Der Dax hat ein Rekordhoch erreicht. Der deutsche Leitindex stieg zwischenzeitlich auf 26.671Punkte. Viel Schwung hatten die US-Zwischenwahlen in den Markt gebracht, auch Unternehmenszahlen aus NRW stützten den Rekordkurs. Doch gab es auch Ausrutscher.
Telekom, Post, Rheinmetall, Deutz und LanxesZahlenfeuerwerk zum Quartalsende

Am Donnerstagmittag erreichte der Dax einen neuen Höchststand, gab die Gewinne im Tagesverlauf aber wieder ab.
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Im Donnerstagshandel kletterte der deutsche Leitindex Dax zwischenzeitlich auf ein neues Rekordhoch von knapp 26.700 Punkten. Mehrere NRW-Unternehmen trugen mit ihren Quartalszahlen dazu bei, dass das Börsenbarometer so positiv ausschlug – andere enttäuschten dagegen auf ganzer Linie. Das sind die Tops und Flops.
Die DHL ist stark, obwohl die Post schwächelt
Nicht nur der Dax war auf Rekordkurs, auch die Aktie der DHL, die vor wenigen Wochen noch Deutsche Post hieß, näherte sich ihrem Allzeithoch. Mit ihrem Sprung über die 60 Euro-Marke erreichte das Papier der Bonner Logistikriesen gestern zumindest ein neues Mittelfristhoch und bewegt sich nur noch knapp unterhalb der historischen Marke von 60,90 Euro, die DHL im Sommer 2021 erreichte.
Die Zuversicht der Investoren speist sich aus zwei Quellen: Zum einen glauben die Anleger offenbar an die auf nachhaltiges Wachstum angelegte Strategie von Konzernchef Tobias Meyer, zum anderen gibt es gute Perspektiven für weiteres Wachstum im Welthandel. Dieser hat sich laut Finanzchefin Melanie Kreis trotz aller Krisen erstaunlich widerstandfähig gezeigt und ist im ersten Halbjahr demnach sogar so schnell gewachsen wie seit 2011 nicht mehr - trotz des Irankriegs.
Das Sorgenkind heißt Briefgeschäft
Das hilft dem Welt-Logistiker DHL mit seiner leistungsfähigen Flugzeugflotte enorm, die Bonner konnten ihr Geschäft in allen Divisionen kräftig steigern und legten beim Umsatz im dritten Quartal um 12,6 Prozent auf 22,7 Milliarden Euro zu. Die DHL hatte auch deshalb ihr Umsatzziel bereits im Oktober auf mehr als 7 Mrd. Euro angehoben.
Das schöne Ergebnis hatte gestern nur eine Schattenseite: Das Deutschlandgeschäft macht weiter Schwierigkeiten. Die Post, unter deren Namen der Weltkonzern DHL sein traditionelles Deutschlandgeschäft weiterhin laufen lässt, ist zu einer Wachstumsbremse geworden. Während der Umsatz mit der Brief- und Paketzustellung im dritten Quartal zumindest stabil blieb und noch hauchdünn wuchs (4,3 Milliarden Euro), sackte das Betriebsergebnis (Ebit) auf nur noch 150 Millionen Euro um fast ein Drittel ab.
DHL-Finanzchefin Kreis machte zwei Gründe verantwortlich: Die EU-Gebühren auf Billigpakete vor allem aus China sowie das dramatisch schrumpfende Briefaufkommen: „Wir hatten im dritten Quartal pro Arbeitstag im Schnitt 30 Millionen Briefe, die wir zugestellt haben“, sagte die Managerin. Vor zehn Jahren - also im dritten Quartal 2016 - seien es mit 60 Millionen doppelt so viele gewesen. Daher brauche die Post auch „eine angemessene Porto-Erhöhung“, sagte die Finanzchefin.
Telekom leidet unter Elon Musk
In Bonn kaum 500 Meter weiter westlich liegen die Dinge bei der Deutschen Telekom fast genau andersherum: Das Deutschlandgeschäft kann sich mehr als sehen lassen (auch wenn die USA noch viel wichtiger sind), die Aktie aber dümpelt dahin, um es vorsichtig zu sagen. Dabei hatte sich die Telekom für die Vorstellung der Quartalszahlen kräftig herausgeputzt: Der Quartalsumsatz legt um 7,5% auf 31,02 Milliarden Euro zu, das Betriebsergebnis steigt um fast zehn Prozent auf 12,2 Milliarden Euro, der Konzern hebt die Jahresprognose an und erhöht auch noch die Dividende um zehn Prozent auf das Rekordniveau von 1,10 Euro.
