidung werde nicht unmittelbar nach dem Ende der Vergleichsfrist fallen, so Anderson. Bayer müsse zunächst prüfen, welche Kläger sich gegen den Sammelvergleich entschieden hätten. Das könne Wochen dauern. Damit könnte der Abschluss des Vergleichs mit dem für Ende Juni erwarteten Entscheid des US Supreme Courts zusammen fallen, der derzeit mit den Kennzeichnungspflichten von Bayer im Fall Glyphosat befasst ist. Unabhängig vom Ausgang des Verfahrens räumte Anderson ein, der Kauf von Monsanto, den Bayer vor ziemlich genau zehn Jahren angekündigt hatte, habe sich „finanziell nicht ausgezahlt“.
Die Pharmasparte litt indes weiter unter dem Patentablauf des Gerinnungshemmers Xarelto (40 Prozent weniger Umsatz als im Vorjahr) und des Augenmedikaments Eylea (Minus 21 Prozent). Dagegen stehen Zuwächse bei Nubeqa zur Behandlung von Prostatakrebs und dem Nierenmedikament Kerendia, die das Ergebnis aber nicht ganz ausgleichen konnten. Der operative Gewinn der Sparte ging im ersten Quartal um 7,5 Prozent zurück.
Rezeptfreie Medikamente behaupten sich
Dagegen behauptete sich die dritte und kleinste Bayer-Sparte, die für rezeptfreie Produkte, trotz einer schwachen Erkältungssaison gut. Gestützt durch ein Absatzplus bei Nahrungsergänzungsmitteln (12,5 Prozent) und Dermatologie-Produkten (9,6 Prozent) kletterte der Umsatz währungsbereinigt um 5,3 Prozent. Der Gewinn nahm wegen höherer Marketingaufwendungen aber auch hier um 1,5 Prozent ab.
In Summe bestätigt Bayer seinen Jahresausblick. Hier erwartet Bayer weiterhin einen Erlös auf dem Vorjahresniveau von 45,6 Milliarden Euro. Die Spanne von 44 bis 46 Milliarden Euro, die Bayer sich zu Jahresbeginn gesetzt hatte, hob das Unternehmen leicht auf 44,5 bis 46,5 Milliarden Euro an. Finanzchef Nickl betonte aber, die Anpassung basiere nicht auf veränderten Geschäftserwartungen, sondern auf schwankenden Wechselkursen im Zusammenhang mit der geopolitischen Lage. Die werde das Unternehmen „weiterhin im Blick behalten“, so Nickl.
Das Zahlenwerk kam an der Börse überwiegend gut an. Die Bayer-Papiere notierten im Handelsverlauf deutlich im Plus.
