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Kommentar

Grönland-Konflikt
Donald Trump kann keinen Alleingang wagen

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Nuuk: Blick über Nuuk aus dem achten Stock eines Wohngebäudes. Nach erfolglosen Gesprächen in Washington zur Beilegung des Grönland-Konflikts schicken mehrere Nato-Verbündete Dänemarks Soldaten auf die Arktisinsel.

Nuuk: Blick über Nuuk aus dem achten Stock eines Wohngebäudes. Nach erfolglosen Gesprächen in Washington zur Beilegung des Grönland-Konflikts schicken mehrere Nato-Verbündete Dänemarks Soldaten auf die Arktisinsel.

Alles scheint jetzt denkbar, selbst eine „Eroberung Grönlands“, von der Dänemarks Außenminister nach seinem Krisengespräch in Washington am Mittwoch wieder gesprochen hat.

Er wird doch wohl nicht wirklich…? Seit Donald Trumps Venezuela-Coup tun sich Beobachter sogar noch schwerer als vorher, beim amerikanischen Präsidenten die eher unwahrscheinlichen von den völlig unvorstellbaren nächsten Schritten zu unterscheiden. Alles scheint jetzt denkbar, selbst eine „Eroberung Grönlands“, von der Dänemarks Außenminister nach seinem Krisengespräch in Washington am Mittwoch wieder gesprochen hat. Trump macht eine Außenpolitik der Ersten Allgemeinen Verunsicherung, weil eingeschüchterte Verhandlungspartner in der Regel geschmeidiger sind als selbstbewusste. Umso mehr liegt daran, dass sich die Europäer jetzt nicht kirre machen lassen.

Denn auch wenn Trump einen anderen Eindruck erweckt: Dass Amerika westliche Partner hat und insbesondere ein Mitglied der Nato ist, ist ja kein selbstloser Akt der Barmherzigkeit. Es ist Ausdruck eines gemeinsamen freiheitlich-demokratischen Wertesystems, und nicht zuletzt ist es gerade aus amerikanischer Sicht ein Gebot der strategischen Vernunft.

Die USA mögen die letzte verbliebene Supermacht der Erde sein, aber ohne befreundete Staaten und speziell ohne Nato würde auch ihre Außenpolitik nicht etwa leichter, sondern riskanter, und übrigens auch dramatisch teurer. Oder wie sollten sich amerikanische Militärkräfte künftig durch die Welt bewegen, wenn sie nicht mehr auf die Drehkreuze ihrer Partner zurückgreifen könnten, das deutsche Ramstein allen voran, oder, Stichwort Iran-Konflikt, das türkische Incirlik?

Und auch seine Grönland-Ansprüche begründet Trump ja gerade nicht mit einer vermeintlichen Unangreifbarkeit Amerikas, sondern mit seiner Sorge vor China und Russland. Ob aber insbesondere Amerikas wachsende Rivalität zu China in den kommenden Jahrzehnten angenehmer wird, wenn man es sich parallel mit den Europäern verdirbt, dürften selbst in der MAGA-Bewegung nicht viele Menschen wahrscheinlich finden.

Kurz und gut: Die Europäer haben keinen Anlass, sich herumschubsen zu lassen. Ihre aktuelle gemeinsame Erkundungsmission auf Grönland, an der auch Bundeswehrsoldaten teilnehmen, lässt sich als Signal lesen, dass sie die Kräfteverhältnisse auch so einschätzen. Dass die Schnittmengen zwischen ihren und Amerikas militärischen Interessen im Fall Grönland sogar groß sind, kommt erleichternd hinzu. Beste Voraussetzungen eigentlich für eine Einigung.