Was aber macht die Aktie? Sie gibt nach, um 2,17 Prozent auf gestern nur noch gut 26 Euro, im Februar 2026 mussten die Anleger noch 34 Euro für das Papier zahlen. Für die starke Volatilität der T-Aktie machte CEO Höttges gestern erneut den Vorstoß des Tech-Billionärs und Trump Freunds Elon- Musk verantwortlich. Der hatte jüngst angekündigt, einen Einstieg ins Mobilfunk-Geschäft in den USA zu planen und dafür bereits erste Lizenzen gekauft. Seitdem ist der ganze Telekom-Sektor global unter Druck geraten, auch die Aktie der US-Mobilfunktochter T-Mobile US ist in Mitleidenschaft gezogen worden.
Musk hat Finanzkraft fast ohne Ende, er hat Satelliten, Rechenzentren, Chiptechnologie und nun auch etwas Mobilfunk. Das könnte eine Bedrohung für die angestammten Spieler werden, obschon Höttges gestern vorrechnete, ein ernsthafter Vorstoß von Musk in den USA würde ihn mindestens 200 Milliarden Dollar kosten. Diese Rechnung konnte die Anleger trotzdem nicht richtig beruhigen.
Rheinmetall stürzt ab
Deutschlands größter Rüstungskonzern Rheinmetall setzt seinen steilen Wachstumskurs fort, muss seine hohen Erwartungen aber etwas herunterschrauben. Wie die Waffenschmiede in Düsseldorf mitteilte, stieg ihr Umsatz in den ersten neun Monaten dieses Jahres um mehr als ein Drittel (38 Prozent) auf 8,4 Milliarden Euro. Das operative Konzernergebnis schoss sogar um mehr als zwei Drittel (69 Prozent) auf 1,3 Milliarden Euro in die Höhe.
Allerdings peilt Rheinmetall inzwischen nur noch einen Jahresumsatz von rund 13,2 Milliarden Euro an. Zuvor hatte die Firma eine Zielspanne von 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro angegeben. Die Geschäfte werden nach der Prognose nicht mehr so profitabel sein wie zuvor gedacht. Die gedämpften Erwartungen liegen Firmenangaben zufolge daran, dass es beim Boxer-Truppentransporter-Projekt und bei Artilleriemunition wahrscheinlich zu Verzögerungen kommt. An der Börse kam die Prognosesenkung nicht gut an, der Aktienkurs sackte am Donnerstagvormittag zwischenzeitlich um bis zu 16 Prozent ab.
Es ist nicht das erste Mal in diesem Jahr, dass Rheinmetall seine Prognose senkt - im August hatte die Firma das schon einmal getan, als das Bundesverteidigungsministerium das milliardenschwere F126-Fregattenprojekt gestoppt hatte. „Unser Wachstumskurs ist solide und hat Bestand“, sagte Konzernchef Armin Papperger am Donnerstag und zeigte sich zufrieden mit den Geschäftszahlen. „Wir haben ein sehr gutes Wachstum bei hoher Profitabilität“, sagte der Manager. „Die gute Auftragslage gibt uns die Möglichkeit, unsere Kapazitäten nachhaltig auszubauen.“
Zuversicht bei Deutz AG
Der Motorenbauer kann solide Quartalszahlen präsentieren und seine Jahresziele bestätigen. Vor allem der Auftragseingang kann Analysten überzeugen. Das zuletzt schwache Kerngeschäft mit Motoren für Land- und Baumaschinen meldet hier ein sattes Plus von 29,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch die Umsätze mit Reparaturen und Wartung, zusammengefasst in der Spart Services, legten zweistellig zu (10,2 Prozent), der Auftragseingang übertraf das Vorjahr um 10,4 Prozent.
