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Schmeckt's Frau Floß?Em Golde Kappes – Kölscher wird es kaum

4 min
Fassade und Außengastronomie des Brauhauses „Em Golde Kappes“

Das „Em Golde Kappes“ ist eine echte Nippeser Institution an der Florastraße.

Wer das Kölsche Brauhaus schätzt, ist Em Golde Kappes genau richtig. Ähzezupp und Halve Hahn gibt es hier natürlich. Unser Lieblingsgericht ist aber ein anderes

Der Name „Em Golde Kappes“ erzählt Kölner Stadtgeschichte. Die heutige Florastraße hieß noch bis 1913 Kappesgasse. „Kappes“ heißt auf Hochdeutsch Kohl und genau mit diesem verdienten die hiesigen Landwirte ihr Geld, die Kappesbuure, also die Kohlbauern von Nippes. Und deshalb baumelt noch heute der große goldene Kohlkopf über dem Eingang der Gaststätte.

Ende der 2000er Jahre drohte dem traditionsreichen Haus das Ende. Die Gaststätte stand leer, bis die Brauerei Früh das sanierungsbedürftige Gebäude übernahm und es mit viel Fingerspitzengefühl wieder zum Leben erweckte.

Julia Floß

Julia Floß

Julia Floß ist ausgebildete Köchin und Patissière und hat viele Jahre in verschiedenen von Gault-Millau und Guide Michelin ausgezeichneten Küchen gearbeitet, bevor sie Journalismus und Medienkommunika...

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Heute ist der „Golde Kappes“ wieder ein echtes Schmuckstück – mit liebevollen Details wie den Bleiglasfenstern, den geschnitzten Bänken und der Holzvertäfelung. In Nippes gibt es sogar noch eines der letzten Kölner Thekenschaafe zu bestaunen. Was aussieht wie eine Mischung aus Kassenhäuschen und Beichtstuhl ist der traditionelle Sitz- und Arbeitsplatz von Kölner Gastwirten. Die goldenen Kohlköpfe finden sich übrigens sogar in den Waschräumen wieder, als Fliesenbordüre. Das nenne ich Liebe zum Detail.

Im Golde Kappes sitzt ganz Nippes. Entweder drinnen oder bei gutem Wetter draußen auf dem Platz neben der Einheitstraße. Auf den Tischen stehen Kölsch, Frikadellen, Halve Hahn, Schweinehaxe, Reibekuchen und Flönz. Kölscher wird es kaum. Womit wir beim Köbes wären. Ein Phänomen, das sich mir vermutlich nie erschließen wird.

Inneneinrichtung des Brauhauses: Bleiglasfenster, geschnitzte Bänke und Holzvertäfelung

Das Brauhaus ist ein echtes Schmuckstück, findet unsere Kolumnistin. Sie überzeugen die Details, wie die Bleiglasfenster, geschnitzte Bänke und die Holzvertäfelung.

Kölnerinnen und Kölner sind weit über die Stadtgrenze für ihre freundliche, offene, hilfsbereite Art bekannt. Man hält am Büdchen einen Plausch, kommt mit dem Sitznachbarn in der Bahn ins Gespräch und wird im Supermarkt von älteren Damen gefragt, ob man kurz zwei Pakete Butter aus dem Kühlregal angeln könnte: „Isch kann misch nit mieh esu bücke.“

Aber kaum betritt man ein Brauhaus, scheint all das außer Kraft gesetzt. Der Köbes rauscht vorbei, knallt die Bierdeckel auf den Tisch und beantwortet Fragen mit einer Wortanzahl, die sich meist an einer Hand abzählen lässt. Ich weiß natürlich, dass genau das Tradition ist. Der Köbes ist eine Institution – ruppig, schlagfertig, trocken. Man muss sich als Gast seine (oder ihre) Gunst erst verdienen. Vielleicht fehlt mir als Zugezogene einfach das kölsche Gen, das darin den eigentlichen Charme erkennt.

