Was zeigt ein Pegelstand an? Warum wird so oft die rheinische Stadt Kaub genannt? Wird die Schifffahrt gestoppt? Was sagen Umweltschützer? Ein Überblick über wichtige Fakten zum Niedrigwasser.
Rhein und SchifffahrtWas zum Niedrigwasser wichtig ist

Kaub: Das Niedrigwasser legt weite Teile der Sandbank frei, die die Zollburg Pfalzgrafenstein umgibt
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Niedrigwasser am Rhein, sinkende Pegelstände, weniger Ladung für Schiffe: In diesen Tagen häufen sich Meldungen über die niedrigen Wasserstände. Doch was bedeuten die Zahlen eigentlich? Warum ist ausgerechnet der Pegel in Kaub so wichtig – und ab wann wird Niedrigwasser zum Problem für die Schifffahrt? Ein Überblick über die wichtigsten Fragen und Begriffe.
Wann spricht man von Niedrigwasser?
Wenn ein Fluss einen Wasserstand erreicht, der deutlich unter dem durchschnittlichen Wert liegt, spricht man von Niedrigwasser - bei einem längeren Zeitraum auch von einer Niedrigwasserphase. Wie die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) erklärt, sind schwankende Wasserstände im Jahresverlauf generell nicht ungewöhnlich – sie hängen von Regen, Temperaturen, Gletschern und Schneeschmelze ab.
Dem Umweltbundesamt zufolge sinkt der Wasserstand in Flüssen dann deutlich, wenn die Grundwasservorräte etwa durch eine Trockenperiode erschöpft sind und kaum noch Abfluss aus Seen eintritt. Das Amt betont jedoch auch, dass der Mensch dabei eine wichtige Rolle spielt: beispielsweise durch die Wasserentnahme, Wasserspeicher oder Talsperren.
Die Situation um das Niedrigwasser im Rhein spitzt sich Experten zufolge in diesem Jahr ungewöhnlich früh zu. Eigentlich seien Spätsommer und Herbst dafür typische Zeiten. An vielen Rheinpegeln haben die Wasserstände in den vergangenen Tagen historische Tiefstwerte erreicht.
Was sagt ein Pegelstand über die Wassertiefe?
Ein Pegel ist eine feste Messstelle am Fluss. Der Pegelwert gibt Aufschluss darüber, wie hoch das Wasser an einer bestimmten Stelle steht. Gemessen wird dabei von einem festgelegten Bezugspunkt, dem sogenannten Pegelnullpunkt. Der Pegelstand gibt deshalb nicht direkt an, wie tief der Fluss ist. Wenn also der Pegelstand im rheinland-pfälzischen Kaub bei 16 Zentimetern liegt, bedeutet das, dass der Wert 16 Zentimeter über dem festgelegten Nullpunkt liegt.
Für die Schifffahrt ist vor allem die Fahrrinnentiefe entscheidend. Die Fahrrinne ist der Bereich des Flusses, in dem im Normalfall bestimmte Breiten und Tiefen für den Schiffverkehr vorhanden sind. Je nach Abschnitt des Rheins gibt es Unterschiede. In Kaub ist die Fahrrinne bei einem Pegelstand von 16 Zentimetern rechnerisch 129 Zentimeter tief.
Warum ist der Rhein eine so wichtige Wasserstraße?
Der Rhein ist Europas wichtigste Wasserstraße. Er verbindet Industriegebiete in der Schweiz, Deutschland und anderen Ländern mit den großen Häfen an der Nordsee, darunter Rotterdam. Zwar wird in Deutschland weniger als jede zehnte Tonne Fracht über Flüsse transportiert. Für bestimmte Güter sind die Wasserwege aber besonders wichtig. Dazu gehören etwa Erz, Öl, Chemieprodukte und Kohle.
Hält das Niedrigwasser länger an, wird der Transport zunehmend schwieriger und teurer. Unternehmen müssen dann unter Umständen ihre Produktion drosseln. Je länger die Einschränkungen dauern, desto schwieriger wird es außerdem, ausgefallene Produktion später nachzuholen. Das geht aus einer aktuellen Studie der DZ Bank hervor.
