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Steuer von sieben auf 19 ProzentViele Wirte wollen die Preise erhöhen

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Ein eingedeckter Tisch in einem Restaurant.

Bleiben bald viele Tische leer? Laut einer Dehoga-Umfrage wollen 89 Prozent der Wirte die Preise anheben.

Zum Jahreswechsel läuft die Steuervergünstigung, die in er der Corona-Krise befristet eingeführt wurde, aus. Damit wird der Mehrwertsteuersatz auf Speisen von sieben Prozent auf die üblichen 19 Prozent steigen.

Kostet das Schnitzel mit Pommes in der Autobahnraststätte statt 14,99 Euro künftig 16,67 Euro? So jedenfalls würde es sich rechnerisch ergeben, wenn der Mehrwertsteuersatz auf Speisen in der Gastronomie zum Jahreswechsel von sieben Prozent zurück auf die üblichen 19 Prozent steigt – und Wirte das der Kundschaft auch voll in Rechnung stellen sollten.

Noch halten sich viele Gastronomen und Restaurantketten bedeckt mit Ansagen. Der Branchenverband aber, der sich vehement für eine erneute Verlängerung der in der Corona-Krise befristet eingeführten Steuervergünstigung einsetzte, lässt keinen Zweifel: Die Preise für Restaurantessen werden anziehen. „Wenn die Steuer von 7 auf 19 Prozent steigt, werden wir die Preise erhöhen müssen“, sagt die Hauptgeschäftsführerin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), Ingrid Hartges. „Es gibt für die meisten Betriebe keinen Spielraum. Kaum einer kann es sich leisten, Geld draufzulegen.“

Jährliche Kosten von 3,4 Milliarden Euro

Bei einer Umfrage ihres Verbandes Anfang Dezember gaben 89 Prozent der Befragten an, die Preise anheben zu wollen. Ob und in welchem Umfang die Steuererhöhung, die rein rechnerisch gut 11,2 Prozent ausmacht, auf die Preise durchschlägt, entscheide am Ende aber jeder Wirt selbst, erklärt auch Hartges.

Um die Gastronomie während der Corona-Pandemie zu entlasten, war der Steuerersatz auch für Speisen in Restaurants und Cafés vorübergehend von 19 auf sieben Prozent gesenkt worden – während es bei Getränken bei 19 Prozent blieb. Danach wurde die Ausnahmeregelung wegen der Energiekrise mehrmals verlängert, zuletzt bis Ende 2023. Die Bundesregierung bezifferte die jährlichen Kosten auf 3,4 Milliarden Euro. Essen zum Mitnehmen, im Supermarkt und bei der Lieferung wird grundsätzlich mit sieben Prozent besteuert.

Die Steakhousekette Blockhouse kündigte an, die Preise nicht sofort, sondern erst am 13. Januar zu erhöhen, und dann auch nur um sieben Prozentpunkte. „Wir geben die Erhöhung nur anteilig weiter“, sagte eine Sprecherin. Die Pizza-Kette L'Osteria will die Preise im Februar erhöhen und dann regional nach Kaufkraft staffeln. Nicht überall steigen daher die Preise, so eine Sprecherin: „In den preissensibleren Regionen haben wir uns entschieden, je nach Gericht nur minimale oder gar keine Preiserhöhung vorzunehmen.“

Bundesverband der Systemgastronomie spricht von „Worst-Case-Szenario“

Lange hatte die Branche gehofft, die Vergünstigung auf Dauer behalten zu dürfen. Doch nach dem Haushalts-Urteil des Bundesverfassungsgerichts stellte die Bundesregierung klar: Es bleibe beim geplanten Auslaufen Ende 2023.

Während der Bundesverband der Systemgastronomie von einem „Worst-Case-Szenario“ spricht, das nun eingetreten sei, loben Ökonomen die Rückkehr zum alten Steuersatz. Nach dem Ende der Pandemie gebe es keinen Grund mehr, die Branche zu bevorzugen, sagt Oliver Holtemöller vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle. „Es ist nicht Aufgabe der Politik, dafür zu sorgen, dass mehr Menschen ins Restaurant gehen.“

Friedrich Heinemann vom Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim sieht die Vergünstigung auch sozialpolitisch als Problem. Denn von der Steuerermäßigung profitierten vor allem Besserverdienende, sagt er. „Wohlhabende gehen häufiger essen und profitieren daher überproportional.“

Anders als der Branchenverband glaubt Heinemann nicht, dass die Steuer nun voll durchschlägt. Schließlich seien die Preise in der Gastronomie in den vergangenen Jahren bereits kräftig gestiegen und viele Kostentreiber inzwischen wieder weggefallen. Das, so glaubt der Ökonom, sollte der Branche wieder etwas Luft geben, die Steuererhöhung zumindest „ein Stück weit“ aufzufangen.

Befürchtung: 12.000 Betriebe werden aufgeben

Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes sind die Preise für Gaststättendienstleistungen von Januar 2021 bis Oktober 2023 um 20,3 Prozent gestiegen, trotz der zwischenzeitlichen Mehrwertsteuersenkung. Allerdings, so entgegnet Hartges vom Dehoga, hätten sich Lebensmittel im selben Zeitraum um 29,3 Prozent verteuert. „Dank der sieben Prozent Mehrwertsteuer waren wir bisher nicht gezwungen, alle Mehrkosten eins zu eins an den Gast weiterzugeben.“ Das werde sich nun ändern. Weniger Gäste, weniger Umsatz und Betriebsaufgaben seien programmiert. Der Verband fürchtet, dass 12.000 Betriebe aufgeben werden.

Zumindest zum Abschied gibt es für die Wirte aber noch einmal eine Ausnahme: Die Silvesternacht dürfen sie noch komplett zum alten Steuersatz abrechnen, egal ob vor oder nach Mitternacht aufgetischt wurde. (dpa)


Verbraucher planen laut Umfrage weniger Besuche im Restaurant

Die bevorstehende Erhöhung der Mehrwertsteuer für Speisen in der Gastronomie auf wieder 19 Prozent stößt in der Bevölkerung auf breite Ablehnung. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Yougov.

69 Prozent der Befragten gaben an, sie lehnten die Anhebung von sieben auf 19 Prozent ab, nur 14 Prozent zeigten sich als Befürworter. Unter denen, die die Maßnahme ablehnen, überwog mit jeweils rund 70 Prozent die Sorge, dass die Preise steigen und dass viele Restaurants die Erhöhung nicht verkraften und am Ende schließen. Viele wollen künftig seltener ins Restaurant gehen oder dort weniger ausgeben.

44 Prozent der Befragten gaben an, nach der Erhöhung zum Jahreswechsel ihr Verhalten mit Blick auf Restaurantbesuche ändern zu wollen. 68 Prozent derer, die ihr Verhalten ändern wollen, gaben an, dann seltener essen zu gehen. 25 Prozent wollen sogar ganz auf Restaurantbesuche verzichten. Jeweils mehr als 20 Prozent der Befragten wollen auf günstigere Restaurants ausweichen, billigere Gerichte bestellen oder beim Trinkgeld sparen, zum Teil zusätzlich zu selteneren Restaurantbesuchen. (dpa)