Mehr als zehn Stunden kämpften Feuerwehrleute gegen die Flammen. Der Einsatz geht am Samstagmorgen weiter. Die A 61 in Fahrtrichtung Venlo war für mehrere Stunden gesperrt.
Keine Gesundheitsgefahr durch RauchElektroschrott löst Großbrand in Bergheim-Paffendorf aus

Zahlreiche Feuerwehrleute bekämpfen den Brand in Bergheim.
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Nach dem Großbrand in einem Recyclingbetrieb an der Willy-Messerschmitt-Straße in Bergheim-Paffendorf (Rhein-Erft-Kreis) ist die Feuerwehr am Samstagmorgen (22. August) nach wie vor im Einsatz. Es laufen Nachlöscharbeiten nebst der Suche nach Glutnestern. Der Brand war am Freitag gegen 18.20 Uhr ausgebrochen. Nach Angaben der Feuerwehr konnte sie ihn gegen 4.30 Uhr unter Kontrolle bringen. Über die Schadenshöhe gibt es noch keine Angaben.
Laut Feuerwehrsprecher Thomas Junggeburth waren vor den Hallen der Recycling-Firma „recova“ etwa 50 Gitterboxen mit Akkus und Elektroaltgeräten aus noch nicht geklärter Ursache in Brand geraten. Seinen Kenntnissen zufolge ist niemand verletzt worden. Er ging am Samstagvormittag davon aus, dass die Nachlöscharbeiten wohl auch noch den ganzen Tag andauern werden.

Die Feuerwehr hat die Gitterboxen mit den gelöschten Akkus zu einem großen Berg aufgetürmt.
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Die schwarze Rauchwolke war am Freitagabend weithin zu sehen, immer wieder waren Explosionen zu hören. „Wir haben eine massive Rauchentwicklung“, berichtete er am Freitagabend. Daher wurde die A61 in Richtung Venlo für mehrere Stunden gesperrt worden, die Wolke zog aus dem angrenzenden Gewerbegebiet genau über die Fahrbahn hinweg.
Bergheim: Feuerwehr kühlt die Halle von außen und innen
Stadtalarm wurde ausgelöst. Mehr als 120 haupt- und ehrenamtliche Feuerwehrleute aller zehn Einheiten aus Bergheim waren im Einsatz. Vor Ort war auch der Leiter der Feuerwehr Bergheim, Torsten Flemm. Die Feuerwehr bat darum, die Zufahrtswege für die Einsatzkräfte freizuhalten. Es rückten weiterhin Kräfte nach.

Die Feuerwehrleute mussten Schwerstarbeit verrichten.
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Im Laufe des Abends trafen immer mehr Feuerwehrleute auch aus Nachbarkommunen ein. So unterstützte die Feuerwehr Frechen mit ihrer Drehleiter und Atemschutzausrüstungen den Einsatz. Mit weiteren Drehleitern beziehungsweise Rettungsbühnen rückten auch die Kollegen aus Elsdorf an und Feuerwehrleute von RWE vom Kraftwerk Neurath.
Mehrere Einsatzabschnitte wurden gebildet. Mit massiven Löschangriffen wurde das Feuer von allen Seiten bekämpft. Eine weitere Ausdehnung des Feuers wollten die Einsatzkräfte unter allen Umständen verhindern. Dies gelang aber nicht. Es griff auf eine angrenzende Lagerhalle über.

Die schwarze Rauchwolke zieht nach Süden. Christopher Maibaum aus Kenten hat dieses Foto festgehalten.
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Schnell sei nach Angaben eines Feuerwehrsprechers auch die Firma Amprion informiert worden, deren Hochspannungsleitungen über die Halle hinwegführen. Feuerwehrsprecher Sebastian Draxl ging gegen 21 Uhr nicht davon aus, dass die Leitungen aufgrund des Hallenbrandes in Gefahr geraten könnten. Während des gesamten Einsatzes wurde die Halle von allen Seiten und über die Drehleitern gelöscht und wurden die Flammen bekämpft.
Parallel dazu machten sich in Siegburg die Ehrenamtler des Technischen Hilfswerks auf den Weg nach Bergheim. „Wir brauchten einen speziellen Gabelstapler, der auch sehr schwere Gewichte – beziehungsweise die ineinander verschmolzenen Gitterboxen heben kann“, erklärte Draxl.
Über die Nina-Warnapp war die Bevölkerung informiert worden: Im nördlichen Rhein-Erft-Kreis ist mit massiver Geruchsbelästigung zu rechnen. Nach Angaben der Behörden bestand aber keine Gesundheitsgefahr. Sie baten darum, die Notrufnummern von Feuerwehr und Polizei für Notfälle freizuhalten. Die Feuerwehr hielt es für ratsam, Fenster und Türen geschlossen zu halten und Klimaanlagen auszuschalten.