Perspektivisch wird die Verteidigungssparte für das Unternehmen viel wichtiger. Deutz teilte mit, dass die Übernahme der Flensburger FFG formal abgeschlossen sei. Seit November wird der teuerste Zukauf der Unternehmensgeschichte voll dem eigenen Geschäft zugerechnet. Künftig wird der norddeutsche Hersteller von Militärfahrzeugen den Kern der Defense-Aktivitäten bei Deutz bilden. Das wirkt sich positiv auf die Marge aus. Für 2027 traut Deutz FFG hier Werte von mehr als 20 Prozent zu. Zum Vergleich: Im Konzern sind bislang Margen um die 7 Prozent erreichbar gewesen, das klassische Motorengeschäft war häufig noch deutlich weniger profitabel.
Die Schwäche im Stammgeschäft wirkt sich auch auf den Standort Köln aus. Besonders kleinere Motoren, die hier montiert werden, geraten immer mehr unter den Druck von günstigeren Anbietern aus Asien. Im Gegenzug geht Deutz selbst verstärkt Partnerschaften mit asiatischen Herstellern ein, etwa in Indien. „Die Produktionskosten dort sind etwa 40 Prozent günstiger als am Standort Köln“, gibt Geschäftsführer Sebastian Schulte gegenüber unserer Redaktion an.
Deutz bestätigte erstmals Medienberichte, wonach in Köln der Abbau von bis zu 300 Stellen innerhalb der kommenden zwei Jahre droht. Grundsätzlich habe man sich mit der Arbeitnehmerseite auf einen Fahrplan für die Stellenstreichungen geeinigt, erläutert Schulte. Details der Einigung müssten aber noch geklärt werden. Der endgütige Umfang des Personalabbaus hänge auch von der Auftragsentwicklung ab. Weitere Einschnitte in Folge der Übernahme von FFG drohen dagegen nicht. „Im Gegenteil“, so Schulte, „perspektivisch können auch Aufgaben für FFG von anderen Deutz-Standorten aus erledigt werden“. Das könnte Jobs in Ulm aber auch in Köln sichern.
Erleichterung bei Lanxess
Die jüngsten Zahlen gaben Anlass für einen Freudensprung bei der Lanxess-Aktie. Der Börsenwert des Kölner Chemieunternehmens schoss zeitweise um knapp 20 Prozent nach oben. In den vergangenen drei Monaten war es Lanxess gelungen Preiserhöhungen durchzusetzen und gleichzeitig die Kosten zu senken. Das spiegelte sich in den Quartalszahlen wieder. Der Umsatz kletterte gegenüber dem Vorjahr um 9,6 Prozent. Das bereinigte Ergebnis verbesserte sich gar um 11,2 Prozent.
Unternehmenschef Matthias Zachert hob hervor, dass dies gelungen sei, obwohl die zu Jahresanfang erwartete konjunkturelle Belebung ausgeblieben sei. „Das Tal der Tränen, haben wir aber aber Überschritten“. Es gehe „ganz leicht voran“, so Zachert. Das spiegelt sich auch in der konkretisierten Prognose wieder. Lanxess kalkuliert derzeit mit einem bereinigten Jahresergebnis am oberen Ende der bislang kommunizierten Spanne (450 bis 500 Millionen Euro).
Wie nachhaltig der Aufschwung ist, wird sich zeigen. Ein Großteil der Preiserhöhungen wurde mutmaßlich durch den Irankrieg möglich, der Lanxess-Wettbewerber in Asien weit stärker getroffen hat als die Kölner. Zachert sprach davon, Lanxess leide unter der „härtesten Krise in der chemischen Industrie“, die es in den vergangenen Jahrzehnten gegeben habe. „Wir warten aber nicht auf eine bessere Konjunktur“, so der Lanxess-Chef. Das Unternehmen halte stattdessen mit Produktinnovationen gegen.
Zachert nannte neuartige Desinfektionsmittel für Klinken, Zusätze für eine bessere Haltbarkeit von Autoreifen, Flammschutzmittel oder Zusätze für einen angenehmeren Auftrag von Haarpflegeprodukten und Sonnenschutzmitteln als Beispiel. Ein Asphalt-Additiv aus dem Hause Lanxess ermögliche es, den Baustoff bei 40 Grad niedrigeren Temperaturen zu verarbeiten. Das führe nicht nur zum nachhaltigeren Bauen bei, es reduziere überdies auch Energiekosten.