Abo

40-Millionen-Euro-ProjektDer Förderschulcampus wird in Kuchenheim geplant

4 min
Das Luftbild zeigt die Hans-Verbeek-Schule in Euskirchen.

Der Platz am Eifelring ist für die Hans-Verbeek-Schule zu klein geworden. Der Kreis plant einen Campus in Kuchenheim.

In Euskirchen wollen die Matthias-Hagen- und die Hans-Verbeek-Schule wollen viele Synergien nutzen, aber eigenständig bleiben.

Mit der Vorstellung der Ergebnisse der sogenannten Phase 0 ist ein Meilenstein in der Planung des künftigen Förderschulcampus für die Matthias-Hagen-Schule (MHS) und die Hans-Verbeek-Schule (HVS) erreicht worden. Marcel Schacht, Geschäftsführer der Derichs und Conerts Planungsgesellschaft, präsentierte im Rahmen der jüngsten Sitzung des Bildungsausschusses die Ergebnisse der mehrmonatigen Raumbedarfsanalyse sowie die daraus abgeleiteten Raumprogramme für das angedachte 40-Millionen-Euro-Projekt in Kuchenheim. Das ist nötig, weil die HVS aus allen Nähten platzt und die MHS stark sanierungsbedürftig ist und ebenfalls an ihre Kapazitätsgrenzen kommt.

„Phase 0 ist eine der wichtigsten Phasen überhaupt“, so Schacht. Ziel sei es, nicht blind drauf loszubauen, sondern zunächst präzise zu definieren, was gebaut werden müsse, um anschließend zielgerichtet planen zu können. Grundlage seien dabei Bestandsanalysen, strukturierte Bedarfsermittlungen und die Entwicklung eines belastbaren Raumprogramms.

Für den Campus wurde ein hybrides Nutzungskonzept entwickelt

Die Erarbeitung der Ergebnisse erfolgte laut Schacht in vier aufeinander aufbauenden Workshopphasen mit einem breit aufgestellten Lenkungskreis. Dieser setzte sich aus Schulleitungen, Lehrkräften, dem Schulamt sowie dem Immobilienmanagement zusammen. Zu Beginn wurden die beiden Schulen getrennt betrachtet, um zunächst die jeweiligen pädagogischen Anforderungen zu erfassen. Anschließend folgten Workshops zum funktionalen Gebäudebetrieb, bevor die Ergebnisse vertieft und schließlich in einem gemeinsamen Workshop zusammengeführt wurden.

Dieser letzte Schritt diente insbesondere der Frage, welche Räume beider Schulen künftig gemeinsam genutzt werden können und wo sich dadurch Synergien ergeben. Ein Schwerpunkt lag dem Experten zufolge auf der Übersetzung pädagogischer Konzepte in bauliche Strukturen. Die Analyse des Schulalltags zeigte klare Anforderungen an Differenzierung, Rückzugsräume und funktionale Flexibilität.

Im Zuge der Abstimmungen wurden auch mehrere ursprünglich vorgesehene Räume nicht weiterverfolgt.
Marcel Schacht, Geschäftsführer Derichs und Conerts Planungsgesellschaft

Diskutiert wurden unterschiedliche Lernraumtypen – von klassischen Flurschulen über „Klassenraum plus“-Modelle bis hin zu Clusterlösungen. Offene Lernlandschaften wurden für den Förderschulkontext als weniger geeignet bewertet. Am Ende setzte sich ein Clusteransatz durch, der sowohl differenziertes Lernen als auch geschützte Rückzugsräume ermöglicht und damit stärker auf die Bedarfe der Schülerinnen und Schüler eingeht.

Für den geplanten Campus wurde von allen Beteiligten ein hybrides Nutzungskonzept entwickelt: Während Ankunftsbereiche, Eingänge, Erschließung und Schulhöfe bewusst getrennt bleiben sollen, sollen bestimmte Funktionsbereiche gemeinsam genutzt werden. Dazu zählen insbesondere Aula, Mensa, kreative Räume, Fachräume sowie Teile der Lager- und Nebenflächen. Die Steuerung gemeinsamer Nutzungen soll über technische Zugangssysteme erfolgen. Insgesamt wurden Schacht zufolge rund 1700 Quadratmeter Nutzfläche als synergetisch nutzbar identifiziert. Dies ermöglicht eine deutliche Reduzierung des Gesamtflächenbedarfs und erhöht die Effizienz des Campus.

Die Zahl der Schüler steigt teilweise deutlich

„Im Zuge der Abstimmungen wurden auch mehrere ursprünglich vorgesehene Räume nicht weiterverfolgt“, so Schacht: „Dazu zählen unter anderem ein Lehrschwimmbecken, ein Bewegungsbad, eine zusätzliche Turnhalle sowie ein Fitnessraum und Balkonanlagen an der HVS. Auch Lagerflächen wurden teilweise reduziert und optimiert.“ Diese Entscheidungen seien im Konsens getroffen worden und tragen zur Konzentration auf pädagogisch und funktional notwendige Räume bei.

Die Prognosen zeigen eine stabile Entwicklung an der HVS und eine deutlich dynamischere an der MHS. An der HVS werden derzeit rund 134 Schüler in 15 Klassen unterrichtet. Künftig wird mit etwa 150 Schülern gerechnet, was im Rahmen der Schulentwicklungsplanung liegt. Für 2026 werden laut Schulentwicklungsplan 164 Schüler prognostiziert. Anders stellt sich die Situation an der MHS dar: Hier steigt die Zahl von derzeit 215 auf etwa 245 Schüler. Damit entsteht ein zusätzlicher Bedarf, der eine Erweiterung auf 20 Klassen erforderlich macht.

Nun startet die räumliche Planung für den Standort in Kuchenheim

Die ermittelten Flächenbedarfe liegen bei rund 5305 Quadratmeter Bruttogrundfläche für die HVS und etwa 6075 für die MHS. Daraus ergeben sich Kennwerte von etwa 35 Quadratmeter pro Schüler (HVS) beziehungsweise 25 Quadratmeter pro Schüler (MHS). Im Vergleich zu Referenzprojekten für Förderschulen – die häufig deutlich höhere Werte aufweisen – gelten diese Kennzahlen als besonders effizient. Fachlich werde dies vor allem auf die geplante Campusstruktur mit gemeinsamer Nutzung von Funktionsbereichen zurückgeführt.

Ein Abgleich mit vergleichbaren Schulbauprojekten zeige, dass Förderschulen in der Regel deutlich größere Flächenbedarfe pro Schüler aufweisen. Die hier erarbeiteten Werte liegen laut Schacht darunter und gelten dennoch als realistisch, da sie auf einer detaillierten, schulbezogenen Bedarfsanalyse beruhen.

Mit Abschluss der Phase 0 richtet sich der Blick nun auf die bauliche Umsetzbarkeit am Standort Kuchenheim. Eine sogenannte Kubaturstudie soll klären, wie das Raumprogramm konkret auf dem Grundstück angeordnet werden kann und ob Erschließung, Gebäudevolumen und Organisation realisierbar sind. Erst mit dieser räumlichen Prüfung geht das Projekt in die nächste Planungsstufe über.

Angesichts unsicherer Schülerprognosen wurde zudem ein Puffer in die Planung integriert. Neben der maximalen Klassengröße von bis zu 18 Schülerinnen und Schülern sind vier zusätzliche, flexibel nutzbare Unterrichtscluster im Campusbereich vorgesehen. Diese sollen im Bedarfsfall von beiden Schulen genutzt werden können.