Nicht nur die Industrie leidet unter den hohen Preisen, sondern auch die mittleren und kleinen Unternehmen sowie die Verbraucher.

Kommentar zur KonjunkturlageDas Schlimmste liegt hinter uns

Energie dürfte zunächst teuer bleiben.
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Die deutsche Wirtschaft kommt einfach nicht in Gang. Im dritten Quartal sank das Bruttoinlandsprodukt – und auch im vierten Quartal dürfte nach Expertenschätzungen die Wirtschaft schrumpfen. Die Gründe sind altbekannt. Eine hohe Teuerung lässt keine Konsumlust aufkommen, der Export leidet unter der lahmenden Weltkonjunktur. Und teuer sind die Waren made in Germany außerdem, etwa wegen der hohen Energiepreise hierzulande.
Da bleibt auch der Ausblick verhalten – hohe Preise erzwingen weiter Einschränkungen. Zumal mancher Bundesbürger auf Ersparnisse zurückgegriffen haben dürfte, die geschmolzen sind und den Konsum jetzt nicht mehr ankurbeln können. Auch zeigen sich Bremsspuren auf dem Arbeitsmarkt. Die Arbeitsmarktforscher vom IAB sehen bereits einen schwierigen Winter.
Energie dürfte zumindest zunächst teuer bleiben. Rufe nach einem Industriestrompreis sind da wohlfeil, aber nicht unbedingt zielführend. Preise haben eine Lenkungswirkung. Teurer Strom sorgt für Energie-Einsparungen. Ohne sie bleibt Strom knapp und unnötig teuer – für alle. Nicht nur die Industrie leidet unter den hohen Preisen, sondern auch die mittleren und kleinen Unternehmen sowie die Verbraucher. Zielführender wäre da eine Stromsteuersenkung für alle.
Ein Brückenstrompreis, bis genug Strom auf Basis der Erneuerbaren erzeugt wird – das klingt gut. Aber wirklich billig wird Strom in Deutschland kaum werden. Denn er lässt sich auch durch Wind und Sonne in anderen Ländern günstiger erzeugen als hierzulande, so dass es bei einem Wettbewerbsnachteil für die deutsche Industrie im internationalen Vergleich bleiben wird. Wir müssen uns wohl vielmehr an den Gedanken gewöhnen, dass energieintensive Industrie in Deutschland nicht zu halten ist. Subventionierter Strom verlangsamt allenfalls die Abwanderung.
Hoffnung auf Besserung der wirtschaftlichen Lage machen aber die rückläufigen Inflationsraten. Teils liegen vereinbarte Lohnabschlüsse schon über der aktuellen Teuerung und sorgen so für mehr Kaufkraft. Das heißt nicht, dass die Wirtschaft schnell wieder Fahrt aufnimmt. Der Abwärtstrend flacht sich aber immerhin ab. Das Schlimmste könnte hinter uns liegen. Im kommenden Jahr könnte es unter dem Strich wieder Wachstum geben. Zumindest dann, wenn es keine weitere Eskalation der Krisen in der Ukraine und im Nahen Osten gibt.

