An dem Haribo-Standort in Bonn sind laut Gewerkschaft rund 600 Menschen beschäftigt. Produktionsausfälle seien zu erwarten.
„Stinksaurer Süß-Protest“Gewerkschaft bestreikt Bonner Stammwerk von Haribo

Blick auf ein Haribo-Werk. Das Bonner Stammwerk wird bestreikt.
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Der Tarifkonflikt in Nordrhein-Westfalens Süßwarenbranche trifft den Gummibärchen-Hersteller Haribo. Für das Bonner Stammwerk rief die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) zu Warnstreiks auf. Die Arbeitsniederlegungen sollen alle Schichten am Freitag betreffen. An dem Standort sind laut NGG rund 600 Menschen beschäftigt.
„Bei Haribo werden die Produktionsbänder nur noch auf Sparflamme laufen“, sagt NGG-Gewerkschafterin Sarah Richter. Produktionsausfälle von Colorado, Lakritzschnecken und anderen Sorten seien zu erwarten. Es gebe einen „stinksauren Süß-Protest“.
Der Tarifvertrag in der NRW-Süßwarenindustrie gilt den Angaben zufolge für rund 17.000 Beschäftigte. Dabei inbegriffen sind neben Haribo auch Standorte von Lindt in Aachen, Katjes in Emmerich, Storck in Halle/Westfalen und dem Kartoffelchips-Hersteller Intersnack („funny-frisch“) in Grevenbroich.
Was die Gewerkschaft fordert und die Arbeitgeber bieten
Der bisherige Tarifvertrag lief Ende April aus, die NGG fordert ein Lohn-Plus von 5,8 Prozent bei einer Vertragslaufzeit von 12 Monaten. Der alte Tarifvertrag lief 22 Monate lang. Er enthielt in einem ersten Schritt ein Plus von fünf Prozent und in einem zweiten Schritt ein Plus von 2,5 Prozent.
Die Arbeitgeber bieten einen 24 Monate laufenden Tarifvertrag, bei dem es in zwei Schritten um jeweils zwei Prozent nach oben gehen soll. Außerdem bietet der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI) zwei Einmalzahlungen von jeweils 156 Euro netto.
Die Lage der Branche sei angespannt, heißt es von dem Verband. Die Produktionsmenge der deutschen Süßwarenindustrie sei im Jahr 2025 um knapp vier Prozent auf 3,73 Tonnen gesunken. Zugleich blieben die Kosten für Rohstoffe, Energie und Logistik hoch. Die Forderung der Gewerkschaft sei wirtschaftlich nicht tragfähig.
Die NGG pocht trotzdem auf deutlich mehr Geld, Warnstreiks sollen den Druck auf die Arbeitgeberseite erhöhen. „Es ist höchste Zeit, dass die Arbeitgeber ein brauchbares Angebot machen“, sagt Gewerkschafterin Richter. „Das, was die Arbeitgeber bislang auf den Tisch gelegt haben, frisst schon die Inflation auf.“ Andernfalls werde man die Warnstreiks ausweiten. Die vierte Verhandlungsrunde ist für den 13. August geplant. (dpa/red)