Auch aus der Luft kämpfen die Feuerwehrleute gegen die Flammen.
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Aufgrund der starken Rauchentwicklung waren in der Nacht vorsorglich Messungen im Bergheimer Stadtgebiet sowie in angrenzenden Bereichen durchgeführt worden. Sie hätten durchweg keine auffälligen Ergebnisse gebracht, so Feuerchef Junggeburth. Zwar sei im Bereich des Brandorts weiter Brandgeruch wahrnehmbar, eine gesundheitlich relevante Schadstoffbelastung sei jedoch nicht festgestellt worden. Die Nina-Warnung wurde am Vormittag zurückgenommen. Eine weithin sichtbare Rauchentwicklung besteht nicht mehr.
Am Samstagmorgen wurde das ganze Ausmaß des verheerenden Brandes sichtbar: Rund ein Drittel der Lagerhalle ist abgebrannt und laut Junggeburth einsturzgefährdet. Zur Unterstützung waren weitere Einsatzkräfte des THW angerückt, die damit begonnen haben, den Elektroschrott auseinanderzuziehen. So könnten auch die verborgenen Glutnester alle gefunden und gelöscht werden. „Immer wieder flammen kleine Feuer auf“, beschrieb der Feuerwehrmann die Lage. Er geht davon aus, dass es sich dabei um kleine Akkus handelt: „Wir löschen nur aus der Distanz.“
Mein herzlicher Dank gilt allen Einsatzkräften unserer Feuerwehr sowie den unterstützenden Feuerwehren
Parallel laufen erste Aufräumarbeiten. Für die umfangreiche Brandbekämpfung wurden mehr als zwei Kilometer Schlauchleitungen zur Wasserversorgung verlegt. Diese werden nach und nach zurückgebaut.
Vor Ort war am Abend auch Bürgermeister Volker Mießeler (CDU). Er wollte sich einen Überblick über die Einsatzlage machen. Über seinen Facebook-Account postete er: „Mein herzlicher Dank gilt allen Einsatzkräften unserer Feuerwehr sowie den unterstützenden Feuerwehren, die mit großem Engagement gegen die Flammen kämpfen. Passt auf euch auf und kommt gesund wieder nach Hause!“

Bürgermeister Volker Mießeler informierte sich bei der Einsatzleitung über die Brandbekämpfung.
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Unter dem Eindruck mehrerer kräftezehrender Einsätze in dieser Woche zog der 60-Jährige tags darauf den Hut für die Arbeit der Feuerwehrleute: „Was für mich extrem beeindruckend ist, ist, wie koordiniert und professionell die Einsätze ablaufen. Die Rollenverteilung sitzt vom ersten Moment an bis zum Ende. Jede und jeder weiß, was zu tun ist.“ Was von außen manchmal wie Gewusel aussehe, sei in Wirklichkeit komplett durchorganisiert.
Ihn beeindrucke zudem zu sehen, wie alle zusammenhielten, sich gegenseitig unterstützten und sich zwischendurch auch mal auf die Schulter klopften: „Gestern hatten zwei Einsatzkräfte leichte Kreislaufprobleme. Nicht lange, da waren beide wieder aufgepäppelt und hätten am liebsten direkt weitergemacht.“ Mießeler schloss seinen Facebook-Post mit einem Dank: „Wir können stolz sein auf unsere Feuerwehrfrauen und -männer und auf alle Einsatzkräfte unserer Hilfsorganisationen.“
Die Brände sind zur regelrechten Plage der Entsorgungswirtschaft in Deutschland geworden
Die Sachschäden, die falsch entsorgte Batterien und Akkus verursachen, sind nach Angaben des Bundesverbands der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft (BDE) gravierend und für die Mitarbeiter der Entsorgungswirtschaft potenziell lebensgefährlich. Bundesweit sei es im Jahr 2025 zu mehr als 120 Bränden in Recycling- und Sortieranlagen, auf Betriebshöfen oder in Müllsammelfahrzeugen gekommen.
Der BDE dokumentiere die medienwirksam gewordenen Brandereignisse eigenständig, weil es noch keine amtliche Statistik der durch unsachgemäße Lithium-Ionen-Akkus ausgelösten Brände gebe. Die Brände seien zur regelrechten Plage der Entsorgungswirtschaft in Deutschland geworden.
Die recova GmbH betreibt eigenen Angaben zufolge eine lizenzierte Erstbehandlungsanlage und kauft gewerblich große Mengen an Elektronikschrott, Computerschrott und Leiterplatten (Platinen) an. Auch Privatkunden können Nichteisenmetalle wie Kupfer, Aluminium, Messing, Edelstahl, Zink, Zinn, Kabel, Hartmetall und Platinen verkaufen. (jtü)