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DreikönigswallfahrtWarum Köln zu den wichtigsten Pilgerzentren Europas zählt

3 min
Der Schrein im Kölner Dom, in dem die Gebeine der Heiligen Drei Könige aufbewahrt werden

Der vergoldete und mit kostbaren Edelsteinen besetzte Dreikönigsschrein im Kölner Dom

Am Mittwochabend beginnt die Dreikönigswallfahrt. Domdechant Robert Kleine erläutert, wie die mittelalterliche Tradition wiederbelebt wurde.

Im Mittelalter wurde Köln zu einem der wichtigsten Pilgerorte Europas. Neben Rom, Jerusalem und Santiago de Compostela zählte die Stadt zu den bedeutenden Wallfahrtsorten der christlichen Welt.

Der Wendepunkt war das Jahr 1164: Erzbischof Rainald von Dassel brachte die Reliquien der Heiligen Drei Könige von Mailand nach Köln. Am 23. Juli 1164 wurden sie feierlich im damaligen romanischen Dom aufgenommen.

Reliquien galten den Menschen des Mittelalters als Verbindung zu den Heiligen und zu Gott. Die Heiligen Drei Könige waren besonders bedeutsam, weil sie nach christlicher Überlieferung zu den ersten gehörten, die das Kind in der Krippe als Messias, als Sohn Gottes verehrten.

Seitenansicht des Dreikönigsschreins im Kölner Dom

Seitenansicht des Dreikönigsschreins im Kölner Dom

Nach der Ankunft der Reliquien zog Köln Pilger aus vielen Regionen an. Die Lage an wichtigen Verkehrswegen machte die Stadt zugleich zu einem religiösen und wirtschaftlichen Zentrum.

Kölner Dom wurde für die Gebeine der Heiligen Drei Könige neu gebaut

Für die Reliquien entstand um 1200 der kostbare Dreikönigenschrein. Das mit Gold, Silber, Edelsteinen und Figuren geschmückte Werk gilt als eines der bedeutendsten Goldschmiedewerke des Mittelalters.

1248 wurde der Grundstein für den heutigen gotischen Kölner Dom gelegt. Der Neubau sollte den Schrein aufnehmen, dem Pilgerstrom gerecht werden und Kölns Bedeutung als religiöses Zentrum zeigen.

Im 19. Jahrhundert kam die große Wallfahrtstradition zum Schrein zum Erliegen, der Schrein wurde in die Schatzkammer des Domes gebracht. Nach dem Zweiten Weltkrieg ließ Kardinal Josef Frings den Dreikönigenschrein wieder im Binnenchor hinter dem Hochaltar aufstellen; eine regelmäßige Wallfahrt entstand zunächst jedoch nicht.

Hinter einem Gitter werden nach der Öffnung des Dreikönigsschreins die Schädel der Heiligen Drei Könige Kaspar, Melchior und Balthasar sichtbar.

Hinter einem Gitter werden nach der Öffnung des Dreikönigsschreins die Schädel der Heiligen Drei Könige Kaspar, Melchior und Balthasar sichtbar. Die Heiligen Drei Könige ruhen der Überlieferung zufolge im Kölner Dom. Am Dreikönigstag, dem 6. Januar, wird der Goldschrein mit den Gebeinen geöffnet.

Den entscheidenden Impuls gab der Weltjugendtag 2005 in Köln. Hunderttausende junge Menschen besuchten die Stadt; die Wallfahrt zum Schrein wurde zu einem prägenden Bestandteil und führte zu der Idee, die Pilgertradition neu zu beleben. 2006 wurde die jährliche Domwallfahrt eingeführt. Sie findet rund um den 27. September, den Weihetag des Kölner Doms, statt. Die erste Domwallfahrt stand unter dem Leitwort „Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt.“

In den folgenden Jahren wurde die Domwallfahrt zu einem festen Bestandteil des geistlichen Lebens am Kölner Dom. Neben Gottesdiensten entstanden Angebote für unterschiedliche Gruppen. Die Verbindung zum Dreikönigenschrein blieb dabei zentral.

Dreikönigswallfahrt feiert ihr 20-jähriges Bestehen

2019 wurde die Wallfahrt erstmals als Dreikönigswallfahrt bezeichnet. Damit rückten die Heiligen Drei Könige und die Verehrung ihrer Reliquien wieder stärker in den Mittelpunkt. Zum Programm gehören der Pilgerweg durch den Dom mit Stationen wie Christophorus, Mailänder Madonna, Dreikönigenschrein, Gerokreuz und Schmuckmadonna sowie Gottesdienste und Angebote für verschiedene Gruppen.

In diesem Jahr feiert diese Wallfahrt ihr 20-jähriges Bestehen. Das Leitwort der Jubiläumswallfahrt vom 23. bis 27. September lautet: „Wir haben seinen Stern aufgehen sehen“.

Kölns Dom- und Stadtdechant Monsignore Robert Kleine

Kölns Dom- und Stadtdechant Monsignore Robert Kleine

Die heutige Dreikönigswallfahrt verbindet also zwei Zeitebenen: Ihre regelmäßige Form besteht seit 2006, ihre Wurzeln reichen bis zur Ankunft der Reliquien 1164 zurück.

So verbindet die heutige Wallfahrt mittelalterliche Reliquienverehrung mit moderner Pilgerpraxis. Der Weg durch den Dom steht zugleich für die Geschichte der Wallfahrt: Eine alte Tradition wurde wiederentdeckt und zu einer lebendigen Form entwickelt, die Menschen bis heute zum Aufbruch, zur Suche und zur Begegnung mit Christus einlädt.

Die Heiligen Drei Könige können in unserer Zeit Vorbilder für alle Menschen, egal welchen Glaubens und welcher Weltanschauung, sein: Sie kommen aus unterschiedlichen Ländern und Kulturen. Sie wagen einen Aufbruch und sind gemeinsam auf dem Weg. Sie haben ein gemeinsames Ziel und freuen sich über das Erreichte. Sie geben und werden dadurch selbst beschenkt. Und sie gehen auf einem anderen Weg zurück, lassen sich also wieder auf Neues ein.


Zur Person

Monsignore Robert Kleine ist seit 2012 als Domdechant für die Liturgie im Kölner Dom verantwortlich. Im selben Jahr wurde er zum Stadtdechanten von Köln ernannt. In dieser Position ist er Bindeglied zwischen den Pfarrgemeinden und dem Erzbischof. Kleine wurde 1967 in Neuss geboren und 1993 zum Priester geweiht. (fu)