Berlin – Deutschland ist eines der wichtigsten Rohstoffländer der Welt. Das gilt allerdings nur bezüglich des Konsums. Auf jeden Bundesbürger kommen 44 Kilogramm – an jedem der 365 Tage des Jahres. 2015 wurden bundesweit 602 Millionen Tonnen Mineralien, 25 Millionen Tonnen Metallerze, 403 Millionen Tonnen fossiler Energieträger und 272 Millionen Tonnen Biomasse verbraucht. Es sind beeindruckende Zahlen, die das Umweltbundesamt in seinem ersten Ressourcenbericht für Deutschland präsentiert.
Und es sind erschreckende. Denn vier Fünftel dieses enormen Volumens wachsen nicht nach, und zwei Drittel der in Deutschland verwendeten Rohstoffmenge wird importiert. Es geht dabei nicht nur um Erdöl und Gas, sondern auch um Seltene Erden und Mineralien, um Mangan-, Eisen- und andere Metallerze, um Ton, Gneis und Quarzsand, aber auch um Kakao und Haselnüsse. Beliebte Brotaufstriche beispielsweise enthalten Zucker aus Brasilien, Palmöl aus Indonesien und Haselnüsse aus der Türkei. Nur das Milchpulver stammt aus hiesigen Ställen.
Rohstoffimport schadet der Umwelt
Das klingt an sich harmlos, ist es aber nicht. Denn der Rohstoffimport in die Bundesrepublik bedeutet zugleich einen Export von Luftverschmutzung, Trinkwasserbelastung und anderen Umweltschäden, die in den zumeist armen Lieferländern der Südhalbkugel entstehen. Zudem werden beim Transport Millionen Tonnen Klimagase freigesetzt, und gigantische Transportschiffe schädigen mit Schweröl-Emissionen die Ozeane. Umwelt- und Klimaschutz hängen daher wesentlich vom schonenden Umgang mit Rohstoffen ab. Davon verbraucht Deutschland, so ein Zwischenfazit des Berichts, viel zu viel.

Luxemburg, Katar und Australien haben den größten ökologischen Fußabdruck.
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Umsteuern tut also Not. Allein auf die Vernunft der Verbraucher oder freiwillige Selbstverpflichtungen der Wirtschaft sollte man dabei nach Ansicht von UBA-Präsidentin Maria Krautzberger nicht setzen. Es bedürfe klarer Einsparziele und zu deren Umsetzung ordnungsrechtlicher Maßnahmen und vor allem ökonomischer Anreize. Als verbindliche Vorgabe nennt Krautzberger eine gegenüber 2010 um mindestens 40 Prozent, besser um 60 Prozent steigende Effizienz beim Rohstoffeinsatz bis 2030. Soll heißen: Gemessen am BIP sollten in 15 Jahren nur noch etwa halb so viele Rohstoffe in Deutschland zum Einsatz kommen wie heute.
Ermäßigter Mehrwehrtsteuersatz auf recycelte Materialien
Jedenfalls, soweit es sich um Primärrohstoffe handelt. Recycelte Materialien wären davon auszunehmen. Als Beipiel nennt Krautzberger Recycling-Beton aus Bauschutt, für den rund 45 Prozent weniger Kies benötigt wird. Daraus ergäbe sich ein enormes Einsparpotenzial: Allein die in Deutschland geförderte Jahresmenge an Sänden, Kiesen und Gneisen liegt im mittleren dreistelligen Millionen-Tonnen-Bereich. Allerdings, das hat Krautzberger am Beispiel des UBA erfahren, ist viel Überzeugungsarbeit nötig: Der Beschluss, den Erweiterungsbau für das Umweltbundesamt in Dessau mit Recycling-Beton ausführen zu lassen, stieß bei den Baufirmen zunächst auf Widerstand. Man bezweifelte die Härte und Haltbarkeit des Materials. Einige Belastungstests später ist die Skepsis gewichen.
Bleibt der Kostenfaktor: Noch ist der Baustoff aus Wiederverwertung teurer als herkömmlicher Beton. Das UBA schlägt daher einen auf sieben Prozent ermäßigten Mehrwertsteuersatz für recycelte Materialien vor, und das nicht nur im Bausektor, sondern generell. Also auch etwa für Kunststoffe und Metalle, in der Herstellung von Autos, Küchengeräten, Waschmaschinen, Fernsehern, Handys oder Möbeln. Ebenfalls mit ermäßigtem Mehrwertsteuersatz könnten bestimmte Reparaturarbeiten belohnt werden.

Der ökologische Fußabdruck berechnet die Größe der Fläche, die der Mensch zum leben braucht.
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UBA fordert feste Wiederverwertungsquoten
Derzeit lohnt die Reparatur wegen der hohen Kosten oft nicht, die Geräte wandern auf den Müll: eine Rohstoffverschwendung gigantischen Ausmaßes. Im Gegenzug sollten Mehrwertsteuerermäßigungen auf Umwelt-, Tier- und Naturschutz schädigende Produkte wie etwa Froschschenkel und Gänsestopfleber entfallen. Um dem Recyclinggedanken mehr Wucht zu verleihen, plädierte das UBA zudem für feste Wiederverwertungsquoten, etwa in der Produktion von Plastiktüten oder Mülltonnen. Nicht zuletzt könnten verbindliche Recycling-Angaben auf Verpackungen von Konsumgütern eingeführt werden. All diese Maßnahmen bedürfen laut UBA allerdings eines europäischen Rechtsrahmens.
Auf nationaler Ebene schlägt das Bundesamt Förderprogramme vor, mit deren Hilfe klein- und mittelständische Unternehmen rohstoffsparende Techniken und Produktionsverfahren entwickeln. Auch könnte die Vergabe öffentliche Aufträge an den Einsatz von Recyclingmaterialien gekoppelt werden. Schließlich wäre ein Rohstoffgesetz wünschenswert, das die bisher in verschiedenen Rechtsbereichen für Bergbau, Hoch-, Tief- und Straßenbau sowie das Raumordnungsrecht aufgeteilten Regelungen bündelt. Ein solches Gesetz erscheint laut Krautzberger aber noch aus anderem Grunde notwendig: Bisher fehle dem Ziel, Rohstoffe zu sparen und Ressourcen zu schützen, auf Bundesebene eine rechtliche Basis.
