Die Landesregierung muss Millionen Corona-Schutzkittel des Mönchengladbacher Hemdenherstellers van Laack verbrennen lassen. Ein Kommentar
Kommentar zur Entsorgung der NRW-Corona-VorräteIronische Schlusskurve einer dreijährigen Irrfahrt

Ein Berg mit FFP2-Schutzmasken (Symbolbild)
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Es ist die ironische Schlusskurve einer dreijährigen Irrfahrt: Die Landesregierung muss Millionen Corona-Schutzkittel des Mönchengladbacher Hemdenherstellers van Laack verbrennen lassen. Die Pandemie ist weitgehend vorbei, das Haltbarkeitsdatum der Ausrüstung inzwischen abgelaufen. Zurück bleibt ein Millionenverlust und ein beträchtlicher politischer Flurschaden.
Die umstrittene Auftragsvergabe ausgerechnet an die Modefirma van Laack hatte zu Beginn der Corona-Zeit über Monate die Landespolitik beschäftigt. Den Kontakt hatte der Sohn des damaligen Ministerpräsidenten Laschet hergestellt, der für das Unternehmen nebenberuflich modelt. An Reißfestigkeit und Dichtigkeit der Schutzausrüstung gab es Zweifel. Die Ausschreibungsmodalitäten gehorchten der Not, nicht dem Buchstaben des Gesetzes. Und nun: Alles für den Ofen.
Im Nachhinein ließe sich gewiss manches über kommunikative und handwerkliche Ungeschicklichkeiten der Verantwortlichen sagen, doch in der hektischen Hilflosigkeit der steigenden Infektionszahlen einer damals unbekannten Krankheit griff man halt nach jedem Strohhalm. Selbst nach solchen, die Geschäftemacher und Glücksritter hinhielten.
NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann formulierte es seinerzeit auf rustikale westfälische Art: „Wer nach dieser Krise nicht den Rechnungshof am Arsch hat, hat alles verkehrt gemacht.“ Die Lehre für künftige Notlagen muss lauten, dass man sich bei Medikamenten, Schutzausrüstung und anderen Schlüsselprodukten nie mehr so abhängig von den Launen der Weltmärkte macht wie 2020. Ob das noch im allgemeinen Bewusstsein ist – oder mit den Kitteln verdampfen wird?

