Die Supermarkt-Marke Tegut verschwindet. Eigentümer Migros sucht Käufer für die Standorte. Einig ist man sich nun auch mit der Rewe-Gruppe - ein Vertrag wurde bereits unterzeichnet.
SupermarktketteRewe will bis zu 40 Tegut-Filialen übernehmen

Bis zu 40 Filialen der Supermarktkette Tegut will Rewe übernehmen. Rewe will den Großteil der Märkte selbst betreiben, die übrigen soll die Discountertochter Penny übernehmen.
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Der Lebensmittelhändler Rewe plant, bis zu 40 Filialen der Supermarktkette Tegut zu übernehmen. Wie das Unternehmen mitteilte, wurde ein entsprechender Vertrag mit dem Mutterkonzern „Genossenschaft Migros Zürich“ unterzeichnet. Die Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt der Freigabe des Bundeskartellamts.
Gibt die Behörde grünes Licht, will Rewe den Großteil der Tegut-Märkte selbst betreiben, die übrigen sollen an die Discountertochter Penny gehen. Zum Kaufpreis äußerte sich das Unternehmen ebenso wenig wie zu den betroffenen Standorten. Den Beschäftigten will Rewe ein Jobangebot machen. „Wir wollen die Verantwortung für die Standorte und ihre Teams übernehmen. Das bedeutet für uns, die Arbeitsplätze genauso zu sichern, wie die qualitativ hochwertige Nahversorgung. Damit können wir den Mitarbeitenden und den Märkten eine wirtschaftliche Perspektive geben“, sagte Rewe-Vorstand Peter Maly.
Die meisten Tegut-Filialen befinden sich in Hessen. Die übernommenen Märkte sollen im weiteren Verlauf modernisiert und an Sortiments- und Logistiksysteme der Rewe Gruppe angebunden werden, wie die Handelskette unserer Redaktion auf Anfrage mitteilte.
Auch Edeka interessiert sich für Tegut-Supermärkte
Migros hatte kürzlich angekündigt, sich aus Deutschland zurückzuziehen und Tegut verkaufen zu wollen. Rund 200 der etwa 300 Supermärkte der Kette will der Lebensmitteleinzelhändler Edeka übernehmen. Zusätzlich gehören das Tegut-Logistikzentrum in Michelsrombach sowie die rund 40 „Teo“-Minimärkte zum Paket. Das Geschäft bedarf ebenfalls einer Zustimmung des Kartellamtes.
Auch Aldi Nord interessiert sich demnach für einzelne Standorte. Migros hatte bereits im März bekanntgegeben, mit Rewe zu verhandeln.
Die Marke Tegut soll aufgegeben werden. Unklar ist bislang, wie viele Märkte bestehen bleiben. „Die Filialen werden zu größten Teilen an andere Lebensmitteleinzelhändler verkauft“, heißt es im Jahresabschluss der Genossenschaft Migros Zürich.
Experten erwartet intensive Prüfung durch Kartellamt
Rechtsexperten sehen die geplanten Übernahmen teilweise kritisch. Der Kartellrechtler der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Rupprecht Podszun, beklagt eine zu hohe Marktmacht der großen Handelsketten in Deutschland. Er erwartet eine besonders intensive Prüfung durch das Kartellamt. Podszun hält es sogar für möglich, dass die Behörde die Vorhaben ganz oder teilweise untersagt.
Der Sprecher der Edeka-Zentrale, Rolf Lange, sagt: „Eine Untersagung der Übernahme durch Edeka und andere große deutsche Lebensmitteleinzelhändler hätte gravierende Folgen für die Versorgung der Verbraucher sowie für tausende Arbeitsplätze, da Standortschließungen drohen.“ Realistisch kämen für eine Übernahme der Tegut-Märkte nur die großen deutschen Lebensmitteleinzelhändler in Betracht.
„Ausländische Investoren scheuen den Markteintritt in den deutschen Markt, da dieser so wettbewerbsintensiv und von niedrigen Margen geprägt ist“, sagte Lange. Edeka war nach eigenen Angaben auch offen dafür, Tegut vollständig zu kaufen. Um das Freigabeverfahren beim Kartellamt zu beschleunigen, sei das Filialpaket jedoch begrenzt worden, hieß es.
Tegut beschäftigt knapp 7500 Menschen
Tegut wurde 1947 in Fulda gegründet. Anfang 2013 übernahm Migros die Kette, die in sechs Bundesländern vertreten ist. Nach Angaben des Konzerns gibt es etwa 340 Tegut-Filialen, inklusive der „Teo“-Minimärkte. Knapp 7500 Menschen sind bei Tegut beschäftigt, teilte Migros mit.
Rewe gehört neben Edeka, der Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) sowie Aldi Nord und Süd zu den größten Lebensmittelhändlern in Deutschland. Die gleichnamige Supermarktkette betreibt hierzulande rund 3800 Filialen, der Discounter Penny mehr als 2100.
Mit dem Verschwinden der Marke Tegut setzt sich die Konsolidierung des deutschen Lebensmitteleinzelhandels fort. Die große Supermarktkette Real ist nach langem Niedergang, mehreren Eigentümerwechseln und einer gescheiterten Sanierung als SB-Warenhauskette Geschichte. Nach der Insolvenz 2023 wurden die meisten Filialen bis März 2024 geschlossen oder von Konkurrenten wie Kaufland, Edeka und Rewe übernommen. Der Online-Marktplatz real.de wurde bereits früher an die Schwarzgruppe (Kaufland) verkauft.
Die Plus-Warenhandelsgesellschaft wurde ab 2008 schrittweise zerschlagen und größtenteils durch die Edeka-Gruppe übernommen. Der Großteil der Filialen wurde bis 2010 in Netto Marken-Discount umgewandelt. Ein Teil der Standorte (etwa 328) ging an den Konkurrenten Penny aus der Rewe-Gruppe. Die Marke Plus verschwand damit vollständig aus dem deutschen Einzelhandel.
Die norddeutschen Coop-Märkte wurden zwischen 2016 und 2019 schrittweise ebenfalls von der Rewe-Gruppe übernommen. Die Filialen in Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern wurden in Rewe, Rewe-Center oder Nahkauf umgeflaggt, wodurch die Marke Coop eG aus dem Einzelhandel ebenfalls verschwand. (mit dpa)