Himmel un Ääd als Highlight

Zum Glück kommt aus der Küche ausschließlich Charmantes. Der Erbseneintopf (Ähzezupp) ist genau so, wie ich ihn mir wünsche: herzhaft, deftig und angenehm würzig. Er schmeckt nach Brühe und Erbsen. Nicht zu dick, nicht zu dünn, einfach die perfekte Konsistenz. Das Röggelchen dazu verdient fast eine eigene Erwähnung: ganz leicht und luftig, mit einer wunderbar krossen Kruste. Die ideale Grundvoraussetzung für den Halven Hahn mit Holländer aus dem eigenen Reifekeller.

Mein persönliches Highlight ist allerdings Himmel un Ääd. Ein Gericht, das in Köln oft serviert, aber längst nicht immer ernst genommen wird. Hier schmeckt es wie aus dem Lehrbuch. Der Kartoffelstampf ist cremig, aber rustikal und genau richtig abgeschmeckt – weder fade noch überwürzt. Das grobe Apfelmus bringt intensive Frucht, eine angenehme Säure und genau die Frische, die das Gericht braucht. Obendrauf türmt sich ein stattlicher Berg geschmorter Zwiebeln. Und dann die Flönz. Außen herrlich knusprig angebraten, innen weich, saftig und kräftig gewürzt. Majoran und wärmende Gewürze verleihen ihr genau den Charakter, den ich an guter Blutwurst so mag.

Reibekuchen am Montag, Hämmchen am Dienstag und Schweinerippchen am Mittwoch

Profi-Tipp: Immer einen sogenannten Alles-Bissen auf die Gabel laden. Ein Stück Flönz, etwas Kartoffelstampf, Apfelmus und ein paar Zwiebeln. Erst zusammen entsteht die perfekte Balance aus würzig, süß, säuerlich und herzhaft.

Auch die Reibekuchen (jeden Montag) können sich sehen lassen. Die Kartoffeln sind fein gerieben, mit reichlich Zwiebeln. Die Küchlein werden nicht flach gepresst, sondern bleiben leicht uneben. Dadurch wird vor allem der Rand wunderbar knusprig, während die Mitte etwas weicher bleibt. Das dazu gereichte grobe Apfelkompott ist ausgezeichnet – fruchtig, aromatisch und mit genau der richtigen Säure. Wer mag, bekommt die Reibekuchen auch klassisch mit Schwarzbrot und Butter, Rübenkraut oder mit Räucherlachs und Preiselbeer-Meerrettich serviert.

Dienstags gibt’s übrigens Hämmchen und Mittwochs Schweinerippchen. Der Golde Kappes schafft das, woran andere Brauhäuser nicht selten scheitern: Er kocht kölsche Klassiker für Menschen, die mit diesen Gerichten aufgewachsen sind und die bei ihrem Urteil eine ähnliche Sanftheit an den Tag legen, wie ein gewisser Mensch mit blauer Schürze und Kölschkranz. Vielleicht ist das die Erklärung.


Fazit: Ein Brauhaus, das sein Veedel und seine Küche mit derselben Sorgfalt pflegt.

Note: 5 von 6

FRÜH „Em Golde Kappes“, Neusser Str. 295, 50733 Nippes, Telefon: 0221 92292640, Öffnungszeiten: Mo bis Do 11.30-22.30 Uhr, Fr und Sa 11.30-0 Uhr, So 12-22 Uhr, www.emgoldekappes.de

  1. Erbseneintopf mit Röggelchen // 5,80 Euro
  2. Himmel un Ääd gebratene Blutwurst mit Kartoffel-Apfelpüree und Schmorzwiebeln // 14,10 Euro
  3. Halver Hahn Früh´s Holländer, aus eigener Reifung, Röggelchen und Butter // 7,10 Euro
  4. 3 Reibekuchen mit Apfelkompott // 10,40 Euro
  5. Schweinehaxe mit Jus und Bratkartoffeln // 21,80 Euro