Die Deutschen leben länger – und müssen daher auch länger arbeiten, so Bundesbank-Präsident Joachim Nagel.
Unpopuläre Forderung„Unausweichlich“ – Bundesbankchef will, dass Deutsche länger arbeiten

Um die Rente zu sichern, müssen die Deutschen länger arbeiten, meint Bundesbank-Präsident Joachim Nagel (Symbolbild).
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Das Rentensystem in Deutschland muss dringend reformiert werden – darüber sind sich Politiker aller Parteien eigentlich einig. Die Gesellschaft altert und gleichzeitig leben die Menschen länger. Aufgrund des demografischen Wandels müssen also immer weniger junge Personen für die Beiträge von immer mehr alten Menschen aufkommen. Wie eine Rentenreform aussehen soll, ist allerdings auch in der Schwarz-Roten Koalition stark umstritten. Eine Kommission soll Ende Juni ihre Vorschläge präsentieren.
Bundesbank-Präsident Joachim Nagel hat sich in der Debatte nun für eine längere Lebensarbeitszeit ausgesprochen. In einem Interview mit dem „Handelsblatt“ sagte Nagel, um ein höheres Renteneintrittsalter komme Deutschland nicht herum. Nach 2031 sollte das gesetzliche Rentenalter systematisch an die steigende Lebenserwartung gekoppelt werden. „Das halte ich für nahezu unausweichlich, wenn wir – zum Glück – immer länger leben“, so Nagel.
Der Ökonom begrüßte die Pläne von Bundeskanzler Friedrich Merz, eine kapitalgedeckte Altersvorsorge als Ergänzung zum bisherigen Umlageverfahren einzuführen. Nach den Plänen der CDU soll die gesetzliche Rente nur noch eine Basisabsicherung bilden, die private Vorsorge über den Aktienmarkt soll dazutreten.
Nagel begrüßte diesen Ansatz als „richtiges Signal“ und „wichtigen Schritt“. Allerdings reiche dies vor allem für die nächsten Jahre nicht aus, auch immer mehr Zuschüsse des Bundes lehnte der Bundesbankchef ab. Die Deutschen müssten daher mittelfristig länger arbeiten. Auch aus der Wirtschaft kommen regelmäßig entsprechende Forderungen.
SPD gegen eine längere Lebensarbeitszeit
Die SPD befürwortet ebenfalls eine Ergänzung der gesetzlichen Rente durch eine Aktienrente, erteilt aber der Verlängerung der Lebensarbeitszeit eine Absage. Das sei „mit uns nicht zu machen“, hatte SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf im vergangenen Jahr zu entsprechenden Forderungen von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche gesagt. Beschlossen worden war bereits eine schrittweise Anhebung des Renteneintrittsalters bis 2031 auf 67 Jahre.
Zuletzt war es beim Thema Rente zu erheblichen Konflikten auch innerhalb der Union gekommen. Junge Abgeordnete hatten Ende 2025 gegen das Rentenpaket der Koalition rebelliert. Sie kritisierten die geplante Stabilisierung des Rentenniveaus bei 48 Prozent über das Jahr 2031 hinaus. Kanzler Merz und auch Fraktionschef Jens Spahn hatten es nur mit Mühe geschafft, die notwendige Mehrheit im Bundestag zu organisieren, weil zahlreiche Unionsabgeordnete bis zuletzt Widerstand geleistet hatten.
Merz provoziert mit Aussage zu „Work-Life-Balance“
Die Themen Rente und Arbeitszeit sind heikel und haben in den vergangenen Monaten zu großer öffentlicher Empörung geführt. Merz hatte mit seiner Äußerung über die angebliche „Work-Life-Balance und Viertagewoche“ Widerstand auch bei der SPD hervorgerufen. Die Deutschen müssten mehr arbeiten, um ihren Wohlstand zu sichern, so der Kanzler. Arbeitsministerin Bärbel Bas hatte zum Tag der Arbeit am 1. Mai gegen eine „menschenverachtende“ und „zynische“ Politik der Union gewettert. Merz war dagegen beim DGB-Kongress am Dienstag (12. Mai) massiv ausgepfiffen worden.
Auch innerhalb der SPD ist nicht alles unumstritten: So wurde im Koalitionsvertrag die Abschaffung des 8-Stunden-Tages festgeschrieben. Er soll durch eine wöchentliche Höchstarbeitszeit ersetzt werden. Widerstand kommt aber von den Jusos: Philipp Türmer sagte jetzt dem Redaktionsnetzwerk Deutschland: „Den Acht-Stunden-Tag zu schleifen, ist kein Aufbruchssignal, das ist eine Frechheit.“