Wenn Wolfgang Unterfeld angerufen wird, geht es um sehr viel Geld. Unterfeld, Jahrgang 1949, ist Schadensermittler und arbeitet im Auftrag großer deutscher Versicherer. Ihn ruft man an, wenn die Polizei nicht weiter weiß: Es geht um millionenschwere Betrugsversuche wie bestellte Brandstiftung oder fingierte Todesfälle. Für sein Buch „Der Millionenjäger: Ein Versicherungsfahnder ermittelt“ (rowohlt) bricht Unterfeld zum ersten Mal sein Schweigen - und erzählt sieben filmreife, aber wahre Fallgeschichten. Unterstützt wurde er beim Schreiben von dem freien Autoren und Journalisten Bertram Job.
Nach der Lektüre des „Millionenjägers“ besteht kein Zweifel: Versicherungsfahnder ist beileibe kein dröger, sondern ein spannender und manchmal auch gefährlicher Job. „Gleich im ersten von 30 Jahren als selbständiger Schadensermittler habe ich mehrere Morddrohungen erhalten“, so Unterfeld. Aber er ließ sich nicht einschüchtern, sichert seine Wohnung im Rheinland mit Alarmanlagen, hält sich einen Dobermann und hat für alle Fälle einen Revolver angeschafft.
Nach eigener Aussage hat Unterfeld im Laufe der Jahre etliche Bankräuber, Brandstifter, Einbrecher und Mörder hinter Gittern oder zumindest um ihr Versicherungsgeld gebracht. Zum Beispiel den Musiklehrer Werner Hesse, dessen Frau angeblich bei einem Badeausflug in Vietnam ertrunken ist. Hesse fordert nach dem Tod seiner Gattin die Auszahlung aus sechs Lebensversicherungen - insgesamt 3,2 Millionen Euro. Das Ende der Geschichte soll an dieser Stelle nicht verraten werden - aber sie gibt einen tiefen Einblick in die Arbeit eines unabhängigen Schadensermittlers.
Doch nicht immer ist eben dieser Blick hinter die Fassade des Versicherungsgeschäfts angenehm. Gemeinsam mit Wolfgang Unterfeld begegnet der Leser pfiffigen wie unfähigen Schadensregulierern, käuflichen Gutachtern und hilfsbereiten Dorfpolizisten, deren Dialekt man als Nicht-Einheimischer leider kaum versteht.
Mittlerweile hat sich Unterfeld zur Ruhe gesetzt - nach fast 800 Fällen auf vier Kontinenten, 4,5 Millionen Fahrkilometern und 300 Millionen Euro an unberechtigt reklamierten Leistungen. Der Abschied fällt ihm trotz guter Bezahlung und vieler Erfolge leichter, weil sich die Branche in seinen Augen stark verändert hat: „Heute ist manchen Versicherern beinahe jedes Mittel recht, leistungsfrei zu bleiben - und wenn sie dabei Methoden anwenden müssen, die selbst bei wohlwollender Betrachtung nicht mehr tragbar sind. Jedenfalls nicht für unabhängige Ermittler.“
Ein literarisches Meisterwerk ist „Der Millionenjäger“ sicher nicht, die Sätze sind größtenteils einfach gestrickt und die Sprache erinnert ein wenig an Jerry-Cotton-Romanhefte. Nichtsdestotrotz ist das Buch eine unterhaltsame Urlaubs- oder Nebenbei-Lektüre. (gs)
In vielen von Wolfgang Unterfelds Ermittlungen ging es um Millionen - aber das sind Peanuts im Vergleich mit den höchsten Schadenssummen weltweit. Erdbeben, Anschläge, Dürren - das sind die teuersten Versicherungsschäden:
