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Rundschau-Debatte des TagesVier-Tage-Woche – ein Experiment mit Zukunft?

3 min
Nicht erst seit der Corona-Pandemie leiden viele Beschäftigte wegen ihrer Arbeit unter Stress oder gar einem Burnout.

Nicht erst seit der Corona-Pandemie leiden viele Beschäftigte wegen ihrer Arbeit unter Stress oder gar einem Burnout.

Bei vollem Lohnausgleich haben einige tausend Arbeitnehmer an einem Testlauf zur Verkürzung der Arbeitszeit teilgenommen. Die Firmen ziehen ein positives Fazit und wollen mitunter sogar daran festhalten. Die wichtigsten Antworten im Überblick.

Vier Tage Arbeiten, drei Tage Wochenende – zum gleichen Lohn wie sonst bei einer Fünf-Tage-Woche: Was für viele Beschäftigte nach Wunschdenken klingen mag, ist in Großbritannien – zunächst für ein halbes Jahr – für einige tausend Arbeitnehmer Realität geworden. Nun geht es an die Auswertung der Testphase.

Welche Bilanz ziehen die beteiligten Arbeitgeber?

Nach Ende des Pilotprojektes zieht der Großteil der beteiligten Firmen ein überaus positives Fazit: Mehr als vier von fünf wollen an dem Konzept festhalten. 56 von 61 Arbeitgebern teilten nach Ende der Testphase mit, die Vier-Tage-Woche beibehalten zu wollen – 18 bestätigten das Konzept sogar bereits als dauerhaft eingeführt. Diese Ergebnisse gehen aus einer am Dienstag veröffentlichten Analyse von Forschern aus Boston sowie Cambridge hervor, die das Projekt wissenschaftlich begleitet und Tiefeninterviews mit Beteiligten geführt haben.

„Vor Beginn des Projektes haben viele gezweifelt, ob wir eine Steigerung der Produktivität sehen würden, die die Verkürzung der Arbeitszeit ausgleicht – aber genau das haben wir festgestellt“, hält der Forscher Brendan Burchell von der Universität Cambridge fest. Durchschnittlich stieg der Umsatz der beteiligten Unternehmen der Analyse zufolge während der Testphase in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres um 1,4 Prozent.

Die Krankheitstage gingen demnach während des Testzeitraums um rund zwei Drittel (65 Prozent) zurück und die Zahl der Angestellten, die in dieser Zeit das Unternehmen verließen, fiel um mehr als die Hälfte (57 Prozent). Rund vier von zehn Beschäftigten gaben an, sich weniger gestresst zu fühlen als vor Beginn des Projektes.

Welche Firmen nahmen an dem Projekt teil?

Die Gruppe der Unternehmen war möglichst breit aufgestellt: An dem britischen Projekt nahmen sowohl Unternehmen aus dem Finanzsektor, der IT- und Baubranche sowie der Gastronomie oder dem Gesundheitswesen, als auch ein Fish-und-Chips-Laden teil. Insgesamt beschäftigen die beteiligten Firmen rund 2900 Angestellte. Einige Betriebe führten flächendeckend ein dreitägiges Wochenende ein, während andere den freien Tag der Angestellten über die Woche staffelten oder an bestimmte Ziele koppelten. Auch in anderen Ländern wird mit der Vier-Tage-Woche experimentiert, darunter Irland, Island, Belgien oder Australien. Einige deutsche Betriebe testen ebenfalls ähnliche Varianten aus. Ein Grund dafür ist auch die Corona-Pandemie: Viele Betriebe berichteten, in dieser Zeit seien hohe Arbeitsbelastung und Stress verstärkt als Konfliktfelder aufgekommen und es sei nach neuen Wegen und Lösungen gesucht worden.

Wie bewerten die Beschäftigten den Test?

Wie aus den Befragungen hervorgeht, nutzten die meisten Beschäftigten den zusätzlichen freien Tag vor allem für die Erledigung alltäglicher Aufgaben wie Einkäufe oder Haushaltsarbeit. Dies ermöglichte vielen wiederum, das eigentliche Wochenende stärker zur Erholung zu nutzen, mehr Zeit mit Familie oder Freunden zu verbringen und sich stärker ihren Hobbys oder einem ehrenamtlichen Engagement zu widmen.

Vereinzelt äußerten Beschäftigte jedoch auch Zweifel an dem Modell: So hatten einige die Sorge, dass sich ihre Belastung an den verbliebenen Arbeitstagen zu stark steigern könne. Auch Wirtschaftswissenschaftler Lee wirft die Frage auf, wie die Vier-Tage-Woche in systemrelevanten Branchen – wie etwa der Pflege oder dem Gesundheitswesen – funktionieren solle, wo es schlicht nicht möglich sei, die Produktivität zu steigern. Das Risiko sei, dass die Attraktivität dieser Berufe durch eine Vier-Tage-Woche abnehme, wenn das Konzept dort nicht funktioniere. „Das wäre schlecht, weil wir in diesen Berufen ohnehin schon Mangel haben“, sagte Lee. (dpa)