Mehrere Tausend Menschen tanzten bei der „We love the 90s“-Party im Rhein-Erft-Kreis. Für einige von ihnen endete die Party im Krankenhaus.
Täter alkoholisiert27 Party-Besucher in Elsdorf mit Pfefferspray verletzt

Feuerwehr und Polizei waren mit einem Großaufgebot vor Ort.
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Es sollte eine fröhliche, unbeschwerte Feier werden. Mehrere Tausend Menschen feierten Open-Air-Party auf dem Parkplatz der Festhalle Elsdorf (Rhein-Erft-Kreis). Doch das „We love the 90s“-Event endete für etliche Besucherinnen und Besucher am Freitagabend (12. Juni) jäh. 27 Personen klagten über Atemnot sowie juckende und brennen Augen, nachdem ein Mann in der Nähe der Bühne grundlos Pfefferspray in die Menge gesprüht hatte, sechs von ihnen mussten in umliegende Krankenhäuser gebracht werden, konnten diese aber wieder verlassen. Die Verletzten sollen nach Recherchen dieser Zeitung zwischen 18 und 50 Jahre alt sein.
Polizisten konnten den offenbar alkoholisierten Mann noch vor Ort festnehmen. Er verbrachte die Nacht in der Ausnüchterungszelle. Gegen ihn ermittelt die Polizei nun wegen Körperverletzung. Nach Recherchen dieser Redaktion handelt es sich um einen Jugendlichen. Nähere Angaben zum Täter machte die Polizei nicht.

Die Party lief nach dem Zwischenfall bis in die Nacht weiter.
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Wegen der vielen Verletzten hatte die Kreisleitstelle der Feuerwehr das Stichwort „MANV“ (Massenanfall von Verletzten) ausgelöst. Rettungskräfte aus dem gesamten Rhein-Erft-Kreis, ein Leitender Notarzt und ein Organisatorischer Leiter rückten an.
Die Party wurde auch während des Einsatzes nicht unterbrochen. Eine Beendigung wegen des traurigen Zwischenfalls stand offenbar nicht zur Diskussion, auch zum Erstaunen der Helfer vom Malteser Hilfsdienst, der für die Party begleitete. Sie endete plangemäß in den frühen Morgenstunden. Veranstalterin ist die Stadt Elsdorf.

Zahlreiche Rettungskräfte waren in Elsdorf im Einsatz
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Bürgermeister Heller erntet Kritik in sozialen Medien
Elsdorfs Bürgermeister Andreas Heller (CDU) meldete sich am Samstagmorgen in den sozialen Netzwerken zu der Veranstaltung zu Wort. Den Zwischenfall erwähnte er jedoch nicht, sondern sprach von einem „wirklich großartigen Abend mitten im Herzen unserer Stadt“. Etliche Facebook-User äußerten ihr Unverständnis darüber. So schrieb einer: „Sie sollten sich schämen, dass Sie den in Ihren Augen wohl ‚kleinen Vorfall‘ nicht erwähnen!“ Eine andere bemerkt: „Und auch hier wird der Vorfall ignoriert und nicht nach den Betroffenen gefragt, wie auch gestern nicht. Genauso runtergespielt, als wäre überhaupt nichts passiert. Da war überall Security, die in den Taschen geschaut hat. Wie konnte sowas überhaupt passieren?“

Was friedlich begann, endete für einige Partygäste in Elsdorf jäh.
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Ein weiterer User beklagt: „Eine unverschämte Respektlosigkeit gegenüber allen Verletzten und den Rettungskräften, welche wegen dieses Vorfalls nach Elsdorf mussten. Dies einfach unerwähnt zu lassen und nicht zu verurteilen, da kann man als Bürger dieser Möchtegernstadt einfach nur massiv den Kopf schütteln.“
Diesen Vorwürfen widersprach Heller in einem Gespräch mit dieser Zeitung. „Wir haben noch am Abend den Einsatzkräften gedankt“, so der Bürgermeister. Selbstverständlich wünsche man allen Verletzten schnelle Genesung. Die Kritik, dies nicht auch öffentlich getan zu haben, nehme er mit. Es sei traurig, dass eine so schöne Veranstaltung von der Tat eines Einzelnen überschattet werde. „Wir werden uns im Nachgang auch noch einmal mit dem Sicherheitsunternehmen zusammensetzen und schauen, ob es Verbesserungsbedarf gibt“, so Heller.
Eine Besucherin berichtete dieser Redaktion: „Die Kontrollen waren in diesem Jahr total lax. Anders als im vorigen Jahr, da waren sie sehr, sehr streng. Da mussten alle unter 16 Jahren um 22 Uhr raus. Dieses Mal hat das niemand kontrolliert.“
Es gab auch andere Stimmen. So meldete sich ein User zu Wort: „Mein Gott, fahrt Euch mal runter. Es wurde keine Handgranate geworfen und auch keiner lebensbedrohlich verletzt. Es war Pfefferspray und kein Senfgas. Deswegen aber eine Veranstaltung abzubrechen? Für was? Tränende Augen?“
„Wir bedauern sehr, dass es zu dem Vorfall gekommen ist und unter den fast 5000 Menschen, die friedlich gefeiert haben, einer dabei war, der den Zwischenfall zu verantworten hat“, sagte Robert Wassenberg, Sprecher der Stadt und Mitarbeiter der städtischen Kulturabteilung als Veranstalterin auf Anfrage dieser Redaktion. Es habe Einlasskontrollen gegeben. Gleich nach dem Vorfall habe er mit der Einsatzleiterin der Polizei gesprochen. „Sie hat gesagt, dass das Sicherheitskonzept vernünftig war. Die 27 Verletzten wurden sofort behandelt.“
Was 2017 mit einigen Hundert Zuschauern und einem Bierwagen im Freibad gestartet war, hat sich zur größten 90er-Jahre-Party im Kreis im Jahr 2024 mit 4500 Besuchenden gemausert. „Die Veranstaltung ist längst Kult geworden und über die Stadt- und Kreisgrenze hinaus beliebt“, hatte Harald Könen (SPD), stellvertretender Bürgermeister der Stadt Elsdorf, bei der Programmvorstellung im Mai gesagt.
„Die Party konnte von Beginn an ohne jegliche Randale als friedliches Fest gefeiert werden“, betonte Könen. Dazu sollten auch in diesem Jahr ein Sicherheitskonzept und rund 45 Security-Mitarbeitende beitragen, die auf dem Platz und auch in der Umgebung des Festareals nach dem Rechten sehen werden. Den Pfefferspray-Angriff konnten sie offenbar nicht unterbinden.