Zudem gibt es verschiedene weitere Auswirkungen: Die niedrigen Wasserstände legen alte Munition frei und bremsen die Personenschifffahrt und Rheinfähren. Naturschützer sehen in den niedrigen Wasserständen ein Alarmsignal für ganze Flussökosysteme, etwa weil der Sauerstoffgehalt mit höheren Wassertemperaturen sinkt.

Ein Tankschiff liegt unweit des jachthafen in Zündorf im Rhein. Ein Mann in Badehose hat das Binnenschiff über eine Leiter verlassen und steht im Rhein. . Der Rhein führt extremes Niedrigwasser, immer neue Rekordwerte an den Pegeln beeinträchtigen auch die Schifffahrt.
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Was macht das Niedrigwasser mit den Benzinpreisen?
Inzwischen bekommen Autofahrer zu spüren, dass im Rhein zu wenig Wasser ist: Es macht den Sprit teurer. „Das derzeitige Niedrigwasser am Rhein wirkt preistreibend“, sagt der ADAC-Kraftstoffmarktexperte Christian Laberer. Es sei aber nur einer von mehreren Einflussfaktoren auf die aktuellen Spritpreise.
Hintergrund ist, dass der Rhein auch für Öl, Benzin und Diesel als Transportweg genutzt wird. In großen Tankschiffen ist dies in der Regel deutlich günstiger als mit vergleichsweise kleinen Lkw. Nach Angaben des Experten steigen durch das aktuelle Niedrigwasser „die Logistikkosten für den Transport von Kraftstoffen und einzelnen Vorprodukten teilweise deutlich an.“
Zudem werde der deutsche Markt nicht ausschließlich über den Rhein, sondern über ein „Netzwerk aus Seehäfen, Raffinerien, Pipelines sowie den Schienen- und Straßenverkehr“ versorgt, sagt Laberer. „Daher dürfte das Niedrigwasser derzeit vor allem regional zu höheren Kraftstoffpreisen beitragen.“
Wo ist der Sprit denn besonders teuer?
Die höheren Kosten machen sich auch in der regionalen Spritpreisverteilung bemerkbar, wir auf dem Spritpreisportal „Tankerkönig“ zu sehen ist. Die teuersten Bundesländer bei Benzin sind - zum Stand Dienstagmorgen - Nordrhein-Westfalen und Hessen vor Bremen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland.
Bei Diesel liegen NRW und Hessen auf Platz zwei. Und auch auf Landkreisebene fällt auf, dass sich - insbesondere bei Benzin - die teuren Gegenden in der westlichen Hälfte Deutschlands ballen, während es in Bayern - vor allem in seiner südlichen Hälfte - am günstigsten ist. Die Unterschiede betragen dabei einige Cent - bei Benzin sind es zwischen Bayern und NRW beziehungsweise Hessen rund sieben Cent, bei Diesel rund acht.
Warum liest man so viel vom Pegel in Kaub?
Kaub liegt im Mittelrheinabschnitt zwischen St. Goar und Budenheim bei Mainz. Dieser Flussabschnitt stellt dem Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB) zufolge ein Nadelöhr für die Rheinschifffahrt dar. Dort sei die Fahrrinne schlechter ausgebaut als stromaufwärts und stromabwärts. Schiffe können diesen Abschnitt jedoch nicht einfach überspringen oder umfahren – sie müssen sich nach den dortigen Gegebenheiten richten. So sehen auch die Industrie- und Handelskammern für Rheinhessen und Pfalz in Kaub einen Engpass, der die Transportkapazitäten auf dem Rhein begrenzt.
Zugleich wird das Niedrigwasser im Rhein auch an den Pegelständen in Kaub besonders deutlich. Vor der aktuellen Niedrigwasserphase lag der niedrigste gemessene Wert bei 25 Zentimeter am 22. Oktober 2018. Dieser Tiefstwert ist Geschichte: Nun sank der Wert bereits auf 16 Zentimeter. Der Prognose des WSV zufolge könnte der Wasserstand in den nächsten Tagen sogar erstmals einstellig werden.
Mit Blick auf die Prognose warnte der BDB, dass die gewerbliche Schifffahrt bei derart niedrigen Wasserständen in der Region keinen Gütertransport mehr durchführen könne. Gleiches gelte für die Tagesausflugs- und Kreuzfahrtschifffahrt.
Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Rhein sieht diesen Punkt für viele Schiffsklassen schon erreicht. Die meisten Schiffe können demnach bei den herrschenden Wasserständen den Mittelrhein schon nicht mehr befahren. Mit weiter fallenden Wasserständen werde über kurz oder lang der Schiffsverkehr entlang des Mittelrheins ganz zum Erliegen kommen.
Wann wird die Schifffahrt verboten?
Ein behördliches Fahrverbot gibt es bei Niedrigwasser nicht. Für die sichere Beladung und Fahrt ist der Schiffsführer verantwortlich, wie die WSV informiert. Wie stark ein Schiff beladen werden kann, hängt unter anderem vom aktuellen Wasserstand und der verfügbaren Fahrrinnentiefe ab.
Anders ist es bei Hochwasser: Wird die sogenannte Hochwassermarke II erreicht oder überschritten, wird die Schifffahrt auf dem jeweiligen Streckenabschnitt eingestellt.
Kann die Lockerung des Lkw-Fahrverbots helfen?
Die Lockerung des Lkw-Fahrverbots an Sonn- und Feiertagen in mehreren Bundesländern schafft nach Einschätzung des Logistikverbands BGL zwar mehr Flexibilität für wichtige Lieferungen, aber keine zusätzlichen Fahrerkapazitäten. Zudem seien rund 150 Lkw notwendig, um ein einziges Binnenschiff kapazitätsmäßig zu ersetzen.
Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und das Saarland hatten das Fahrverbot bereits ab dem vergangenen Wochenende vorübergehend gelockert. Baden-Württemberg und Bayern handeln wie Mecklenburg-Vorpommern zum kommenden Wochenende. Sachsen hingegen lehnt eine generelle Lockerung ab und verweist auf mögliche Ausnahmegenehmigungen.
Gibt es Maßnahmen, die die Folgen des Niedrigwassers vermindern?
Am Mittwoch will Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) mit seinen Amtskollegen in den Ländern über weitere Maßnahmen gegen die Folgen des Niedrigwassers beraten. Am Montag hatte er dazu gesagt: „Wir versuchen, so viel wie möglich umzusetzen, um jetzt für Entlastung zu sorgen.“ Man habe kurzfristig „doch einige Möglichkeiten, um hoffentlich gut über diese schwierigen Wochen im August zu kommen“, so der Minister weiter.
Was bringen Schiffe, die bei Niedrigwasser fahren können?
Schiffe für flaches Wasser – wie spezielle Leichter oder flachgehende Frachter – sichern die Versorgung auf Flüssen wie dem Rhein bei starkem Niedrigwasser. Sie können weiterfahren, wenn normale Schiffe stoppen müssen. Sie haben jedoch Nachteile bei der Zuladung und im normalen Betrieb. Sie haben auch bei voller Fahrt einen sehr geringen Tiefgang und können daher insgesamt weniger Fracht mitnehmen als tiefe Standardkiele. Wegen der geringen Lademenge steigen die Transportkosten je Tonne stark an.
Wie ist die Rhein-Prognose für die nächsten Tage?
Entwarnung in Sachen Niedrigwasser im Rhein ist leider nicht angesagt. Soweit die Prognose reicht, wird Deutschlands bedeutendster Strom zumindest in Köln weiter sinken. Der Kölner Pegel zeigte am Dienstag um 13 Uhr einen Stand von 56 Zentimeter, am Abend bereits 54. Am Mittwoch wird ein Absinken auf 51 Zentimeter erwartet. Laut dem Elwis-Modul dürfte der Kölner Pegel bis Samstag auf 47 Zentimeter fallen, das wäre der niedrigste Wasserstand in Köln seit Beginn der Aufzeichnung, weiterreichende Prognosen gibt es nicht. Elwis steht für Elektronischer Wasserstraßen-Informationsservice. Es ist ein kostenfreier Online-Dienst der deutschen Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes, der die jeweiligen Rhein-Wasserstände dokumentiert und Prognosen liefert.
Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie (en2x) erklärte: „Nach derzeitigen Prognosen sinken die Pegelstände in nächster Zeit weiter, wodurch sich die Wahrscheinlichkeit von vorübergehenden und regional beschränkten Versorgungsengpässen erhöht. Das gilt insbesondere, wenn es zusätzlich zu Verspätungen auf der Schiene, zu technischen Störungen oder anderen Einschränkungen in der Transportlogistik kommen sollte.“ (mit dpa)
